Bergdietikon

Wenn eine ganze Klasse in einem toten Winkel verschwindet

Beeindruckte Primarschüler erfahren am eigenen Leib, wie wenig Lastwagenführer sehen können im Strassenverkehr, wenn sie in die Rückspiegel sehen.

Vier Tote Winkel hat ein Lastwagen. Und vier Menschen sterben jährlich auf Schweizer Strassen, weil sie sich in jenem Abschnitt befinden, in den der Lenker nicht hineinsehen kann. Damit die Schüler von Bergdietikon nicht zu diesen Unglücklichen gehören, durften sie an einem Workshop am eigenen Leib erfahren, was es heisst, als Lastwagenführer mit einem eingeschränkten Blickfeld unterwegs zu sein.

Wer keine Erfahrung mit Grossfahrzeugen hatte, erschrak, als er sich hinter das dolendeckelgrosse Steuer setzte. Der tote Winkel auf der Beifahrerseite verschluckte eine ganze Schulklasse. «Viele Kinder sind erstaunt, wenn sie in den Rückspiegel schauen, und ihre Mitschüler plötzlich nicht mehr sehen», sagte Herbert Neuhaus, Verkehrsinstruktor der Regionalpolizei.

Schüler liessen sich beeindrucken

So zum Beispiel der achtjährige Jeremy Bosbach: «Ich werde nie mehr vor einem Lastwagen über die Strasse rennen. Und auch beim Fussgängerstreifen warte ich ab jetzt lieber einmal länger», sagte der Zweitklässler.

Urs Auf der Maur, Mitarbeiterausbildner der Planzer Transport AG, leitete den Workshop. Dadurch, dass die Schüler den Lastwagen von Nahem sehen konnten und sich dann hinter das Steuer setzten durften, hinterlasse der Tag einen bleibenden Eindruck, sagte er. «Es nützt nicht viel, von der Wandtafel eine Predigt über Verkehrssicherheit zu halten.»

Martin Zumstein, Schulleiter, ist gleicher Meinung: «Es ist wichtig, dass die Kinder den Umgang mit grossen Lastwagen praktisch erleben.» Jedes Kind, das auf der Strasse verunfalle, sei eines zu viel, ergänzte Zumstein. «Und wir wollen nicht auf Unfälle warten, bevor wir den Umgang mit Lastwägen thematisieren.» In Zukunft soll der Workshop zusätzlich zur Verkehrserziehung und der Veloprüfung alle zwei Jahre stattfinden.

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