145 Sozialhilfefälle bearbeiten die Sozialarbeiter der Stadt Winterthur heute, künftig sollen es nur noch 75 für jeden und jede sein. Der Stadtrat will die Betreuung von Sozialhilfebezügern verbessern und damit die Wiedereingliederung stärken. Das Sozialamt soll darum deutlich ausgebaut werden, um insgesamt 17,5 neue Vollzeitstellen.

Der Stadtrat stützt den Plan, der noch der Zustimmung des Gemeinderats bedarf, auf eine Studie, die er bei der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW bestellt hat. Diese kommt zum Schluss, dass mit einer engeren Betreuung im Winterthurer Sozialwesen insgesamt rund 1,5 Millionen Franken pro Jahr eingespart werden könnten. Und zwar netto, den zusätzlichen Personalaufwand von 2,65 Millionen eingerechnet.

Schnellere Ablösung von der Sozialhilfe

Um herauszufinden, wie sich die Falllast auf die Kosten auswirkt, bekamen drei zufällig ausgewählte Sozialarbeiter in Winterthur für 18 Monate nur 75 Fälle zugewiesen, während die übrigen Sozialarbeiter weiterhin 145 Fälle pro Vollzeitstelle bearbeiten mussten. Die Ergebnisse zeigen, dass die durchschnittlichen Kosten pro Fall um 1450 Franken gesenkt werden können, weil viele Bezüger ein Lohneinkommen erzielen konnten. Auch gelinge die Ablösung von der Sozialhilfe schneller, also die Rückkehr in ein geregeltes Leben mit Einkommen oder einer IV-Rente.

Der Stadtrat will die Stellenaufstockung bereits auf das nächste Jahr hin in Angriff nehmen. Mit dem Novemberbrief beantragt er im Budget nachträglich 11 zusätzliche Stellen für 2018, im Jahr darauf sollen weitere 6,5 Stellen geschaffen werden. Die Diskussion führt das Parlament in der Budgetdebatte im Dezember.

Die SP freuts, die SVP kritisiert

Schon gestern wurde sichtbar, wie die Fronten verlaufen werden: Die SP begrüsst die Aufstockung. Eine intensivere Begleitung der Sozialhilfebezüger sei «ein Gewinn für beide Seiten», findet die SP. Die SVP auf der anderen Seite kritisierte die Studie: Deren Befunde seien «statistisch nicht signifikant» und «dienen nicht für schnelle politische Lösungen». Entscheidend dürften die Positionen von FDP und GLP sein, die sich noch nicht zu Wort meldeten.