Steuereinnahmen zu budgetieren, ist schwierig: Man weiss nie ganz genau, wie viel es gibt. Wie unberechenbar das Ganze aber im Extremfall sein kann, zeigt eine skurrile Geschichte aus Dietikon, die Finanzvorstand Rolf Schaeren (CVP) ein paar unruhige Nächte beschert hat.

Dabei geht es gleich um mehrere Millionen. Millionen, die ein Mann, der in Zürich steuerpflichtig ist, aber in Dietikon Immobilien besitzt, der Stadt über die letzten Jahre beschert hat. Doch der Mann rekurrierte gegen seine Steuerveranlagung, wobei er sich auf eine Gesetzesänderung im Rahmen der Unternehmenssteuerreform II bezog. Er zog den Fall weiter bis vor Bundesgericht. In Dietikon wusste man zwar davon, ging aber davon aus, dass auch die letzte Instanz die Beschwerde zurückweisen würde. Was sie aber nicht tat: Stattdessen gab sie dem Mann auf der ganzen Linie recht. Über den Entscheid seien jegliche Experten aus dem Steuerbereich sehr überrascht gewesen, erinnert sich Schaeren. In Dietikon hingegen war man mehr als überrascht: «Das war ein Schock für uns», sagt Schaeren. Denn obwohl der Gerichtsfall primär Zürich betraf und Dietikon nur ein Nebenschauplatz war, hatte der Entscheid einschneidende finanzielle Folgen für den Bezirkshauptort: Er wurde gerichtlich verpflichtet, mehrere Millionen zurückzuzahlen.

Steuerkraft ging zurück

Das Loch, welches dieser unerwartete Millionenverlust hinterlässt, ist auch in der Jahresrechnung der Stadt sichtbar, die Schaeren den Medien gestern präsentierte. So liegt Dietikon nun im Bereich «übrige Steuern», unter den dieser Fall fällt, ganze 5 Millionen unter dem Budget. Dass die Rechnung trotzdem, wie budgetiert, mit einer roten Null schliesst (siehe Kontext), ist darauf zurückzuführen, dass Dietikon anderorts mehr einnahm als ursprünglich angenommen: beispielsweise bei der Grundstückgewinnsteuer.

Schmerzlich macht sich der ungewöhnliche Einzelfall aber bei der Steuerkraft pro Einwohner bemerkbar: Diese ging von 2273 Franken auf 2096 Franken zurück (siehe auch Grafik) – fast ausschliesslich aufgrund der Rückzahlungen in Millionenhöhe. Ohne diesen ärgerlichen Fall wäre die Steuerkraft laut Schaeren in etwa gleich geblieben.

Das wäre jedoch noch immer nicht wirklich ein Grund zum Jubeln gewesen. Schliesslich hofft die Stadt schon länger, dass sich die Steuerkraft aufgrund der regen Bautätigkeit und der Neuzuzüger, die in die trendigen neuen Quartiere ziehen, verbessern wird. Bis jetzt ist davon aber noch nichts zu spüren. Immerhin: Einen positiven Effekt haben die Neuzuzüger aber doch. So nahm der Bruttosteuerertrag der natürlichen Personen aufgrund der höheren Einwohnerzahl um eine Million Franken zu. Auch der Steuerertrag der juristischen Personen stieg um 700 000 Franken.

Sozialbereich ist das Sorgenkind

Nach wie vor werden die Dietiker Finanzen vor allem durch die hohen Sozialkosten belastet – es sind die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben im Kanton. Schaeren hofft, dass der geplante individuelle Sonderlastenausgleich Gemeinden wie Dietikon mit besonders hohen Sozialkosten in Zukunft etwas entlasten wird. Wie genau dieser ausgestaltet sein wird, ist aber noch offen. Dietikon setzt sich als Teil einer Arbeitsgruppe dafür ein, dass der neue Finanzausgleich möglichst fair angepasst wird.