Die Ausgangslage ist im Limmattal eigentlich klar: Elf Sitze sind zu vergeben, und alle elf Bisherigen treten wieder an. Doch das Rennen ist damit nicht gelaufen. Es gibt einige Unbekannten, die den Ausgang der Kantonsratswahlen beeinflussen.

So kämpft ein Bisheriger eigentlich um einen neuen Sitz: Martin Romer war im Januar 2016 in den Kantonsrat nachgerückt, damals für die FDP. Während der Amtsperiode wechselte er die Partei. Deshalb tritt der Dietiker für die BDP an, die im Limmattal noch nie einen Sitz erobern konnte.

Zudem hat sich auch die Grosswetterlage wieder grundlegend verändert: Nach Hitzesommer und anhaltenden Klimademonstrationen haben grüne Anliegen Aufwind erhalten. Insbesondere Grüne und Grünliberale hoffen, dass sich dies in ihrem Wahlresultat niederschlägt, wie dies auch schon vor acht Jahren nach dem Erdbeben in Japan und der folgenden AKW-Panne mit dem Fukushima-Effekt der Fall war.

Grosse Umstürze in der Parteienlandschaft sind aber nicht zu erwarten. Da das Wählerverhalten trotz allem relativ stabil ist, gibt es nur wenige Sitzverschiebungen. Bei den letzten Erneuerungswahlen im Jahr 2015 wechselte lediglich ein Sitz – die FDP legte damals auf Kosten der Grünen um ein Mandat zu. 2011 übernahm die GLP den Sitz der EVP. In diesem Jahr sind ebenfalls vereinzelte Veränderungen denkbar.

Die stabilen drei Parteien

Die SVP konnte in den vergangenen fünf kantonalen Wahlgängen – also seit 1999 – stets vier Sitze holen. Auch in der nächsten Legislatur dürfte die wählerstärkste Partei, die im Limmattal vor vier Jahren auf einen Wähleranteil von 36,3 Prozent kam, selbst bei einem allfälligen, unter anderem der Klimadebatte geschuldeten Verlust wieder vier Personen ins Zürcher Rathaus schicken.

Die besten Chancen haben erfahrungsgemäss die Bisherigen. Pierre Dalcher ist zwar vor einem Jahr aus dem Schlieremer Stadtrat gewählt worden. Dies ist aber auf eine Dynamik in einer Exekutivwahl zurückführen, wie sie bei den Kantonsratswahlen, bei denen der Schlieremer vom zweiten Listenplatz aus startet, nicht zu erwarten ist.

Die SP des Bezirks Dietikon verlor 2007 ihr drittes Mandat, erzielte aber in den Jahren 2007, 2011 und 2015 konstant einen Wähleranteil um 17,5 Prozent. Ihre zwei Sitze sind damit an sich unbestritten. Rein rechnerisch scheint sowohl ein Gewinn als auch ein Verlust eines Mandates zu weit entfernt zu sein.

Ähnlich sieht es bei der CVP aus; deren Sitz dürfte im Bezirk ungefährdet sein. 2015 erzielte sie einen Wähleranteil von 8,4 Prozent, womit sich ein Anspruch auf einen Vertreter ergibt. Im Limmattal ist die Partei nach wie vor gut verankert – kantonsweit erreichte die CVP 2015 einen Wähleranteil von knapp 5 Prozent.

Zwei bangen um denselben Sitz

Die FDP hat während der Legislatur einen Sitz an die BDP verloren, der ihr gemäss des letzten Wahlausgangs zustehen würde. Ob den Limmattaler Freisinnigen dieser dritte Sitz nun wieder zugesprochen wird, ist offen. Denn dieser war ihr 2015 knapp zugefallen: Mit einem auf 20 Prozent gestiegenen Wähleranteil im Limmattal hätten ihr theoretisch nur 2,2 der 11 Sitze zugestanden. Ihr konnten aufgrund des Abschneidens der anderen Parteien und der verwendeten Berechnungsmethode aber zum ersten Mal seit 1995 wieder ein dritter zugeteilt werden.

Die BDP bangt derweil gleich aus zwei Gründen. Einerseits spielte sie beim letzten Wahlgang 2015 mangels bekannter Politiker im Bezirk eine untergeordnete Rolle (Anteil: 1,6 Prozent). Es muss sich nun weisen, ob die Partei dank Romers Bisherigenstatus und dessen Wahlkampf nun zulegen kann. Andererseits ist nicht ganz sicher, ob die Partei in einem der 18 Wahlkreise die Fünf-Prozent-Hürde überspringen kann. 2015 schaffte dies die Partei nur in Andelfingen (5,8 Prozent) und Uster (5,7 Prozent).

Alles Grüne hofft

Die beiden Parteien, die die Farbe Grün im Namen tragen, setzen auf die Klimadebatten. Die Grünen hoffen dabei, den Sitz, den sie kurzzeitig in den Legislaturen 2007/11 und 2011/15 hielten, zurückzuerobern. 2015 erreichten sie im Limmattal einen Wähleranteil von 3,7 Prozent und waren damit relativ weit von einem Sitz entfernt. Können sie nun, wie dies einige Prognosen nahezulegen scheinen, zulegen, erscheint ein Mandat zumindest nicht ganz ausgeschlossen.

Für die Grünliberalen dürften gemäss den Vorhersagen zwar ebenfalls mehr Stimmen als vor vier Jahren abgegeben werden; damit kann die Limmattaler GLP aber wohl vor allem ihren bisherigen Sitz besser absichern, der Abstand zu einem zweiten ist zu gross.

Die Wartenden und die Methoden

Die drei weiteren im Bezirk Dietikon antretenden Parteien EVP, AL und EDU stellen derzeit keinen Vertreter im Kantonsrat. Dies dürfte auch so bleiben. Am nächsten dran ist dabei die EVP (2015: 3,8 Prozent). AL (1,3 Prozent) und EDU (1,1 Prozent) können im Limmattal derweil auf eine treue, aber doch auch kleine Unterstützergruppe zählen.

Wie die elf Limmattaler Sitze am Ende effektiv den Parteien zugesprochen werden, wird sich erst am späten Nachmittag des Abstimmungssonntags vom 24. März weisen. Dies ist vom Zuteilungsverfahren – dem «doppelten Pukelsheim» – abhängig.

Dabei werden die 180 Sitze zuerst in einer Oberverteilung kantonsweit auf die Parteien verteilt. Dies ermöglicht es, dass der Wählerwillen im Parlament besser abgebildet wird, indem kleinere Parteien nicht benachteiligt werden. Erst in einem zweiten Schritt werden die Sitze in den einzelnen Wahlkreisen verteilt.

Dabei muss die Oberverteilung insgesamt eingehalten werden. Dadurch kann es im Extremfall vereinzelt dazu kommen, dass eine Partei in einem Wahlkreis einen Sitz mehr erhält als eine Partei, die mehr Stimmen erzielte. Prognosen über einzelne Wahlkreise sind deshalb – sowie wegen allen weiteren Unwägbarkeiten – mit Vorsicht zu geniessen.