Limmat

Wie Dietikon die Böötler von der Nötzliwiese fernhalten will

Abfall, Abfall, Abfall: Die Stadt Dietikon räumt seit Jahren auf der Nötzliwiese auf.

Abfall, Abfall, Abfall: Die Stadt Dietikon räumt seit Jahren auf der Nötzliwiese auf.

Bewohner des Altberg-Quartiers klagen über Lärm, Littering und in ihre Gärten pinkelnde Böötler. Die Stadt will nun die Polizeipräsenz erhöhen und die Nötzliwiese so umgestalten, dass sie für Ausflügler unattraktiv wird, sagt Sicherheitsvorstand Heinz Illi (EVP).

Wie ist Ihnen zu Mute, wenn die Wetterprognosen ein heisses, sonniges Wochenende versprechen?

Heinz Illi: Da werde ich schon unruhig. Denn ich weiss, was auf die Stadt und insbesondere auf das Altberg-Quartier zukommt. Die Nötzliwiese wird von Böötlern, die erst kurz vor dem EKZ-Wehr aus der Limmat steigen, überrannt. Dass alle diese Leute zu uns kommen, begrüssen wir ja grundsätzlich. Wir sind pro Böötli-Fahrer und haben nichts gegen einen Ausstieg an der Nötzliwiese. Es kann aber nicht sein, dass nach dem Verlassen der Limmat dort noch lange verweilt wird. Dafür ist die Örtlichkeit nicht geeignet und die Platzverhältnisse sind viel zu klein. Es besteht Handlungsbedarf.

Damit sich die Freizeitkapitäne nicht bis zur kleinen Nötzliwiese treiben lassen, wurde die Allmend Glanzenberg geschaffen. Doch die wird links liegengelassen.

Als Erstes müssen wir deshalb die Nötzliwiese aus den Köpfen der Böötler bringen. Diese wird in verschiedenen Tourguides noch immer als letzte Ausstiegsmöglichkeit bezeichnet. Wir müssen klar und deutlich kommunizieren, dass die Allmend bei einer Bootsfahrt vom Höngger Wehr nach Dietikon die beste und attraktivste Ausstiegsstelle ist. Es laufen entsprechende Gespräche, damit die Ratgeber angepasst werden.

Die Limmat fliesst aber weiter. Es steigt doch keiner freiwillig mehr als einen Kilometer früher aus?

Viele Böötler wissen gar nicht, dass es die Allmend gibt und was sie dort alles erwartet. Es gibt grosse Bäume mit Schattenplätzen und viel Platz auf einer schönen Wiese. Zudem sind auch fix eingerichtete Grillstellen und eine WC-Anlage verfügbar. Und neu bietet ein Kiosk Getränke und Esswaren an. Das alles findet sich auf der Nötzliwiese nicht. Um Getränke zu kaufen, müssen die Besucher beispielsweise unter den Bahngleisen hindurch bis zu den Läden laufen. Damit die Allmend auch angesteuert wird, müssen wir sie aber sichtbarer machen. Deshalb ist vorgesehen, die Signaletik zu verbessern. Eventuell muss auch die Ausstiegsstelle neu gestaltet werden, damit Boote und Passagiere einfacher ans Ufer gelangen.

Aber reicht das wirklich?

Ich bin überzeugt, dass die Allmend funktionieren kann. Sie ist einfach besser geeignet als die Nötzliwiese. Diese ist für diese grosse Masse an Böötlern einfach zu klein und liegt inmitten eines Wohnquartieres. Damit sie nicht wie heute lange Zeit in Beschlag genommen werden kann, gestalten wir sie auch um – sie soll für den längeren Aufenthalt noch unattraktiver werden. Denkbar ist beispielsweise, dass mehr Büsche gepflanzt werden, damit die vielen Gummiboote und zu grosse Picknick-Gruppen auf der Nötzliwiese keinen Platz mehr finden.

Das wird sich kaum kurzfristig umsetzen lassen. Steht den Anwohnern ein weiterer lauter Sommer bevor?

Wir müssen jetzt sofort steuernd eingreifen, um die Bewohner des Quartiers und die Vielzahl an Wasservögeln vor übermässigen Emissionen zu schützen. Das hat sich bei einer Sitzung am Mittwoch, an der Vertreter der Stadt, der Stadt- und Kantonspolizei, des EKZ, des Quartiervereins und von Birdlife Schweiz teilnahmen, als klare Erkenntnis ergeben.

Was lässt sich denn kurzfristig tun?

Die Polizei wird mehr Präsenz zeigen. So besteht ja auf der Nötzliwiese eigentlich ein Grillverbot. Dennoch werden fünf Meter neben einem Fenster einer Liegenschaft Würste grilliert. Ebenfalls gibt es eine Nachtruhe. Trotzdem dröhnt aus Boxen bis in die Nacht laute Musik. Der Spielplatz ist, wie eine Tafel klar zeigt, den Kindern vorbehalten. Und doch wird dieser von Gummibooten zugestellt, weil sie auf der zu kleinen Nötzliwiese keinen Platz finden. Zurück bleibt ein mit Zigarettenstummeln und Glasflaschen übersäter Spielplatz. Es ist leider so, dass immer weniger Rücksicht auf andere genommen wird.

Was ist aus Sicht des Sicherheitsvorstands das grösste Problem bei der Nötzliwiese?

Das Hauptproblem liegt darin, dass die Wiese mitten in einem Wohnquartier liegt. Die Anwohnerinnen und Anwohner werden stark belastet. Die grosse Masse, welche die Nötzliwiese beansprucht, sorgt aber für weitere Probleme, die sich im öffentlichen Raum auch anderswo ergeben. So beschäftigt uns beispielsweise das Thema Littering stark. Die Stadt muss nach einem schönen Wochenende jeweils pro Tag 1,4 bis 1,6 Tonnen Abfall aufräumen und wegschaffen. Aber auch für die Natur ist das grosse Aufkommen der Ausflügler eine grosse Herausforderung. So werden beispielsweise die Schwäne und Enten, denen die Nötzliwiese ansonsten gehört, vertrieben. Das wirkt sich negativ auf deren Population aus.

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