Schlieren
«Wir werden 100 Prozent sicher nicht auf das Niveau der BVK sinken»

Die Abstimmung der Stadtangestellten über ihre Pensionskasse verspricht spannend zu werden

Alex Rudolf
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Angestellte der Stadt Schlieren können entscheiden, ob sie bei der Pensionskasse der Angestellten des Kantons Zürich (BVK) oder Kunden der Pensionskasse SHP werden wollen.

Angestellte der Stadt Schlieren können entscheiden, ob sie bei der Pensionskasse der Angestellten des Kantons Zürich (BVK) oder Kunden der Pensionskasse SHP werden wollen.

KEYSTONE/STEFFEN SCHMIDT

In einer Abstimmung können die Angestellten der Stadt Schlieren entscheiden, ob sie bei der Pensionskasse der Angestellten des Kantons Zürich (BVK) versichert bleiben oder ab Anfang 2017 lieber Kunden der Pensionskasse SHP werden wollen. Dies teilte der Schlieremer Stadtrat kürzlich mit, wie die Limmattaler Zeitung berichtete. Den Rentnern winken höhere Umwandlungssätze und somit auch höhere Rentenauszahlungen, die Stadt und deren Angestellten hätten günstigere Prämien zu entrichten und keine absehbaren Sanierungsmassnahmen zu fürchten. Solche waren der Stein des Anstosses: Mitte 2015 gab die BVK bekannt, die Leistungen zu senken und die Beiträge zu erhöhen. Wegen der steigenden Lebenserwartung seien diese Massnahmen notwendig. Eine vom Vorsorgeberatungsunternehmen Dipeka Anfang Jahr veröffentlichte Beurteilung kommt zum Schluss, dass die getroffenen Massnahmen der BVK den erwarteten Entwicklungen angemessen Rechnung tragen. Zwischenzeitlich kündigten auch andere Pensionskassen an, ihre Umwandlungssätze zu senken.

Die Stadt habe es als ihre Aufgabe verstanden, ihren Angestellten die Möglichkeiten aufzuzeigen, sagt Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP). «Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg. Viel eher muss jeder Angestellte für sich entscheiden, welcher Rentenplan besser zu seinen Bedürfnissen passt.» Daher verzichte der Stadtrat auch darauf, seinen rund 350 Stimmberechtigten Angestellten eine Empfehlung abzugeben. Auch ist sich Brühlmann bewusst, dass der Pensionskassenvergleich – die Stadt rechnet mit einer Periode von zehn Jahren – Fehlerpotenzial birgt. «Es ist gut möglich, dass auch die SHP ihre Konditionen künftig anpassen muss, darauf verwiesen wir in unserem Bericht.»

Senevita ist bereits angeschlossen

Die Pensionskasse SHP mit Sitz in Dietikon hat derzeit rund 8400 Versicherte. Unter den angeschlossenen Organisationen finden sich etwa die Stiftung Senevita, die Spitex Thun oder die Unternehmensgruppe Rehaclinic. Die Verantwortlichen sind erfreut, dass die Angestellten der Stadt Schlieren bald über einen Anschluss abstimmen dürfen, wie SHP-Geschäftsführer Rolf Bolliger auf Anfrage der Limmattaler Zeitung sagt. Insbesondere sticht bei der Offerte die Höhe der Umwandlungssätze ins Auge. Diese sind abhängig vom Alter des Rentenbezügers und bis zu zwei Prozent höher, als jene der konkurrenzierenden BVK. Beispielsweise bietet diese im kommenden Jahr einem 60-Jährigen 4,27 Prozent, die SHP satte 5,6 Prozent. Auch für Bolliger ist offen, wie lange dieses Niveau noch gehalten werden kann: «Der Stiftungsrat bespricht bereits heute, wann die nächste Senkung des Satzes angemessen ist. Noch dieses Jahr wird wohl der Entscheid für das Jahr 2020 gefällt», sagt er. Wie es danach aussieht, sei offen. «Doch werden wir 100 Prozent sicher nicht auf das Niveau der BVK sinken», sagt er. So sei die Struktur der Versicherten, also das Verhältnis von aktiv Versicherten zu Rentenbezügern, mit rund 5 zu 1 sehr gut. «Wir können uns somit mehr leisten als jene Pensionskassen, bei denen weniger Arbeitstätige auf einen zu finanzierenden Senior kommen», so Bolliger. Zudem würden derzeit Rückstellungen gemacht, um künftig einem Anstieg der Anzahl Rentner zu begegnen.

Martin Janssen, Pensionskassenberater und Professor am Institut für Banking und Finance der Uni Zürich sowie Gründer der Beratungsfirma Ecofin, rät zur Vorsicht: «Ein Weggang von der BVK muss sehr gut überlegt sein, zumal diese gute Arbeit leistet. Die Wahl der SHP mit rund 20 Prozent Rentneranteil überrascht, da die Schlieremer Rentner ausfinanziert und die heutigen Rentner der SHP künftig von Mitarbeitern von Schlieren mitfinanziert werden müssen», so Janssen. Wegen der steigenden Lebenserwartung und der tiefen Zinsen sei ohnehin mit einer deutlichen Senkung des Umwandlungssatzes zu rechnen. «Freiwillig das Risiko einzugehen, fremde Rentner mitzufinanzieren, überrascht sehr.»

Die BVK bleibt gelassen. Es werde viel Lärm um wenig gemacht, wie die BVK-Stiftungsratspräsidentin Lilo Lätzsch Mitte August gegenüber dem «Landboten» sagte. Lediglich drei Dutzend der 480 angeschlossenen Institutionen haben eine Kündigung geprüft, wie es vonseiten der BVK hiess.

Noch bis Ende Oktober haben die Schlieremer Angestellten Zeit, sich für eine Pensionskasse zu entscheiden und schriftlich abzustimmen. Insgesamt wird die Stadt vier Informationsveranstaltungen durchführen, um die Angestellten im Detail zu informieren. Ob dann die Urabstimmung auch tatsächlich zustande kommt, zeigt sich jedoch erst Mitte September. Dann befindet das Stadtparlament über eine Änderung der Personalverordnung, wonach dem Stadtrat die Wahl der Pensionskasse übergeben werden kann. Aktuell liegt diese nämlich bei der Legislative.