Flughafen Zürich
«Wildwuchs und Holdrio»: Wegen fehlender Standards bei Coronatests bleiben täglich 20 Passagiere sitzen

Auch wegen ungültiger Coronatests dürfen Reisende am Flughafen Zürich teilweise nicht an ihr Ziel fliegen. Weil jeder Staat selber bestimmt, was «gültig» heisst, tobt der Papierkrieg heute wilder, als man vermuten würde.

Florian Schaer
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Das Corona-Testcenter am Flughafen Zürich Kloten.

Das Corona-Testcenter am Flughafen Zürich Kloten.

Keystone

Hiess es früher «Bitte halten Sie Pass und Bordkarte bereit», reicht das heuer in den wenigsten Fällen. Wo überhaupt noch eingereist werden kann, wird immer öfter ein negativer PCR-­Coronatest verlangt. Und das macht das Fliegen um einiges komplizierter. Nicht, weil der Test schwer zu bekommen wäre, sondern weil die Testbescheinigungen nicht international standardisiert sind.

Davon kann Daniel Steffen ein Lied singen. Als Geschäftsführer von Checkport hat er diese Woche Medienvertreter durch den neuen Corona-­Testcenter-Teil am Flughafen geführt, wo die Swissport-­Tochter ab sofort die PCR-Tests der Firma Ender Diagnostics anbietet. Die 195 Franken teuren «Spucktests» richten sich primär an Reisende, da das laborvalidierte Ergebnis innert fünf Stunden vorliegt.

Zu den Dienstleistungen von Checkport zählen aber auch die Passagierkontrollen an den Gates, also quasi eine der ersten Instanzen, die sich Coronatestnachweise anschaut. «In der Zeit von April bis Dezember haben wir deutlich mehr als 5000 Passagiere aufgrund ungültiger Dokumente wieder ausgeladen», sagte Steffen. In der Vorjahresperiode waren es 60. Momentan sind es also fast 20 pro Tag. Schuld daran sind Probleme mit den Covid-19-Tests.

Dabei ist die verlangte Aktualität des Testnachweises nur eine der Schwierigkeiten. «Zahlreiche Staaten verlangen inzwischen, dass die Bescheinigung in der jeweiligen Landessprache oder in Englisch abgefasst ist.» Auch Dubai beispielsweise akzeptiere nur Englisch oder Arabisch.

«Es herrschen Wildwuchs und Holdrio»

«Insbesondere Transitpassagiere bringen hier in Kloten aber schon mal Nachweise auf Deutsch, Italienisch oder in irgendeiner anderen Sprache mit.» Zwar würden die Papiere aller am Flughafen Zürich vorgenommenen PCR-Tests in englischer Sprache ausgestellt, versichert Steffen, aber das gelte längst nicht für alle Testcenter des Landes.

Dass die Einreisebestimmungen der Länder täglich ändern können, macht die Angelegenheit nicht einfacher. Für den Checkport-Chef ist klar: Es wäre schon sehr viel gewonnen, wenn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Teststandards und weltweit einheitliche Formulare festlegen würde. «Im Moment herrscht hier Wildwuchs und Holdrio», wird er deutlich.

In der Folge haben die Reisenden derart viele Fragen im Zusammenhang mit Corona, dass Checkport kurz vor Weihnachten eigens eine Covid-­19-Helpline eingerichtet hat. Seither läutet das Telefon dort Sturm. «Wir haben eigentlich nur noch verunsicherte Kunden», sagt Daniel Steffen. Das macht er auch daran fest, dass die Anrufer oft eine Drittmeinung einholten. «Sie erkundigen sich zunächst beim Reisebüro, dann bei der Fluggesellschaft – und dann trauen sie der Sache immer noch nicht ganz.»

Auch das zuweilen coronabedingt komplexe Routing der Passagiere führe zu nicht zu unterschätzenden Problemen. «Nehmen Sie Sansibar, das im Moment als Feriendestination beliebt ist und an sich keiner- lei Einreiserestriktionen hat», macht Steffen ein Beispiel. Je nach Zwischenstopps und den dort geltenden Transitbestimmungen kann ein PCR-Test unter Umständen trotzdem erforderlich sein. «Und erfahrungsgemäss denken dann viele Leute nur an den Hinflug, nicht aber an die Rückreise, wo wieder eine andere Transitregel gelten kann, wenn aus einem anderen Land eingereist wird.»

Europäische Standards «wünschenswert»

Mit alledem noch nicht genug, denn dass man sich international mehr oder weniger auf die Labormethode der Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR) als Testart verständigt hat, heisst noch lange nicht, dass jedes PCR-Labor der Welt von jedem Land der Welt auch anerkannt wird. So haben unter anderem die Vereinigten Arabischen Emirate jüngst eine «List of Laboratories» veröffentlicht.

Steffen versichert, dass die entsprechende Zertifizierung eingeholt sei und die PCR-Tests vom Flughafen Zürich entsprechend akzeptiert würden. Nichtsdestotrotz wäre es aus seiner Sicht auch hier wünschenswert, dass möglichst bald weltweite oder zumindest europaweite Standards geschaffen würden. Zumal weitere Staaten mit eigenen Listen und Zertifikatsansprüchen nachkommen. «Für uns und letztlich für die gesamte Reisebranche wäre es wichtig, dass man den Leuten wieder ein Stück Sicherheit zurückgeben kann», sagt er.