Nationalrat
Wieso Hans Egloff nicht mehr kandidiert – und Balthasar Glättli ihn vermissen wird

Der einzige Limmattaler Nationalrat will sich mehr auf seinen Beruf als Anwalt konzentrieren. Damit verliert das Limmattal eine Stimme in Bundesbern, die selbst politische Gegner beeindruckte.

Florian Schmitz
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Hans Egloff von der SVP ist der einzige Limmattaler im Nationalrat und als Kämpfer für Hauseigentümer ein schweizweit bekanntes Gesicht. Er mischte sich auch unters Volk, wie etwa hier nach einer Podiumsdiskussion zur Selbstbestimmungsinitiative letzten November in Aesch. Bei den kommenden Wahlen im Herbst tritt er nicht mehr an.

Hans Egloff von der SVP ist der einzige Limmattaler im Nationalrat und als Kämpfer für Hauseigentümer ein schweizweit bekanntes Gesicht. Er mischte sich auch unters Volk, wie etwa hier nach einer Podiumsdiskussion zur Selbstbestimmungsinitiative letzten November in Aesch. Bei den kommenden Wahlen im Herbst tritt er nicht mehr an.

Severin Bigler

Hans Egloff tritt im Oktober nicht mehr zu den Nationalratswahlen an. Nach acht Jahren in Bundesbern verzichtet der Aescher auf eine erneute Kandidatur, wie die Parteileitung der SVP des Kantons Zürich am Dienstagabend mitteilte. «Ich habe jetzt 24 Jahre in Parlamenten verbracht», sagt der 59-Jährige, der 1995 in den Zürcher Kantonsrat gewählt wurde. Er habe für sich eine Auslegeordnung gemacht und entschieden, in anderen Bereichen «noch mal richtig etwas anzupacken». Seine Arbeit als Rechtsanwalt habe sicher eine Rolle gespielt, sagt er. Auch als Präsident des Hauseigentümerverbands der Schweiz und des Kantons Zürich und als Verwaltungsratspräsident der Limmattalbahn AG will er sich weiter voll engagieren.

Die kantonale SVP-Parteileitung war überrascht, als Egloff intern kommunizierte, dass er nicht mehr zur Verfügung stehe. «Wir haben nicht damit gerechnet», sagt SVP-Kantonalpräsident Patrick Walder. Aber er verstehe gut, dass Egloff anderen Tätigkeiten wieder mehr Zeit einräumen wolle. Die Zürcher SVP sei für die Wahlen zwar stark aufgestellt, dennoch sei sein Abgang ein Verlust. «Wir haben ihn als Nationalrat sehr geschätzt. Er war engagiert und hat immer gute Resultate erzielt», so Walder.

Politik in die Wiege gelegt

Geprägt von den politischen Aktivitäten seines Vaters, dem im Januar verstorbenen Zürcher alt Stadtrat Kurt Egloff (SVP), engagierte sich Hans Egloff bereits früh in der Politik. Mit 17 Jahren gründete er die Junge SVP Schweiz mit. Von 1995 bis 2011 politisierte er für die SVP im Zürcher Kantonsrat. Dabei brachte er auch seinen beruflichen Hintergrund als Rechtsanwalt ein. In den letzten vier Jahren als Kantonsrat präsidierte er die Justizkommission.

Schon damals hegte Egloff politisch auch nationale Ambitionen, doch 2003 und 2007 verpasste er die Wahl in den Nationalrat knapp. Nachdem Hans Rutschmann im März 2004 vom ersten Ersatzplatz in die grosse Kammer nachrutschte, erbte Egloff den Ersatzplatz. Bei den Wahlen 2007 blieb er als bester Überzähliger auf dem Ersatzplatz. Eine Gelegenheit, über die Hintertür in den Nationalrat zu gelangen, ergab sich für ihn allerdings nicht. Auch bei Egloffs Wahl 2011 waren die Voraussetzungen nicht einfach. Aber seine Hartnäckigkeit wurde belohnt. Vom 15. Listenplatz aus erzielte er das zehntbeste Ergebnis und sicherte sich einen der elf Zürcher SVP-Sitze. Im Nationalrat setzte Egloff sich von Anfang an konsequent für seine Kernthemen ein: das Hauseigentum und die Interessen des Limmattals.

Hört man sich bei politischen Freunden und Kontrahenten um, ist Egloff bekannt für seine sachliche, lösungsorientierte Arbeitsweise – auch über die Parteigrenzen hinaus (siehe Galerie unten). Besonders gut gepasst habe ihm in den acht Jahren im Nationalrat die Kommissionsarbeit. Bei den «gepflegten Debatten um die Sache» sei der Gestaltungsspielraum gross. Im Gegensatz zu den Debatten im Plenum: «Das ist mehr ein Schaulaufen der Pfauen», sagt er.

Johann Jahn, Gemeindepräsident Aesch (Forum Aesch): «Auch wenn immer wieder mal ein Aescher in der grossen Kammer sass, ist es sehr schön, ihn im Nationalrat zu haben», sagt Johann Jahn. Er habe Egloff als eine sehr angenehme Person wahrgenommen. «Er ist überhaupt kein ‹Polteri› und zeigt sich immer sehr kompromissbereit und lösungsorientiert.» An eine Gemeindeversammlung hat es Egloff wegen der Sessionen jeweils nicht geschafft. «Er hat sich aber immer höflich entschuldigt.» (Ses)
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Thomas Aeschi, Fraktionspräsident der SVP im Nationalrat: «Hans Egloff hat sich immer sehr prononciert und engagiert eingesetzt», sagt Thomas Aeschi. Trotz seiner ruhigen und überlegten Art habe er seinen Argumenten dank «beeindruckender, tiefer Stimme» Nachdruck verliehen. Er schätze Egloff aber nicht nur politisch. «Er ist eine offene, direkte und kollegiale Person. Geselligkeit liegt ihm am Herzen.» Nach Kommissionssitzungen sei er immer gerne mit zum gemeinsamen Umtrunk und Austausch gekommen. (flo)
Markus Binder, Präsident der SVP-Bezirkspartei: «Für uns ist es ein Privileg, Hans Egloff im Nationalrat zu haben», sagt Markus Binder. Er habe sich für die Interessen des Limmattals eingesetzt und die Sektionen über die Themen der nationalen Politik orientiert. Zudem habe Egloff die Limmattaler SVP oft nach Bern eingeladen. Für Binder ist klar: «Wir wollen wieder im Nationalrat vertreten sein.» Valable Persönlichkeiten aus dem Limmattal gebe es genug, auch ausserhalb der SVP. (sib)
Balthasar Glättli, Nationalrat Grüne und Mieterverband: Er habe Hans Egloff immer gern zugehört, wenn dieser das Wort ergriffen habe, sagt Balthasar Glättli. Nicht wegen des Inhalts, sondern weil «Egloff einfach die schönste Stimme aller Parlamentarier» hat. Inhaltlich lagen die beiden – ausser einmal beim Thema Limmattalbahn – weit auseinander: «Aber ich habe durchaus gern mit Egloff gestritten, denn der inhaltliche Streit färbte nie auf unseren persönlichen Umgang ab.» (og)
Roger Bachmann, Stadtpräsident Dietikon (SVP): Roger Bachmann bedauert, dass das Limmattal «seinen» Nationalrat verliert. Für eine Region, die sich derart rasant entwickle, sei «ein direkter Draht nach Bern» wichtig. Dies könne Türen öffnen, glaubt Bachmann. Als Stadtpräsident und Limmattaler hofft er, dass es ein neuer Kandidat nach Bern schafft: Josef Wiederkehr steht auf der CVP-Liste weit vorne. «Das Limmattal muss in Bern vertreten sein, die Parteizugehörigkeit ist sekundär.» (og)
Jacqueline Badran, Nationalrätin SP und Unternehmerin: Jacqueline Badran bezeichnet Egloff «im persönlichen Austausch als angenehmen und kompetenten Gesprächspartner» und als «fairen politischen Gegner». In der Sache vertrete der 59-Jährige aber knallhart die Interessen der kommerziellen Immobilieneigentümer. In der Tendenz, sagt Badran, werde sie den Aescher aber vermissen: Er und sie seien die beiden, die am meisten Diskussionen miteinander haben – auf dem Raucherbalkon in Bern. (og)

Johann Jahn, Gemeindepräsident Aesch (Forum Aesch): «Auch wenn immer wieder mal ein Aescher in der grossen Kammer sass, ist es sehr schön, ihn im Nationalrat zu haben», sagt Johann Jahn. Er habe Egloff als eine sehr angenehme Person wahrgenommen. «Er ist überhaupt kein ‹Polteri› und zeigt sich immer sehr kompromissbereit und lösungsorientiert.» An eine Gemeindeversammlung hat es Egloff wegen der Sessionen jeweils nicht geschafft. «Er hat sich aber immer höflich entschuldigt.» (Ses)

Carla Thoma;Bubikon (Schweiz);zv

Als einziger Limmattaler Nationalrat hat Egloff sich in den letzten acht Jahren etwa aktiv eingesetzt für den Bau der Limmattalbahn, die S-Bahn-Station in der Dietiker Silbern und den geplanten Gubrist-Deckel über der A1 in Weiningen. Dass Bern das Limmattal stärker wahrnimmt, sei ihm immer wichtig gewesen. «Kaum war ich im Nationalrat, habe ich geschaut, dass neben allen anderen Zeitungen auch die Limmattaler Zeitung aufliegt», sagt er und lacht. Egloff hat eine tiefe Verbundenheit zum Limmattal. Seine Grosseltern wohnten in Schlieren, wo sein Grossvater bei der Wagonsfabrik arbeitete. «Ich bin ein Ur-Limmattaler», sagte er einst an einem Anlass.

Vor Egloff war die Region während acht Jahren nicht in der grossen Kammer vertreten, nachdem der Aescher Roland Wiederkehr (ehemals Landesring der Unabhängigen) 2003 die Wiederwahl verpasste. Doch die Chancen stehen gut, dass sich dies nicht wiederholen wird. Die Zürcher CVP will einen ihrer zwei Sitze mit dem Dietiker Josef Wiederkehr verteidigen, der vom zweiten Listenplatz in den Wahlkampf steigt. «Das ist ein zusätzlicher Motivationskick, ich werde jetzt Vollgas geben», sagt Wiederkehr, der immer gerne mit Egloff zusammenarbeitete und ihn als guten Zuhörer beschreibt, der offen in Diskussionen geht. Wahlen seien nie einfach. «Aber ich bin guten Mutes und spüre über die Parteigrenze hinaus viel Unterstützung», sagt er.

Auch Egloff selbst trägt einen Teil dazu bei als Co-Präsident von Wiederkehrs Wahlkomitee. «Er hat gute Chancen, und ich werde ihn nach Kräften unterstützen», sagt Egloff. Beide sind sich einig, dass es wichtig wäre, weiter einen Fürsprecher aus dem Limmattal zu haben. Das Parteibuch spiele dabei eine untergeordnete Rolle. Aber auch Egloff wird sich künftig nicht vollständig aus der politischen Debatte zurückziehen: «Auch wenn ich kein Amt mehr innehabe, werde ich immer ein politischer Mensch bleiben.»