Knapp drei Minuten bleiben noch zu spielen in der Partie zwischen Schlieren und Embrach in der Stadthalle Dietikon, da raufen sich die Limmattalerinnen die Haare. Selina Antonopoulos hätte aus bester Position beinahe den Siegestreffer für die Schlieremerinnen erzielt, doch der Ball landet nicht im Tornetz. Somit bleibt es beim 1:1 – bis zum Ende der zehnminütigen Partie.

Das Unentschieden bringt Schlieren den ersten Punkt an diesem Abend ein, nachdem die Limmattalerinnen das erste Spiel gegen Töss noch verloren haben. «Das ist das Schlieren-Syndrom», sagt Captain und Torhüterin Larissa Gamper später. «Wir waren in der ersten Partie nicht bereit.» Ein möglicher Grund dafür sei, dass man aus den Weihnachtsferien zurückgekehrt sei und seither noch nicht trainiert habe, aber auch der Beruf spiele womöglich eine Rolle. «Ich bin um fünf Uhr morgens aufgestanden, dann heute Abend noch das Turnier», sagt Gamper. «Richtig anstrengend!»

Die 16-jährige Torhüterin der Schlieremerinnen spielt ohnehin lieber draussen auf dem Rasen als drinnen in der Halle. «Das ist der richtige Fussball», sagt sie. Ihre Teamkollegin Florentina Idrizaj pflichtet ihr bei: «Draussen hat man einfach mehr Möglichkeiten, auch wenn man in der Halle via Wand spielen kann, was ein grosser Vorteil ist.»

Dietikerinnen mit Ambitionen

Dass die B-Juniorinnen des FC Schlieren an diesem Abend überhaupt in der Stadthalle Dietikon kicken können, haben sie ausgerechnet dem Trainer des Lokalrivalen FC Dietikon zu verdanken: Moris Rionero. Er hat die Einführung der B-Kategorie am Bolliger-Cup initiiert. «Die Spielerinnen sind sehr motiviert an dieses Turnier gekommen», sagt er. «Sie waren schon eine Stunde vor der ersten Partie in der Halle. Sonst sind sie jeweils zehn Minuten vorher da.»

Dass die Dietikerinnen Ambitionen haben, zeigt sich in den ersten beiden Vorrundenspielen. Sie gewannen beide, wenngleich sie beim zweiten Spiel gegen Fislisbach mit einem Beinschuss 20 Sekunden vor Schluss auch etwas glücklich in Führung gingen. «Wir hoffen natürlich, dass wir möglichst weit kommen», sagt Rionero. Er hofft aber auch, dass sich seine Spielerinnen nicht verletzen.

Dieselbe Hoffnung hegt auch Roland Steiner. «Man hat immer Angst davor, dass sich eine Spielerin verletzten könnte», sagt er. Trotzdem lässt er sein Team pro Jahr an bis zu vier Hallenturnieren antreten, «als Überbrückung, da die Pause bis zum März doch sehr lange ist.» Ausserdem förderten solche Turniere den Teamgeist. Steiner trainiert das Team seit zweieinhalb Jahren. Damals waren seine Spielerinnen noch C-Juniorinnen.

Er beobachtet, dass Fussball auch bei Mädchen immer mehr zum Thema wird. «Früher gab es bei Schlieren acht, neun Juniorinnen», sagt er. «Mittlerweile sind es über 80.» Insbesondere bei den ganz jungen Mädchen steht Fussball hoch im Kurs. «Pro Woche haben wir ein, zwei Spielerinnen im Probetraining», so Steiner. «Und die Mädchen bringen wiederum andere Mädchen mit.» So war es beispielsweise bei Gampers Schwester, die auch beim FC Schlieren kickt.

Die B-Juniorinnen sind bei Schlieren auch die letzte Stufe, bevor sie in ein Aktivteam wechseln. «Ab August werden sechs Spielerinnen zu alt sein», sagt Steiner. Dann stehe die Entscheidung an, ob sie weitermachen. «Gerade in diesem Alter trennt sich die Spreu vom Weizen», so der Trainer. «Die einen wollen wirklich etwas erreichen, die anderen sehen das Ganze als Plausch.»

Turnier soll Spass machen

Ein Plausch – das soll für die Schlieremerinnen auch ihr erster Bolliger-Cup werden. «Wir wollen einfach Spass haben mit unserem Team», sagt Idrizaj. Dass man dabei ausgerechnet beim Lokalrivalen FC Dietikon antreten muss, spielt für die Schlieremerinnen keine grosse Rolle, da sie in der Gruppenphase nicht aufeinandertreffen. «Wenn sie direkt gegeneinander spielen, herrscht aber schon Derbyatmosphäre», sagt Steiner.

Zum Derby kommt es allerdings nicht an diesem Abend. Gamper, Idrizaj und die anderen Schlieremerinnen verlieren das dritte Gruppenspiel und belegen am Ende überraschend nur den letzten Gruppenplatz. Mit dem Resultat ist Steiner nicht glücklich: «Aus spielerischer Sicht bin ich zufrieden, aber die Effizienz hat gefehlt. Die Mannschaft kann mehr.»

Immerhin dürfen sich die Schlieremerinnen über einen Trostpreis freuen: Sie werden dank eines Forfaitsieges in den Platzierungsspielen Elfte. Die Gegnerinnen von Döttingen B waren nicht mehr zur letzten Partie des Abends erschienen.

Für die Dietikerinnen nimmt der Abend dagegen ein erfolgreicheres Ende: Sie gewinnen auch ihre dritte Vorrundenpartie, unterliegen erst im Halbfinal und belegen am Ende den dritten Platz. «Wir sind sehr zufrieden mit unserem Abschneiden», sagt Rionero. Einzig mit der Tatsache, dass sich zwei Spielerinnen seines Teams verletzt haben, hadert der Dietiker Trainer.