Dietikon

«Wir werden das bei den Steuern und den Sozialkosten spüren»: Rolf Schaeren im Interview

Seit 2006 ist Rolf Schaeren (CVP) Stadtrat von Dietikon.  (Archivbild)

Seit 2006 ist Rolf Schaeren (CVP) Stadtrat von Dietikon. (Archivbild)

Rolf Schaeren (CVP) ist seit 2006 Stadtrat von Dietikon. Im Interview erzählt der Vorsteher der Finanzabteilung über die aktuelle Lage.

Die Stadt Dietikon weist in der Jahresrechnung 2019 ein Plus aus. Und das zum vierten Mal in Folge. Denken Sie schon über eine Steuersenkung für das Jahr 2021 nach?

Rolf Schaeren: Der politische Prozess zum Budget 2021 startet vor den Sommerferien, verwaltungsintern beginnt der Budgetprozess jetzt. Schon jetzt müssen wir aber davon ausgehen, dass die Rechnung 2020 viel schlechter aussehen wird als geplant. Die Kosten werden höher sein als budgetiert und die Einnahmen tiefer. Von daher ist das Jahr 2021 besonders schwierig abzuschätzen.

Sie spüren also bereits die ersten Effekte der Coronakrise.

Ich bin kein brandschwarzer Pessimist und will auch nicht den Teufel an die Wand malen. Aber es hat Geschäfte, die jetzt keinen Umsatz machen können, und Geschäfte, die Liquiditätsprobleme bekommen und im besten Fall überleben können. Und es kann sein, dass Unternehmen, die letztes Jahr noch Steuern zahlten, nun in Konkurs gehen und schliessen müssen. Es wird also Firmen geben, die keine Steuern mehr zahlen können und die es nächstes Jahr nicht mehr gibt. Auch bei den Flächen, die wir als Stadt vermieten, wird es ­Einnahmenausfälle geben. Wir ­hoffen natürlich, es wird alles nicht so schlimm und es kommt besser. Aber wir wissen es nicht. Wenn es so weit kommt, dass die Leute ihren Job und ihr ­Einkommen verlieren, werden wir das bei den Steuern spüren und auch bei den Sozialkosten. Wir spüren jetzt schon deutlich den Zulauf. Die Sozialkosten steigen. Und die Steuerein­nahmen werden sinken.

Viel dagegen tun können Sie nicht, einmal abgesehen von der einen Million Franken an temporären Darlehen, mit der Sie Kleinstunternehmen unterstützen.

Ich glaube, die Stadt Dietikon hat gut und schnell reagiert. Vielleicht haben Sie auch noch eine gute Idee, die wir noch nicht hatten?

Da muss ich passen, tut mir leid.

Wir haben überall die gleiche Situation. Ob beim Bund, den Kantonen, den ­Gemeinden oder auch beim Spital ­Limmattal und der Spitex: Niemand hat die jetzige aussergewöhnliche ­Situation in seinem Budget eingeplant. Aber man vernetzt sich und spricht sich ab. Ich habe ein sehr gutes Gefühl, wie die ­Institutionen im Kanton Zürich die Situation handhaben. Aber an den Tat­sachen vorbeischauen kann man nicht: Ein Lockdown der Wirtschaft, wie wir ihn jetzt erleben, ist ein Ereignis, das an Kriegszeiten erinnert – aber sogar ­damals waren die Schulen nicht so ­flächendeckend geschlossen wie jetzt.

2019 sah noch vieles anders aus. Überraschend bei der Jahresrechnung ist aber, dass die Grundstückgewinnsteuern, die jeweils vielerorts für unerwartete Einnahmen sorgen, in Dietikon tiefer ausgefallen sind als budgetiert. Warum? Haben sich die Immobilien-Investoren wegen der sich im Bau befindlichen Limmattalbahn schon alle Filetstücke gesichert?

Man kann es sich nicht erklären. Die Grundstückgewinnsteuern sind einfach nicht planbar, weil man nicht weiss, wer nächstes Jahr Land verkaufen will. Hinzu kommt, dass wir zwar jedes Jahr eine dreistellige Anzahl an Grundstücksverkäufen haben, aber viele dieser Transaktionen nicht zu Grundstückgewinnsteuern führen.

Die Steuereinnahmen bei den natürlichen Personen sind mehrere Millionen über Budget. Gleichzeitig ist die durchschnittliche Steuerkraft pro Einwohner gesunken. Wie erklären Sie sich das? Leben jetzt mehr reiche Einwohner hier?

Steuerkräftige Zuzüger gibt es zum Glück, aber das sind Einzelfälle. Gesamthaft ist es sicher das Bevölkerungswachstum, das sich nun in den höheren Steuereinnahmen spiegelt. Wir haben ja schon lange darauf gewartet, dass man das Wachstum auch in den Steuereinnahmen sieht. Aber das geht halt nicht von heute auf morgen.

Letzte Frage: Der Stadtrat trifft sich nach wie vor einmal wöchentlich zur Sitzung. Halten Sie dabei die Corona-Verhaltensregeln ein?

Statt im Stadtratssaal im ersten Obergeschoss treffen wir uns neu im Sitzungszimmer 1.2 im Erdgeschoss, um die zwei Meter Abstand einhalten zu können. Und ich persönlich habe auch schon von ausserhalb an der Stadt­ratssitzung teilgenommen. Denn nachdem ich vom 23. Februar bis zum 19. März im Ausland war, auferlegte ich mir nach der Rückkehr selbst eine Isolation, um sicherzugehen. Dank Skype war ich trotzdem an der Stadtratssitzung mit dabei. Heute Montag bin ich nun erstmals wieder vor Ort an der Sitzung dabei.

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