Sport
Wie Dietiker Tennisclubs um Nachwuchs buhlen

Trotz des internationalen Erfolgs von Schweizer Tennisspielern verzeichnen die Clubs in Dietikon rückläufige Mitgliederzahlen. Seit letztem Jahr arbeitet der örtliche TC Langacker deshalb mit Schulen zusammen, um mehr Junge für Tennis zu begeistern. Mit Erfolg.

Florian Schmitz
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TC Langacker bemüht sich um Nachwuchs
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Erste Erfahrungen auf dem Tennisplatz.
Zuschauertribüne: Gemütliches Beisammensein während dem Schnuppertraining.
Die Freude ist nach der Lektion gross.
Im Schulhaus Wolfsmatt versuchten die Schüler,...
... mit Tennisbällen die Torwand zu treffen.
Auf dem Pausenplatz wurde ein kleines Netz aufgestellt.
Tennis und Brunch: Kulinarisch wird beim TC Langacker einiges geboten.
Auch in den 80er Jahren trainierten Kinder auf der Anlage des TC Langacker. Nicht nur die Kleidung war damals noch ganz anders.

TC Langacker bemüht sich um Nachwuchs

zvg

Kaum etwas deutet darauf hin, dass sich in Dietikon zwischen der Ortsgüteranlage und dem Durchgangsverkehr auf der Überlandstrasse eine kleine, rote Oase mitten im Grünen versteckt. Aber wer auf den Sandplätzen des Tennisclubs Langacker Dietikon (TCLD) steht, vergisst schnell, dass er mitten in der Agglomeration ist. An Pfingsten 1977 wurde hier erstmals Tennis gespielt. Gegründet wurde der Tennisclub von ehemaligen Mitgliedern des Dietiker Turnvereins Satus. Das Areal diente dem Verein zuvor als Sportplatz. Bereits wenige Jahre später wurde die Anlage von zwei auf die heutigen vier Courts aufgestockt.

40 Jahre nach der Gründung geht es dem Club gut. «Wir haben einen engagierten harten Kern und viel Konstanz bei den bestehenden Mitgliedern», sagt Präsident Jack Hagmann. Dazu trägt bei, dass im Langacker auch das Geschehen neben dem Platz wichtig ist. Denn bei allem sportlichen Ehrgeiz steht die Freude am Tennis und am Zusammensein im Mittelpunkt. So nimmt Hagmann auch den sportlichen Abstieg seiner Interclub-Mannschaft eher mit Humor: «Wir sind von der Tennisliga in die Gourmetliga aufgestiegen», sagt er lachend. Viele Clubabende basieren auf Eigeninitiative und werden von unterschiedlichen Leuten im Club organisiert. Dabei wird kulinarisch einiges geboten: «Ich habe schon viele ganz verschiedene Abende im Club erlebt, aber dabei noch nie schlecht gegessen», sagt Hagmann. Bei Aktivitäten und Festen sei die Beteiligung folglich auch immer hoch, freut sich der für Clubaktivitäten zuständige Peter Jenny. «Wir sind eine eher gesellige Truppe», fügt er hinzu.

Seit der Gründung vor 40 Jahren hat sich in der Tenniswelt viel verändert. Die früher oft als elitär abgestempelte Sportart ist offener und ungezwungener geworden. «Früher hat man sich im Club meistens gesiezt», erinnert sich Jenny. In den letzten Jahrzehnten haben viele Vereine einen Mitgliederrückgang verzeichnet und bekunden besonders Mühe, genügend Nachwuchsspieler für den Sport zu begeistern. Denn trotz des Schweizer Tennisbooms, mit Stars wie Martina Hingis, Roger Federer und Stan Wawrinka, ist der grosse Aufschwung ausgeblieben.

Tennisstunde in der Schule

«Früher hatten wir noch Wartelisten», sagt Hagmann. «Vor etwa fünf Jahren haben wir dann die Talsohle erreicht.» Seither zeigen die Mitgliederzahlen wieder langsam nach oben. Damit dieser Trend noch verstärkt wird, arbeitet der TCLD seit letztem Jahr mit Dietiker Schulen zusammen, um die Begeisterung für Tennis in einer Turnstunde zu vermitteln. Letztes Jahr gastierte der TCLD im Wolfsmatt, für dieses Jahr ist Jenny im Gespräch mit weiteren Schulhäusern.

Grund zum Feiern

Zum Saisonstart lädt der TC Langacker am Sonntag, 23. April Gross und Klein zu einem Tag der offenen Tür ein. Ab 11 Uhr können Interessierte ab 6 Jahren ein Schnuppertraining absolvieren. Der Höhepunkt des Sommers stellt allerdings das Jubiläumsfest dar. Am 12. August feiert der Tennisclub sein 40-jähriges Bestehen mit einem grossen Fest im Bruno-Weber-Park. (flo)

Interessierte Kinder und ihre Eltern werden anschliessend zu einer Schnupperstunde auf der Anlage eingeladen. «Es ist wichtig, die Kinder auf unseren Tennisplatz zu bringen, damit sie die besondere Tennisatmosphäre erleben können», sagt Hagmann. Dank der Aktion sind letztendlich acht Junioren und vier Elternpaare zum Club gestossen. Ein grosser Vorteil vom Tennis sei, dass es eine Sportart für die ganze Familie ist, sagt Jenny. Die Kehrtwende bei den Mitgliederzahlen kommt im richtigen Moment, denn wie in vielen Tennisclubs werden die verantwortlichen Club-Mitglieder älter. Nicht nur auf dem Platz ist der Nachwuchs wichtig, auch bei der Verantwortung neben dem Platz ist die neue Generation mittelfristig gefordert.

Tennis spielerisch erleben

Auch beim anderen Club der Stadt steht die Nachwuchsarbeit ganz oben auf der Prioritätenliste. Francisco Bastias Studer, der Zuständige für die Jugendarbeit beim TC Dietikon (TCD), hat bei Swiss Tennis eine Ausbildung als Spezialist für Kids Tennis absolviert. Seit rund zwei Jahren hat der TCD laut Bastias Studer im Bereich Kindertraining massive Anstrengungen unternommen. So hat der Club im letzten Sommer die Kids Tennis High School (www.kidstennis.ch) eingeführt. Beim Ausbildungsprogramm von Swiss Tennis geht es darum, Kindern möglichst spielerisch und auf kindergerechte Art an den Tennissport heranzuführen.
Früher habe man auch mit den Kleinen schon viel Technik geübt, weiss Bastias Studer. Doch mittlerweile habe in der Tenniswelt ein Umdenken stattgefunden: «Unser Kindertraining ist vielseitiger und spielorientierter geworden», sagt der Tennislehrer. Der Fokus liegt darauf, dem Nachwuchs Spielverständnis und Freude zu vermitteln, statt nur trockene Schlagtechniken zu üben. «Die Kinder lernen so schon früh, Aufgaben zu lösen, statt nur Bewegungen nachzuahmen.»

Yannick Grieco (15) aus Weiningen spielt schon lange beim TC Langacker.

Yannick Grieco (15) aus Weiningen spielt schon lange beim TC Langacker.

Von Florian Schmitz

Um dieses Ziel zu erreichen, ist die Qualität des Trainings wichtig, betont Bastias Studer. Deshalb baue der TCD um ihn ein Team aus qualifizierten Kursleitern auf. Zwei Anfang April durchgeführte Schnuppertrainings stiessen auf grosse Resonanz. «Wir sind auf gutem Weg und ich nehme an, dass die Teilnehmerzahl in diesem Sommer nochmals markant steigen wird», sagt Bastias Studer. Letztes Jahr nahmen bereits rund 70 Kinder und Jugendliche an den Sommertrainings teil.

Auch wenn die Tennisvereine zurzeit viel unternehmen, um ihren Sport bei jungen Menschen attraktiver zu machen, ruft Jenny ein noch wichtigeres Ziel in Erinnerung: «Letztendlich ist es nicht so wichtig, welchen Sport Kinder ausüben, sondern dass sie sich betätigen», sagt Jenny. Denn dabei lernen sie nicht nur soziale Kompetenzen im Austausch mit Mitspielern und Gegnern, sondern auch, mit der Dynamik von Sieg und Niederlage umzugehen.

Yannick Grieco (15): «Schaue mir keine Tricks von Federer ab»

Seit wann spielst Du Tennis und wie bist Du zum Sport gekommen?

Yannick Grieco: Ich habe erstmals mit acht Jahren in den Ferien in der Türkei auf der Hotelanlage Tennis gespielt. Weil es Spass machte, habe ich danach ein Camp in Oetwil besucht und bin jetzt seit knapp sechs Jahren beim TC Langacker Dietikon dabei.

Wie gefällt es Dir dort?

Sehr gut. Wir haben gute Trainer, und ich schätze die ruhige Lage.

Wieso bist Du dem Sport treu geblieben? Was magst Du besonders am Tennis?

Hm, das ist schwierig zu sagen (lacht). Früher hatte ich eigentlich immer lieber Teamsportarten. Am Tennis gefällt mir besonders die Kreativität beim Spielen. Im direkten Duell mit dem Gegner hat man so viele taktische Möglichkeiten. Ich hab während einiger Jahre viele Turniere gespielt, das hat immer grossen Spass gemacht.

Wie häufig spielst Du heute noch Tennis?

Ich spiele immer noch gerne Tennis, aber keine Turniere mehr. Auch, weil ich am Gymi viel zu tun habe. Über den Sommer möchte ich aber wenn möglich zweimal pro Woche auf dem Platz sein.

Wirst du der Sportart noch lange treu bleiben?

Ich will sicher noch lange Tennis spielen, aber wahrscheinlich nicht mehr kompetitiv. Die Freude am Spiel steht bei mir im Vordergrund.

Wie beliebt ist Tennis in deinem Umfeld?

In meiner Klasse und im Kollegenkreis in Weiningen spielen noch ein paar andere Tennis. Die meisten spielen aber am liebsten Fussball.

Im Profitennis reitet die Schweiz mit Roger Federer und Stan Wawrinka im Moment auf einer beispiellosen Erfolgswelle. Motiviert es dich, dass zwei der absoluten Topspieler zurzeit Schweizer sind?

Nein. Ich verfolge gerne ihre Spiele im TV, aber schaue mir keine Tricks bei ihnen ab und spiele wegen ihnen nicht lieber Tennis.