Eishockey
Wings: Wahnsinnsspiel mit 15 Toren und einer wüsten Massenschlägerei

Die Limmattal Wings liegen in der 3. Liga gegen Engelberg nach dem Startdrittel mit 1:7 im Rückstand. Sieben Minuten vor Schluss steht es nur noch 7:8. Weil nicht mehr gelang, müssen sie ins Entscheidungsspiel gegen den Abstieg.

Raphael Biermayr
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Die Wings kassieren im Startdrittel sieben Gegentreffer.

Die Wings kassieren im Startdrittel sieben Gegentreffer.

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Es war unvorstellbar, dass der clowneske Auftritt der Limmattal Wings noch getoppt werden konnte. Doch sie brachten es tatsächlich fertig, an diesem gestrigen Abend der unvorstellbaren Vorkommnisse.

Nach dem fünften Gegentreffer versammelte sich das Team zum Time-out. Trainer Mike Weiss war überrascht – er hatte gar keine Auszeit verlangt respektive keinen Spieler damit beauftragt gehabt. Weiss nahm diese Groteske zum Anlass für einen Vergleich mit dem zuvor Gezeigten. «Jeder von euch macht irgendwas, das ist Bullshit! Wir wollten doch zuerst auf die Defensive schauen!»

Nach Traumstart unter die Räder

Davon waren die Limmattaler in Engelberg weit entfernt. Denn zum Zeitpunkt dieser Standpauke waren erst knapp 15 Minuten gespielt. 54 Sekunden nach dem Time-out fiel das 6:1, bis zu ersten Pause kam noch ein Gegentor dazu.

Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen: Alexander Marty traf mit dem ersten Torschuss nach 17 Sekunden zum 1:0 für die Gäste. Glückhaft an die Scheibe gekommen, liess er Goalie Ivan Zumbühl bei seinem Solo keine Chance.

Es folgten Szenen, die voller Komik waren, wenngleich natürlich nur die Gastgeber darüber lachen konnten. Ein paar Beispiele: Vor dem 1:1 spielte Goalie Andrej Gingg die Scheibe auf die Schaufel eines Gegenspielers, der aufs Tor schoss. Peter Frenzel warf sich heldenhaft vor das leere Tor, lenkte die Scheibe ins Netz und wurde vom Bein eines Gegners am Kopf getroffen.


Wenige Sekunden später spielte Marco Birrer im Aufbau gänzlich unbedrängt eine Scheibe quer durch den Slot auf die Schaufel eines Gegenspielers, der zum 2:1 traf. Beide Treffer fielen übrigens während eines Powerplay für die Wings. Zum Unvermögen kam auch Pech hinzu: Beim 3:1 sprang der Puck von der Latte an die Hose von Gingg und von da über die Linie.

Fast unglaubliche Aufholjagd

Nach dem Startabschnitt ging es nur noch darum, wie hoch das Resultat ausfallen würde. Das auf die 60 Minuten hochgerechnete 21:3 war durchaus nicht aus der Luft gegriffen, derart hilflos agierte der Abstiegskandidat gegen die in allen Belangen überlegenen Obwaldner.

Doch erneut wurde die Vorstellungskraft desavouiert. Denn sieben Minuten vor dem Ende der Partie durften sich die Wings Hoffnungen auf den ersehnten Punktgewinn machen – Michael Frei hatte den Anschlusstreffer zum 7:8 erzielt.

Das war das Resultat einer Wende um 180 Grad. Die Gäste kämpften plötzlich um jeden Puck und waren extrem diszipliniert. Kam dazu, dass sich Keeper Gingg ebenfalls markant steigerte und die Aufholjagd durch zahlreiche Big Saves erst ermöglichte.

Am Ende reichte es nicht zum Coup. Die Wings hatten die Hölle des Startabschnitts zwar hinter sich gelassen, aber es doch nicht ganz in den Himmel geschafft.

Damit müssen sie ins Entscheidungsspiel gegen den Abstieg. Gegner sind die Dübendorfer Reserven. Wann das Match stattfindet, ist noch offen, ebenso der Ort, es muss auf neutralem Boden stattfinden.

Wir hätten da einen Vorschlag, die Eisbahn einer Gemeinde, die ziemlich genau zwischen der Wings-Heimat Wettingen und Dübendorf liegt: Urdorf.