Limmattal
Wenn die Quarantäne ruft: Wie Schulen mit Ausfällen beim Lehrpersonal umgehen

Müssen viele Lehrpersonen in Coronaquarantäne oder -Isolation, gestaltet sich die Suche nach einem Ersatz schwierig. In einer Dietiker Schule etwa muss aufgrund der vielen Absenzen immer wieder die Schulleitung einspringen.

Sven Hoti
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Zurück ins Homeschooling? Für manche Schulen kommt das durchaus in Frage. (Themenbild)

Zurück ins Homeschooling? Für manche Schulen kommt das durchaus in Frage. (Themenbild)

Christian Beutler/Keystone

Die Limmattaler Schulleitungen sind bei der Personalplanung teils seit Monaten am Rotieren: «Seit den Herbstferien gab es keine Woche, in der das ganze Team anwesend war», sagt beispielsweise Andrea Kengelbacher, Schulleiterin der Dietiker Schule Luberzen. Immer wieder komme es zu Ausfällen, weil Lehrpersonen wegen ihres privaten Umfelds in Quarantäne oder Isolation müssten. Rund zehn der insgesamt 60 Lehrpersonen haben sich laut Kengelbacher seit vergangenen Sommer mit dem Virus angesteckt.

Dass Lehrpersonen krankheitsbedingt oder aus terminlichen Gründen ausfallen, ist an sich nichts Besonderes – die Schulen suchen dann üblicherweise nach einem Ersatz. Daran hat die ­Coronapandemie nichts geändert. Was hingegen anders ist, ist der Umstand, dass eine Lehrperson auch dann ausfällt, wenn sie nur krank sein könnte. So etwa, wenn sie Kontakt mit einer nachweislich infizierten Person hatte und in Quarantäne muss. In so einem Fall fällt die Lehrperson zehn Tage aus, sofern sie währenddessen keine Symptome entwickelt. Bei Erkrankten kann die Absenz weit über die zehn Tage hinausgehen. Häufen sich solche Fälle, wird auch die Suche nach einer Stellvertretung schwieriger.

Die Absenzen regelt das Luberzen, wie viele andere Schulen auch, kurzfristig über interne Stellvertreter. Dauert die Abwesenheit länger, wird ein Vikariat ausgeschrieben. Derzeit gestalte sich die Suche jedoch schwierig, sagt Kengelbacher. Immer wieder müsse die Schulleitung einspringen. «Ich habe das Gefühl, dass die Schulen momentan einen erhöhten Bedarf nach Vikaren haben», sagt die Schulleiterin.

Bildungszentrum steigt auf Hybridunterricht um

Steigen die Quarantäne- und Fallzahlen an einer höheren Schule, können sie beim kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamt ein Gesuch auf Halbklassen- oder Fernunterricht stellen. Wird dieses genehmigt, darf der Unterricht für eine gewisse Zeit wieder vor halber Klasse respektive online durchgeführt werden.

Ein solches Gesuch hatte auch Claudia Hug vom Bildungszentrum Limmattal eingereicht. Zwei Lehrer mussten im Dezember in Isolation, einige weitere in Quarantäne. Die Dietiker Berufsfachschule konnte die Stellvertretungen nicht mehr bewältigen. Zwar erhielt Hug eine befristete Erlaubnis. Ein längerfristiges Homeschooling, wie von ihr zwecks Schutz ihres Personals gewünscht, lehnte der Kanton jedoch ab, sagte die Rektorin kürzlich gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Setzt inzwischen bei gewissen Klassen auf hybriden Unterricht: Claudia Hug, Rektorin des Bildungszentrums Limmattal in Dietikon.

Setzt inzwischen bei gewissen Klassen auf hybriden Unterricht: Claudia Hug, Rektorin des Bildungszentrums Limmattal in Dietikon.

Zur Verfügung gestellt

Die Geschichte nahm für Hug schliesslich doch ein gutes Ende, wie sie auf Anfrage der «Limmattaler Zeitung» erklärt. Der Kanton habe das Gesuch aufgrund der damaligen Bestimmungen abgelehnt. Mittlerweile habe sich die Situation allerdings geändert, sagt Hug. «Der Bundesrat hat weitergehende Massnahmen zum Schutz von Mitarbeitenden beschlossen. Auf dieser Grundlage haben wir ein neues Gesuch gestellt, welches nun vom Mittelschul- und Berufsbildungsamt bewilligt wurde.» Seither unterrichtet das Bildungszentrum gewisse Klassen hybrid, also teils aus der Ferne, teils vor Ort.

Weniger Probleme mit Ausfällen hatten hingegen die Kantonsschule Limmattal in Urdorf sowie die Oberstufe Weiningen. Beide Schulen verzeichneten bis dato relativ wenig coronabedingte Absenzen, wie die Schulleitungen auf Anfrage mitteilen. In der Oberstufe Weiningen steckten sich bislang fünf von insgesamt 45 Lehrpersonen mit dem Virus an, in der Kanti Limmattal kam es unter den rund 130 Lehrkräften zu weniger als zehn Ausfällen. Bei der Mehrheit habe es sich um Quarantänefälle gehandelt, sagt Werner De Luca, Rektor der Kantonsschule Limmattal.

Wie weiter mit den Schulen?

Trotz der unterschiedlichen Lage an den Schulen wird der Druck auf den Bundesrat­­ immer grösser, zumindest auf Oberstufenebene alles dichtzumachen. Alles andere sei aus wissenschaftlicher Sicht falsch, sagte der Epidemiologe Marcel Tanner gegenüber der «Sonntagszeitung».

Auch im Limmattal ist die Sache umstritten. Während die Oberstufe Weiningen Fernunterricht eher ablehnt, zeigen sich die Kantonsschule Limmattal sowie die Schule Luberzen offen für temporäre Schulschliessungen auf Oberstufenebene.

Mindestens so wichtig ­wie die Debatte über allfällige ­Schulschliessungen sei jedoch die Erkenntnis, dass die Schulen und die Lehrpersonen ­systemrelevant seien, hält ­Werner De Luca von der Kantonsschule Limmattal fest. Er setzt sich deshalb auch dafür ein, ­dass die Lehrpersonen bei­ der Corona-Impfung priorisiert ­werden, wenn sie eine Impfung wünschen.