Limmattal

«Wir erwarten rund 7000 Teilnehmende am Kantonalschützenfest»

Werner Hedinger zielt seit seinen frühen Jugendjahren aus dem Schiessstand: Heute ist der pensionierte Banker im Organisationskomitee des Zürcher Kantonalschützenfests.

Werner Hedinger zielt seit seinen frühen Jugendjahren aus dem Schiessstand: Heute ist der pensionierte Banker im Organisationskomitee des Zürcher Kantonalschützenfests.

Rund 7000 Schützen, 5 Trägervereine und ein Ziel: Das Schützenfest des kleinsten Bezirks von Zürich soll Grosses zeigen. Vizepräsident Werner Hedinger erklärt, wie es dazu kam und was ihn nach 45 Jahren immer noch motiviert, Schütze zu sein.

Wir trafen Werner Hedinger, Vizepräsident des Organisationskomitees (OK) des Zürcher Kantonalschützenfests, im Schiessstand des Birmensdorfer Schützenvereins. Nachdem er uns seine Sportwaffe in den Zürcher Farben präsentiert hatte, erzählte er, was er von den kommenden Wochen erwartet und weshalb er keine Schiesskeller mag.

Im Juni führen Sie mit Ihrem OK-Team das 26. Kantonalschützenfest im Limmattal durch. Worauf stellen Sie sich ein?

Werner Hedinger: Ich erwarte rund 7000 Teilnehmer an den drei Wochenenden, an denen das Schützenfest stattfindet. Das wären dann ein wenig mehr als vor sechs Jahren am Kantonalen im Bezirk Pfäffikon. Ich beobachte einen grossen Zuwachs bei den 50-Meter- und 25-Meter-Pistolenschützen. Zuschauer wird es nicht viele geben, es ist ja kein Turnfest.

Wie viele Frauen nehmen teil?

Ich rechne mit rund 30 Prozent Frauen.

Vor einigen Monaten fehlte Ihnen noch ein grosser Teil der Helfer für das Fest. Wie ist der Stand jetzt, kurz vor dem Fest?

Wir sind noch nicht überbesetzt, doch es ist durchführbar mit den Helfern, die wir jetzt haben.

Wie entstand die Initiative, das Schützenfest im Limmattal durchzuführen?

Vier Veteranen-Schützen kamen 2014 auf die Idee, man könnte im kleinsten Bezirk Zürichs diesen Grossanlass durchführen. Ein Hauptinitiant ist leider schon während der Vorbereitungen gestorben. Die vier Herren entwickelten Statuten und fragten die Trägervereine im Bezirk an, und der Grossteil stimmte zu. Nach der Bewilligung des Zürcher Schiesssportverbandes machte sich das OK-Team während der letzten drei Jahre daran, das Fest zu organisieren.

Die Austragungsorte des Kantonalschützenfestes

Die Austragungsorte des Kantonalschützenfestes

Welchen Herausforderungen begegneten Sie bei der Planung?

Jährlich finden rund vier Kantonalschützenfeste statt. Dieses Jahr ist das Bündnerische genau zur selben Zeit wie das unsrige. Damit wir genug Scheibenkapazität haben, mussten wir den Schiessstand Höngg für das Kantonalschützenfest «adoptieren».

Wie hat sich der Schiesssport in den letzten Jahren entwickelt?

Die Anzahl der Jungschützen und Junioren nahm stark zu.

Weshalb?

Ich denke, die aktuelle weltpolitische Lage, mit den vielen Kriegen, löste bei manchen Leuten gewisse Dinge aus. So wendeten sie sich wieder vermehrt dem Schiesssport zu. Bei den Büchsenmachern hört man beispielsweise, dass sie massiven Zulauf haben von Leuten, die sich, aufgrund eines Sicherheitsbedürfnisses irgendeine Pistole kaufen wollen. Aber das finde ich schlecht. In meinen Augen sollte jemand, der eine Waffe kauft, auch einem Schützenverein beitreten.

Gibt es ein Programm für die Jungen?

Es gibt einen Jugend- und einen Jungschützenkurs. Von 10 bis 14 Jahren besuchen sie einen Jugendkurs. Von 15 bis 20 Jahren können sie den Jungschützenkurs besuchen. Für die Jungschützenkurse stellt der Bund jedem Jungschützen ein Sportgerät zur Verfügung. Nach jedem Kursende werden die Sportgeräte wieder zurückgegeben. Für die Jugendkurse müssen die Vereine Leihwaffen zur Verfügung stellen.

Wie kamen Sie selbst zum Schiessen?

Ich wuchs auf einem Bauernhof auf. Da hatte man nicht die Gelegenheit, in die Badi oder in den Fussballclub zu gehen. Mein Vater und meine Grosseltern betrieben Schiesssport. Mit 17 Jahren machte ich den Jungschützenkurs, mit 20 war ich bereits im Vorstand des Feldschützenvereins Birmensdorf. Seither bin ich nun 45 Jahre im Vorstand, die letzten Jahre amtierte ich als Präsident.

Was motivierte Sie, 45 Jahre lang dabei zu bleiben?

Mir gefällt der Schiesssport immer noch. Gezieltes Schiessen ist nicht dasselbe wie Schiessen im Schiesskeller. Dort kann man sich nach hinten lehnen und rausballern, einfach Aggressionen loswerden. Beim Stand-Schiessen braucht man Atemtechnik und Training sowie ein gutes Auge.

Sind Sie Pistolen- oder Gewehrschütze?

Ich bin eher ein Gewehrschütze. Doch ich habe auch eine Pistole. Eigentlich wäre diese ja praktischer …

… weil man weniger tragen muss.

Ja, dafür ist das Schiessen schwieriger mit der Pistole.

Was ist Ihr Ziel für den Schiesssport?

Als Präsident des Feldschützenvereins ist es für mich das A und O, dass nie ein Unfall passiert. Denn jeder Unfall ist einer zu viel. Auch wenn nur das Dach getroffen wird. Bei den obligatorischen Pflichtübungen ist es wichtig, dass die Schützenmeister die Schützen gut kontrollieren.

Ist einmal etwas passiert?

Nein, in den letzten 45 Jahren geschah kein einziger Unfall.

Wie stellen Sie sicher, dass keine Waffen und keine Munition entwendet werden?

Ein Risiko besteht immer, sonst müsste man jede Türe ständig abschliessen. Wir machen bei jedem, der bei uns hereinkommt, eine Kontrolle. Die Waffe jedes Schützen wird vom Schützenmeister kontrolliert. Der Schützenmeister macht sogar eine Ausbildung, um die korrekte Handhabung der Gewehre zu gewährleisten.

Die Schweiz soll als Schengen-Land ihr Waffenrecht an dieEU-Waffenrechtsbestimmungen anpassen. Was ist Ihre Meinung dazu?

Für mich ist das überhaupt nicht durchdacht. Das trifft ja auch die aktiven Schützen.

Doch in der «Light-Umsetzung» des Bundesrats gibt es eine Ausnahmeregelung für die aktiven Schützen …

… aber in diesem Gesetz wollen sie ja auch die Schüsse von 20 auf 10 reduzieren. So muss der Schütze das Gewehr ablegen zum Nachladen. Das ist schwierig. Weil er es nicht immer an der Schulter haben kann, kann es verrutschen. Ich bin also dagegen.

Was macht für Sie einen guten Schützen aus?

Der Schütze muss ein ruhiger Typ sein. Er sollte nicht denken, dass er gar nicht trainieren muss. Natürlich soll er auch Freude an seiner Sportart haben, so wie jeder Sportler. Ich habe das Gefühl, der Schiesssport sollte ein wenig in der Familie verwurzelt sein. In den Urschweizer Kantonen beispielsweise gab es früher nur Schiessen und Turnen als Sportart. Folglich ist der Schiesssport dort viel verbreiteter und attraktiver als in Zürich. Hier gibt es unzählige verschiedene Sportarten.

Das 26. Zürcher Kantonalschützenfest findet an folgenden Wochenenden statt:

Freitag, 15. Juni bis Montag, 18. Juni

Freitag, 22. Juni bis Montag 25. Juni

Freitag, 29. Juni bis Sonntag, 1. Juli

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