Die Benediktinerinnengemeinschaft des Klosters Fahr möchte sich für die Zukunft rüsten und beschreitet zu diesem Zweck seit gestern neue, ungewöhnliche Wege. Mithilfe einer Ausschreibung sollen für die Entwicklung und den Betrieb der sogenannten Annexgebäude des Klosters externe Kooperationspartner als Investoren, Nutzer und Betreiber gefunden werden. Dabei geht es um die Gebäude und Gebäudekomplexe, die nicht zur eigentlichen Klosteranlage gehören (in der Grafik rechts alles ausserhalb der schraffierten Fläche). 

Wirtschaftlichkeitsüberlegungen und der enorme Investitionsbedarf von etwa acht Millionen Franken hätten zu diesem Schritt geführt, heisst es in einer Medienmitteilung der Wüest Partner AG, einem Zürcher Immobilienentwickler und Strategieberater, über den die klösterliche Partnersuche läuft. «Wir haben den Auftrag, dieses wunderbare Stück Erde für die nächste Generation zu rüsten», meinte Priorin Irene Gassmann auf der gestrigen Medienorientierung im Kloster. Die Partnersuche erfolgt in enger Abstimmung mit der Abtei Einsiedeln, zu dem das Kloster seit seiner Gründung im Jahr 1130 gehört.

Das Ganze im Blick

Man habe schnell gemerkt, dass es wenig sinnvoll ist, die Betriebe einzeln zu optimieren. Wegen der vielen Wechselwirkungen macht es mehr Sinn, den Blick auf das Ganze zu richten», so Verena Gysin Felber, Leiterin der Betriebe des Klosters. Mögliche Kooperationspartner sollen ihr Know-how und ihre Ideen einbringen. Investitionen seien gewünscht und möglich, so Gysin Felber.

Der Strategieprozess wurde bereits vor zwei Jahren aufgegleist, als sich die derzeit 20 Schwestern in einem Workshop Gedanken machten, was überhaupt möglich ist. «Die Klostergemeinschaft ist sehr offen, sie schaut stets vorwärts», meinte die Priorin.

Oase des Limmattals

Letztlich legten sie lediglich drei essenzielle Punkte fest, denen auch mit externen Partnern Rechnung getragen werden soll: Mit den Ressourcen sollte weiterhin nachhaltig umgegangen werden, das Klostergelände sollte einladend für Besucher bleiben und auch weiterhin deren Erholung dienen. Kurz: Es soll als Oase des Limmattals erhalten bleiben. Darüber hinaus sollen die Betriebe so entwickelt werden, dass sie der Klostergemeinschaft als wirtschaftliche Lebensgrundlage dienen können.

An einer Belebung und Aufwertung sind auch die Ämter für Denkmalpflege der Kantone Aargau und Zürich interessiert. Das Kloster liegt auf Aargauer und Zürcher Gebiet. In ihren Gesprächen mit Kantonen, Behörden und Gemeinden habe sie eine grosse Sensibilität für die Anliegen des Klosters spüren können, so Priorin Irene. «Es ist im Interesse aller Beteiligten, dass eine langfristige Nutzung möglich ist und das Kloster lebendig bleibt.» Auch die interkantonale Zusammenarbeit erlebe sie als Bereicherung. «Das Kloster ist ein zentraler Ort, auf den beide stolz sind.»

Miete, Pacht oder Baurecht

Die Ausschreibung umfasst die um das Konventgebäude angeordneten Hauptbestandteile Bäuerinnenschule, Wirtshaus und Landwirtschaftsbetrieb sowie weitere Bauten und Anlagen, welche zur Miete, langfristigen Pacht oder zur Abgabe im Baurecht angeboten werden. Eine Bewerbung für die Bewirtschaftung sämtlicher Bestandteile als Einheit werde vom Kloster begrüsst, so Priorin Irene. Denkbar und möglich seien aber auch zukunftsgerichtete Kombinationen einzelner Teilbereiche.

«Die grosse Flexibilität bezüglich Nutzungsmöglichkeiten der vorhandenen Bauten und Anlagen, die grosszügigen Platzverhältnisse sowie die naturnahe Lage vor den Toren der bevölkerungsreichsten Stadt der Schweiz bieten eine ideale Grundlage für die Realisierung innovativer Ideen», rührt die Wüest Partner AG die Werbetrommel.

Kloster Fahr sucht Finanzpartner

Kloster Fahr sucht Finanzpartner

Immer weniger Schwestern und mehr steigende Kosten: Das Kloster sucht externe Partner in verschiedenen Betrieben, um sich für die Zukunft zu rüsten.

Drei Bereiche im Fokus

Im Fokus liegen für das Kloster vor allem drei Bereiche. Zum einen das Zentrum rund um den Brunnen. Die Schwestern wünschen sich, dass er belebt ist und eine Aufwertung erfährt. Und: In dieser Begegnungs- und Aufenthaltszone soll künftig nicht mehr parkiert werden.

Die ehemalige Bäuerinnenschule: Für dieses Gebäude könnte sich das Kloster Fahr Nutzungen im Bereich Generationenwohnen und betreutes Wohnen für das Alter vorstellen.

Die landwirtschaftlichen Gebäude: Dieses Areal umfasst 50 Hektaren Nutz- und 35 Hektaren Waldfläche. Es gibt einen Anteil von 41 Prozent an Biodiversitätsflächen. Dem klösterlichen Leitbild des achtsamen Umgangs mit der Schöpfung entsprechend wird auch weiterhin eine umweltfreundliche Bewirtschaftung angestrebt.