Spital Limmattal

Weshalb trägt der «Limmi»-Direktor eine nepalesische Blumenkette? – Thomas Bracks Herzensprojekt

«Limmi»-Direktor Thomas Brack und sein Team helfen ihrem Partnerspital in Ratnanagar beim Aufbau einer Frauenklinik. Er schwärmt von den eindrücklichen Spitalbesuchen und von der Gastfreundschaft der Nepalesen.

Thomas Brack schüttelt mit strahlendem Lächeln die Hand eines Mannes im Anzug. Ein zweiter versorgt ein Dokument in einer Mappe. Alle drei tragen eine gelbe Blumenkette um den Hals. «An diesem Tag haben wir den Partnervertrag unterschrieben», sagt Thomas Brack, Direktor des Spital Limmattal, über das Bild das vor ihm liegt. Er ist zusammen Narayan Ban, dem Bürgermeister der südnepalesischen Stadt Ratnanagar, und Devendra Kumar Shrestha, einem Delegierten des Verwaltungsrats des dortigen Spitals, abgebildet.

Aufgenommen wurde das Foto am 17. November 2017. Seit dann hat das «Limmi» offiziell ein Partnerspital in Nepal. Die Gebetsfahnen, das Gebetsmühlen-Bild und die Vitrine mit Souvenirs aus dem Himalaya-Gebiet im Kaffeeraum neben dem Spital-Eingang in Schlieren dienen eben nicht nur der Dekoration. «Für mich ist das Projekt eine Herzensangelegenheit», sagt Brack.

2014 kam bei einer Sitzung der Spitalleitung erstmals die Idee auf, eine Partnerschaft mit einem Spital aus einem Entwicklungsland einzugehen. «Wir suchten den Austausch mit Kollegen aus einer fremden Kultur», sagt Brack. Es sei ein Anliegen gewesen, eine Beziehung auf Augenhöhe aufzubauen. «Im Fokus liegt für uns nicht das Helfen und das Gefühl, dass wir Wohltäter sind, sondern Erfahrungen zu machen, von denen beide Seiten profitieren können.»

2015 nahm die Idee Form an. Eine damalige «Limmi»-Mitarbeiterin knüpfte den Kontakt mit der pensionierten Dermatologin und grünen Alt-Nationalrätin Ruth Gonseth, die seit einigen Jahren im Spital in Ratnanagar wirkt und dort eine Dermatologie-Station aufgebaut hat. «Wir haben Ruth Gonseth Material aus unserem Spital überlassen, das wir nicht mehr brauchten», sagt Brack. Im Gespräch mit Gonseth wurde schnell klar, dass sich das nepalesische Spital für das Vorhaben eignet. «Es war für uns wertvoll, dass Ruth Gonseth bereits mit den Leuten und dem Ort vertraut ist und sogar jeweils sechs Monate im Jahr dort lebt.»

In aller Ruhe vor dem Spital Schlange stehen

Nach der Besichtigung und Abklärung vor Ort durch die leitende «Limmi»-Gynäkologin Simone Kamm, die einen Master in International Health besitzt, wurde 2016 der Verein Spitalpartnerschaft Spital Limmattal/Spital Ratnanagar gegründet. Unterdessen zählt er 24 Mitglieder. Brack ist Präsident des Vorstands. «Wir wollen über ihn und nicht im Rahmen des ‹Limmi› Spendengelder sammeln», erklärt Brack. Mittlerweile hat er das Spital in Nepal bereits zwei Mal besucht und Behörden und Ärzte kennen gelernt. «Es ist auf dem Weg, ein Regionalspital zu werden, das ein ähnlich grosses Gebiet wie das Spital Limmattal abdeckt. Derzeit verfügt es über 15 Betten, bald sollen es 50 werden», erzählt Brack. Es bietet eine Notfallstation, eine Zahnarztpraxis, eine Dermatologie-Abteilung, eine Geburtenabteilung sowie eine ambulante Versorgung. «Bis zu 400 Personen werden täglich behandelt. Die Warteschlange vor dem Spital ist sehr lang. Ich bewundere die Geduld der Leute, sie warten in aller Ruhe. In der Schweiz reklamiert man schon nach zehn Minuten Wartezeit.» Ein Spitalbesuch dauere in Nepal den ganzen Tag. Viele würden eine beschwerliche Reise zu Fuss und mit öffentlichen Transportmitteln auf sich nehmen, so Brack.

Coronavirus verzögert das Projekt

Eindrücklich war für den Spitaldirektor auch die Besichtigung der Operationssäle. «Sie sind einfach eingerichtet und bezüglich Sterilität nicht mit unseren vergleichbar. Doch es zeigt, dass es eben auch mit diesen Ressourcen geht.» Diese Eindrücke seien viel wert, findet Brack. «Es wird einem bewusst, auf welch hohem Niveau wir arbeiten. Themen, die wir als Probleme ansehen, relativieren sich plötzlich.» Beeindruckt hat ihn auch die Gastfreundschaft der Nepalesen. «Die Menschen sind so liebevoll. Während unseres Aufenthalts wurden wir jeden Abend zum Essen und Feiern eingeladen.»

Letztmals war Brack Ende Februar kurz vor Ausbruch des Coronavirus in Nepal. Die beiden Spitäler planen den Bau einer Frauenklinik in Ratnanagar. Die Pandemie sorgt jedoch für Verzug im Zeitplan. «Wir wollten das Geld auftreiben, währenddem unsere nepalesischen Kollegen sich um den Landerwerb und den politischen Prozess gekümmert hätten. Nun sind wir blockiert», sagt Brack. Froh sei er aber, dass die Partner in Nepal zumindest wohlauf seien.

Autor

Sibylle Egloff

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