Noch ist erst ein kleiner Teil der Limmattalbahn erstellt: Am 31. August wird am Schlierefäscht die erste Etappe eröffnet, die rund drei Kilometer lang ist. Daraufhin werden die Bauarbeiten für die zweite Etappe, die mit rund zehn Kilometern deutlich länger ist, aufgenommen. Diese dauern bis im Dezember 2022. Dennoch ist bereits heute klar: Der Kredit über 755 Millionen Franken, den die Kantone Zürich und Aargau sowie der Bund bewilligt hatten, muss nicht ganz ausgeschöpft werden.

Dies gab Daniel Issler, Geschäftsführer der Limmattalbahn AG, am Mittwochabend an einer Informationsveranstaltung in Zürich Altstetten bekannt. Auf eine kritische Frage einer Anwohnerin, die den Betrag von 755 Millionen Franken als «reine Fantasiezahl» bezeichnete, sagte Issler nicht nur, dass die Kosten am Ende unter der bewilligten Kredithöhe liegen werden – er versprach es gar. Er gehe diesbezüglich jede Wette ein.

Der Kredit dürfte gemäss heutigem Wissensstand voraussichtlich um rund zehn Prozent unterschritten werden: «Wir werden unter 700 Millionen bleiben», stellte Issler in Aussicht. Denn für die erste Etappe, welche die Verlängerung des Zürcher Zweier-Trams vom Farbhof in Altstetten ins Schlieremer Zentrum umfasst, war mit Kosten von 195 Millionen Franken gerechnet worden. Die aktuelle Prognose kurz vor dem Abschluss der Arbeiten geht nun von 169 Millionen Franken aus. Und auch für die zweite Etappe sieht es gemäss Issler nach den bisher erfolgten Auftragsvergaben gut aus.

In Altstetten informierten die Limmattalbahn AG, die zuständige Bauleitung und die Stadt Zürich über die bevorstehende zweite Etappe und die Auswirkungen auf den öffentlichen Verkehr und den motorisierten Individualverkehr im Stadtzürcher Quartier. Dort steht die Anbindung der Limmattalbahn vom Farbhof an den Bahnhof Altstetten an.

Eine Ausnahmesituation

Baustellensituationen seien immer Ausnahmesituationen, sagte Esther Arnet, die Direktorin der Stadtzürcher Dienstabteilung Verkehr. Eine derartige Grossbaustelle bringe natürlich Umwege und gewisse Einschränkungen mit sich. Doch sei alles geplant und geprüft worden. «Wir sind sicher, dass es nach einer Eingewöhnungszeit von etwa zwei Wochen am Ende gut laufen wird.»

In der zweiten Bauetappe wird zudem die Limmattalbahn von Schlieren über Urdorf und Dietikon in den Aargau nach Spreitenbach und Killwangen verlängert. Wie die Bautätigkeit dort ablaufen wird und welche Auswirkungen diese mit sich bringen werden, wird die Limmattalbahn AG an zwei weiteren Anlässen erläutern. Am 25. Juni wird eine Informationsveranstaltung für Schlieren und Urdorf stattfinden (Aula Kantonsschule Limmattal), am 27. Juni eine solche für Dietikon (Gemeinderatssaal Stadthaus).

Dietikon profitiert von Schlieren

In der Stadt Dietikon wird der Bau der Limmattalbahn zu zahlreichen Einschränkungen führen. In Teilen der Bevölkerung und beim Gewerbe bestehen angesichts dieser Grossbaustelle Bedenken. Deshalb müsse alles unternommen werden, um die negativen Folgen so gering wie möglich zu halten, hatte CVP-Gemeinderat Martin Christen kürzlich in einer Interpellation gefordert.

Da in Schlieren die erste Etappe der neuen Stadtbahn ja bereits fast fertiggestellt ist, regte Christen an, dass sich Dietikon an den Erfahrungen aus der Nachbarstadt orientieren soll. Diesen Steilpass nimmt der Stadtrat auf, wie aus dessen gerade veröffentlichten Antwort auf die Interpellation hervorgeht: «Dietikon wird verschiedene Massnahmen weiterführen, die sich in Schlieren bewährt haben.»

So sollen die Dietiker Einwohnerinnen und Einwohner entlang der Stadtbahnstrecke alle drei bis vier Monate mit einem Schreiben über den laufenden Stand der Bauarbeiten informiert werden. Zudem wird in Dietikon – wie bereits zuvor in Schlieren und Altstetten – eine telefonische Hotline eingerichtet, damit Anliegen und Reklamationen aus der Bevölkerung oder dem Gewerbe rasch vorgebracht und bearbeitet werden können. Über diesen Kanal soll gemäss Stadtrat der Chefbauleiter tagsüber erreichbar sein. Zudem wird auch eine Task-Force Verkehr eingesetzt, die von Vertretern des Kantons, der Stadt und der Bauleitung gebildet wird. Diese könne bei Bedarf Einfluss auf die Bauaktivitäten nehmen und bei Problemen nach Lösungen suchen.

Die in Schlieren gemachten Erfahrungen würden auch in die Kommunikationsmassnahmen von Dietikon einfliessen, schreibt der Stadtrat weiter. Die Informations-Verantwortung liege zwar grundsätzlich bei der Limmattalbahn AG. Doch plane die Stadt darüber hinaus weitere Aktivitäten: So soll die Bevölkerung dazu animiert werden, auch während der Bauphase im Zentrum einzukaufen. Zudem soll das Gewerbe gestärkt werden. Der Stadtrat entwickelt derzeit in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsrat ein entsprechendes Konzept. Im Weiteren ist vorgesehen, dass im kommenden Jahr in Dietikon ein Informationspavillon eröffnet wird. Ebenfalls im Jahr 2020 ist ein Tag der offenen Baustelle vorgesehen.

Die Bauarbeiten für die zweite Etappe beginnen im Herbst und werden rund drei Jahre dauern. Die Limmattalbahn wird dann ab Dezember 2022 auf einer Streckenlänge von 13,4 Kilometern 27 Haltestellen bedienen.