Geroldswil
Wie St. Johannes ins Dorfzentrum fand

Vor 40 Jahren weihten die Katholiken ihr eigenes Gotteshaus ein. Die Verhältnisse waren kompliziert, der Weg zur eigenen Kirche lange – im doppelten Sinn. Er führte über Zürich Altstetten, Schlieren und Dietikon bis ins Geroldswiler Zentrum.

Sandro Zimmerli
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Die Glocken der Kirche
11 Bilder
Assistiert wurde Bischof Johannes Vonderach vom Dietiker Pfarrer Hans Rieger
Erster Spatenstich war am 8. Februar, 1971.
Am 27. Juni 1971 fand die Grunsteinlegung statt.
Die Glockenweihe fand am 27. Mai 1972 statt.
Die Grundsteine wurden vom Churer Bischof Johannes Vonderach geweiht
40 Jahre St.-Johannes-Kirche in Geroldswil
Am 3. September weihte Bischof Johannes Vonderach (mit Weihrauchfass) assistiert von Pfarrer Eduard Loher und Dekan Hans Rieger den Altar der St.-Johannes-Kirche ein.
Die Glocken wurden von Abt Kassian Lauterer von Wettingen-Mehrerau geweiht
Das Zentrum Geroldswil 1972, als es sich noch im Bau befand
Die katholische Kirche Geroldswil wurde 1972 eingeweiht

Die Glocken der Kirche

zvg/zim

Ihr Ende fand die Reise nach knapp 20 Jahren am 3. September 1972, als der damalige Churer Bischof Johannes Vonderach die katholische Kirche St. Johannes einweihte. Damit hatten die Katholiken aus Oetwil, Geroldswil und der Fahrweid endlich ihr eigenes Gotteshaus.

«Für die Leute rechts der Limmat war dieser Tag der Eröffnung ein Meilenstein», erinnert sich Paul Laube. Der Geroldswiler war von 1974 bis 2002 Mitglied der katholischen Kirchenpflege, zuerst in Dietikon und ab 1986 als Präsident in Geroldswil. Dieser Werdegang zeigt, dass die Geschichte der St.-Johannes-Kirche nicht losgelöst von jener der Katholiken im Limmattal erzählt werden kann.

Erste Gottesdienste im Schulhaus

Nach der Reformation lebten in Oetwil, Geroldswil und Weiningen kaum Katholiken. Dies änderte sich erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. «Ab 1950 nahm die Zahl der Katholiken durch die Zuwanderung und das Wachstum der Gemeinden stark zu», sagt Laube. Oetwil, Geroldswil und die Fahrweid gehörten damals schon zur Pfarrei in Dietikon. Zuvor waren sie den Gemeinden in Altstetten und später in Schlieren angeschlossen. Weiningen Dorf gehörte zur Engstringer Kirchgemeinde.

40 Jahre St.-Johannes-Kirche

Am Samstag, 1. September wird um 17 Uhr eine Jubiläumsmesse abgehalten. Anschliessend gibt es einen Apéro. Am Sonntag, 2. September findet um 10.15 Uhr ein Familiengottesdienst mit anschliessendem Mittagessen sowie das Jubiläumspfarreifest statt.

Für die Einwohner dieser Gemeinden bedeutete der sonntägliche Kirchgang im Normalfall einen längeren Spaziergang. «Vereinzelt gab es damals Gottesdienste im Oetwiler Schulhaus Letten», so Laube. Um an dieser Situation etwas zu ändern, wurde 1956 auf Initiative des damaligen Dietiker Kirchgemeindepräsidenten Georg Maier der Kirchbauverein Geroldswil gegründet. Vier Jahre später wurde die St.-Johannes-Stiftung Geroldswil aus der Taufe gehoben. Ihren Namen erhielt sie von der St.-Johannes-Kapelle in Oetwil, deren Grundmauern bei Ausgrabungen wenige Jahre zuvor freigelegt worden waren.

Der Stiftung gelang es, ein Stück Land an der Bergstrasse in Geroldswil zu erwerben. Dass dort nie eine Kirche gebaut wurde, lag an den Zentrumsplanungen der politischen Gemeinde. «Damals wurden im Rahmen der Planungen des Zentrums Huebwies alle interessierten Kreise zum Mitmachen eingeladen. Die Stiftung St.-Johannes und die Gemeinde einigten sich dabei auf einen Landabtausch», erinnert sich Laube. 1970 schliesslich hiessen die Stimmberechtigten der katholischen Kirchgemeinde einen Kredit von 2,54 Millionen Franken für den Bau einer Kirche gegenüber dem Gemeindehaus gut.

Abspaltung von Dietikon

Von der eigenen Kirche bis zur eigenständigen Kirchgemeinde dauerte es allerdings noch eine Weile. 1981 stellte ein Dietiker Mitglied der Kirchenpflege den Antrag zur Abtrennung der St.-Johannes-Pfarrei von Dietikon. Diesem Ansinnen wurde 1984 an der Kirchgemeindeversammlung mit 151 zu 14 zugestimmt. «Es dauerte aber seine Zeit, bis wir endgültig Gewissheit hatten. Gegen den Entscheid wurde ein Rekurs beim Bezirksrat eingereicht», so Laube. Nach dessen Ablehnung gelangte der Rekurrent an den Regierungsrat, hatte aber auch dort keinen Erfolg. 1985 stimmte der Kantonsrat mit 110 zu 0 Stimmen der Abtrennung zu. Ein Jahr zuvor stimmten die Katholiken aus Weiningen Dorf dem Anschluss an die Pfarrei St. Johannes zu. Auch der Churer Bischof war damit einverstanden. So konnte die neue Kirchgemeinde am 5. Januar 1986 ihre erste Kirchenpflege wählen.