Ausgemergelt und krank
Wer hat das Büsi im Abfallcontainer entsorgt?

Der Dietiker Michael Blattmann traute seinen Augen nicht als er in den Abfallcontainer schaute. Da lag ein «entsorgtes» Büsi. Er rettete es vor dem sichere Tod im Container.

Lorena Sauter
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Michael Blattmann

Michael Blattmann

Limmattaler Zeitung

Einen aussergewöhnlichen Fund muss der Dietiker Michael Blattmann machen, als er nach der Arbeit den Müll wegschmeissen will: Aus dem Abfallcontainer seines Wohnhauses leuchten ihm eisblaue Katzenaugen entgegen.

Was sich anhört wie aus einem schlechten Krimi, hat sich in der Nacht von vergangenem Samstag auf Sonntag an der Krummackerstrasse in Dietikon tatsächlich ereignet. «Da ich nachts arbeite, habe ich meinen Abfallsack zwischen vier und fünf Uhr morgens entsorgt. Beim Öffnen des Containerdeckels schaute mir diese Siamkatze zwischen drei Abfallsäcken entgegen», sagt der 21-Jährige.

Vorsichtig hob Blattmann den eingeschüchterten Kater heraus, streichelte ihn und trug ihn in seine Wohnung. «Er sah sehr verwahrlost aus, die Knochen standen richtig heraus und das Fell war matt und struppig, die Augen eiterten», so der Tierliebhaber weiter. In der Wohnung Blattmanns habe sich die Katze erst verkrochen, sei dann aber immer zutraulicher geworden und habe einen «riesen Appetit» gehabt.

Ausgemergelt und krank

Am darauf folgenden Montag wandte sich der 21-Jährige an den Dietiker Kleintierarzt Josef Zihlmann. «Die Katze war völlig ausgemergelt und leidet an einer Blasenentzündung», so Zihlmann zum Zustand des Tieres. Nach sofortiger Grossversorgung des Katers mit Aufbaufutter und Entwurmungskur untersuchte Zihlmann gestern die Katze in einem Gesamtcheck. Jetzt muss das etwa 4-jährige Büsi aufgepäppelt werden. Neben Untergewicht leidet es an Blasenproblemen. «Ich habe ihr Medikamente und Antibiotika verschrieben, damit sie schnellstens wieder gesund wird», so der Tierarzt. Die anfallenden Kosten übernimmt allesamt Zihlmann selbst.

Von der Besitzerin oder dem Besitzer fehlt jede Spur. «Die Katzen in meiner Nachbarschaft kenne ich. Ich weiss wem welches Büsi gehört. Aber in der Umgebung hier hat es so viele komische Leute...», so Blattmann. Wie Blattmann mutmasst, könnten die Besitzer keine Lust mehr auf das Tier gehabt haben , weil es an einer Blasenkrankheit leidet, deshalb ab und zu mal ein Tröpfchen daneben gehe oder Kosten verursache. Nach einer knappen Woche in seinem vorübergehenden Zuhause wiegt der noch namenlose Kater gerade mal 2800 Gramm. Das Optimalgewicht, so Blattmann, würde zwischen vier und fünf Kilo liegen. «Unvorstellbar, wie dünn sie anfangs war», empört er sich. Mittlerweile sei die Katze sehr anhänglich geworden: «Auf Schritt und Tritt läuft sie mir nach, doch weiter als bis vor den Lift ins Treppenhaus traut sie sich nicht», erzählt Blattmann. Scheint, als würde sich die Katze daran erinnern, was ihr Grausames angetan worden ist.

Mutwillige Tat

Weil Blattmann am 1. November ins Militär einrücken muss, kann er die Katze nicht behalten. Doch eines steht für den Katzennarr fest: In ein Tierheim gibt er die Katze nicht. So sucht er in seinem Freundeskreis nach Interessenten. «Ich will sicher gehen, dass es ihr gut geht und sie nicht noch einmal so übel behandelt wird», sagt er. Dieser Vorfall macht wütend. Sowohl Zihlmann wie auch Blattmann: «Die grausame Tat erinnert stark an das Video einer Engländerin, das im Internet um die Welt ging.» Auf dem Video war zu sehen, wie eine Frau Jungtiere - zu ihrer Belustigung - in einen Container schmeisst.

Wie die Katze in den Container gelangt ist, bleibt aber unklar. Doch Blattmann wie auch Zihlmann sind der festen Überzeugung, dass die Katze nicht freiwillig in den Container sprang - sondern mutwillig hineingeschmissen worden sein muss. Der Besitzer, der die Katze so verwahrlosen liess und sie eventuell gleich selbst «entsorgt» hat, soll nicht ungestraft davonkommen. Um ihn zu finden - und bei der Polizei anzeigen zu können -, will Blattmann Flugblätter in der Gegend verteilen und hofft auf Mithilfe aus der Bevölkerung.