Der Tattoo-Trend in der Schweiz ist ungebrochen. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich nur harte Rocker die Nadel unter die Haut rücken liessen. Dass die Färbung der Haut gesundheitliche Risiken mit sich bringen kann, ist lange bekannt. Die neusten Ergebnisse der Kantonslabore Aargau und Basel-Stadt sorgten dennoch für Aufhorchen unter den Tätowierten: Ein Grossteil der Tätowierfarben ist mangelhaft, zum Teil sogar krebserregend. Von 26 geprüften Tätowiertinten sind 22 beanstandet worden – eine Quote von 85 Prozent. Das ergaben 150 Farbproben in 16 Kantonen.

Ohne Bewilligung und Ausbildung

Miró Richter, Inhaber des Tattoo-studios «les couleurs» in Dietikon, erstaunen diese Ergebnisse. «Gute Farbe ist in der Schweiz nicht ganz einfach zu finden, aber man bekommt sie», sagt er. Auch würden qualitativ hochwertige Farben nicht so viel kosten, als dass man sie sich nicht leisten könnte.

Das eigentliche Problem sei, dass in der Schweiz nach wie vor jeder ein Tattoostudio eröffnen könne – ohne Ausbildung und ohne Bewilligung. Auch Hygienevorschriften gebe es keine zwingenden, sondern nur Richtlinien, an die sich mangels Kontrollen nicht viele halten würden. «Wer sein Studio hygienisch führt, verwendet keine Billigfarben», so Richter. Aber was sauber aussehe, müsse nicht immer hygienisch einwandfrei sein.

Beim Betreten seines Tattoostudios, das er zusammen mit Tätowierer Sascha Hellwig führt, steigt einem sofort der Geruch von Desinfektionsmittel in die Nase. Es riecht klinisch sauber und erinnert an den Besuch beim Zahnarzt.

Zertifikat als Garantie für Kunden

Dass es nicht nur sauber riecht und aussieht, können die beiden Inhaber belegen. An der Wand im Empfangsbereich hängen ihre Hygienezertifikate. «Es ist die einzige Möglichkeit, sich von den vielen privaten und unprofessionellen Tätowierern zu distanzieren», sagt Richter. Er ist der Meinung, jedes Studio müsste gewisse Hygienerichtlinien erfüllen.

Ula Scar, Tätowiererin des «Headquarter Tattoo und Piercing» in Schlieren, teilt Richters Meinung, die Inhaber von Tattoostudios müssten mehr kontrolliert werden. Doch das reiche nicht. Auch Farbhersteller müssten unter die Lupe genommen werden. Sie verwende nur Farben, die den EU-Richtlinien entsprechen. «Unsere Tinten sind geprüft und zugelassen», so Scar.

«Billigfarben schaden dem Ruf»

Auch Gilbert Beyli, Tätowierer des Studios «Massive Tattoo» in Dietikon, setzt auf qualitativ hochwertige Farben. «Wer teurere Farben verwendet, erzielt auch die besseren Resultate», sagt er. Es werde aber immer schwarze Schafe geben, die Farben über unseriöse Händler beziehen würden.

Von Vorschriften oder Auflagen für Tattoostudios hält Beyli aber nichts. Er empfinde auch Hygienezertifikate als unglaubwürdig. «Was hinter den Kulissen abgeht, sieht der Kunde trotzdem nicht.» Er verwende ausschliesslich Einwegprodukte, die er nach Gebrauch wegwerfe. Somit könne er ebenfalls hygienische Arbeitsbedingungen garantieren.