Kaum etwas deutet darauf hin, dass sich in Dietikon zwischen der Ortsgüteranlage und dem Durchgangsverkehr auf der Überlandstrasse eine kleine, rote Oase mitten im Grünen versteckt. Aber wer auf den Sandplätzen des Tennisclubs Langacker Dietikon (TCLD) steht, vergisst schnell, dass er mitten in der Agglomeration ist. An Pfingsten 1977 wurde hier erstmals Tennis gespielt. Gegründet wurde der Tennisclub von ehemaligen Mitgliedern des Dietiker Turnvereins Satus. Das Areal diente dem Verein zuvor als Sportplatz. Bereits wenige Jahre später wurde die Anlage von zwei auf die heutigen vier Courts aufgestockt.

40 Jahre nach der Gründung geht es dem Club gut. «Wir haben einen engagierten harten Kern und viel Konstanz bei den bestehenden Mitgliedern», sagt Präsident Jack Hagmann. Dazu trägt bei, dass im Langacker auch das Geschehen neben dem Platz wichtig ist. Denn bei allem sportlichen Ehrgeiz steht die Freude am Tennis und am Zusammensein im Mittelpunkt. So nimmt Hagmann auch den sportlichen Abstieg seiner Interclub-Mannschaft eher mit Humor: «Wir sind von der Tennisliga in die Gourmetliga aufgestiegen», sagt er lachend. Viele Clubabende basieren auf Eigeninitiative und werden von unterschiedlichen Leuten im Club organisiert. Dabei wird kulinarisch einiges geboten: «Ich habe schon viele ganz verschiedene Abende im Club erlebt, aber dabei noch nie schlecht gegessen», sagt Hagmann. Bei Aktivitäten und Festen sei die Beteiligung folglich auch immer hoch, freut sich der für Clubaktivitäten zuständige Peter Jenny. «Wir sind eine eher gesellige Truppe», fügt er hinzu.

Seit der Gründung vor 40 Jahren hat sich in der Tenniswelt viel verändert. Die früher oft als elitär abgestempelte Sportart ist offener und ungezwungener geworden. «Früher hat man sich im Club meistens gesiezt», erinnert sich Jenny. In den letzten Jahrzehnten haben viele Vereine einen Mitgliederrückgang verzeichnet und bekunden besonders Mühe, genügend Nachwuchsspieler für den Sport zu begeistern. Denn trotz des Schweizer Tennisbooms, mit Stars wie Martina Hingis, Roger Federer und Stan Wawrinka, ist der grosse Aufschwung ausgeblieben.

Tennisstunde in der Schule

«Früher hatten wir noch Wartelisten», sagt Hagmann. «Vor etwa fünf Jahren haben wir dann die Talsohle erreicht.» Seither zeigen die Mitgliederzahlen wieder langsam nach oben. Damit dieser Trend noch verstärkt wird, arbeitet der TCLD seit letztem Jahr mit Dietiker Schulen zusammen, um die Begeisterung für Tennis in einer Turnstunde zu vermitteln. Letztes Jahr gastierte der TCLD im Wolfsmatt, für dieses Jahr ist Jenny im Gespräch mit weiteren Schulhäusern.

Interessierte Kinder und ihre Eltern werden anschliessend zu einer Schnupperstunde auf der Anlage eingeladen. «Es ist wichtig, die Kinder auf unseren Tennisplatz zu bringen, damit sie die besondere Tennisatmosphäre erleben können», sagt Hagmann. Dank der Aktion sind letztendlich acht Junioren und vier Elternpaare zum Club gestossen. Ein grosser Vorteil vom Tennis sei, dass es eine Sportart für die ganze Familie ist, sagt Jenny. Die Kehrtwende bei den Mitgliederzahlen kommt im richtigen Moment, denn wie in vielen Tennisclubs werden die verantwortlichen Club-Mitglieder älter. Nicht nur auf dem Platz ist der Nachwuchs wichtig, auch bei der Verantwortung neben dem Platz ist die neue Generation mittelfristig gefordert.

Tennis spielerisch erleben

Auch beim anderen Club der Stadt steht die Nachwuchsarbeit ganz oben auf der Prioritätenliste. Francisco Bastias Studer, der Zuständige für die Jugendarbeit beim TC Dietikon (TCD), hat bei Swiss Tennis eine Ausbildung als Spezialist für Kids Tennis absolviert. Seit rund zwei Jahren hat der TCD laut Bastias Studer im Bereich Kindertraining massive Anstrengungen unternommen. So hat der Club im letzten Sommer die Kids Tennis High School (www.kidstennis.ch) eingeführt. Beim Ausbildungsprogramm von Swiss Tennis geht es darum, Kindern möglichst spielerisch und auf kindergerechte Art an den Tennissport heranzuführen.
Früher habe man auch mit den Kleinen schon viel Technik geübt, weiss Bastias Studer. Doch mittlerweile habe in der Tenniswelt ein Umdenken stattgefunden: «Unser Kindertraining ist vielseitiger und spielorientierter geworden», sagt der Tennislehrer. Der Fokus liegt darauf, dem Nachwuchs Spielverständnis und Freude zu vermitteln, statt nur trockene Schlagtechniken zu üben. «Die Kinder lernen so schon früh, Aufgaben zu lösen, statt nur Bewegungen nachzuahmen.»

Um dieses Ziel zu erreichen, ist die Qualität des Trainings wichtig, betont Bastias Studer. Deshalb baue der TCD um ihn ein Team aus qualifizierten Kursleitern auf. Zwei Anfang April durchgeführte Schnuppertrainings stiessen auf grosse Resonanz. «Wir sind auf gutem Weg und ich nehme an, dass die Teilnehmerzahl in diesem Sommer nochmals markant steigen wird», sagt Bastias Studer. Letztes Jahr nahmen bereits rund 70 Kinder und Jugendliche an den Sommertrainings teil.

Auch wenn die Tennisvereine zurzeit viel unternehmen, um ihren Sport bei jungen Menschen attraktiver zu machen, ruft Jenny ein noch wichtigeres Ziel in Erinnerung: «Letztendlich ist es nicht so wichtig, welchen Sport Kinder ausüben, sondern dass sie sich betätigen», sagt Jenny. Denn dabei lernen sie nicht nur soziale Kompetenzen im Austausch mit Mitspielern und Gegnern, sondern auch, mit der Dynamik von Sieg und Niederlage umzugehen.