Wochenkommentar
Wenn der Widerstand das Gemeinschaftsgefühl stärkt

Im März 1988 stimmten die Stimmberechtigten des Kantons Zürich ab, ob der Bezirk Dietikon abgeschafft werden soll. Mit 65 Prozent Nein-Stimmen fiel die Vorlage deutlich durch. Nach 25 Jahren ist die Region im Bezirk zusammengewachsen.

Jürg Krebs
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Wahlen Bezirk Dietikon

Wahlen Bezirk Dietikon

Limmattaler Zeitung

Nein, die Abschaffung des Bezirks Dietikon ist heute kein Thema mehr. Vor 25 Jahren war das noch ganz anders. Im März 1988 hatten die Stimmberechtigten des Kantons Zürich zum zweiten Mal befunden, dass die Gemeinden Dietikon, Schlieren, Urdorf, Oberengstringen, Unterengstringen, Weiningen, Geroldswil und Oetwil, aber auch Uitikon, Birmensdorf und Aesch ihren ganz eigenen Bezirk brauchen – einen, der von der Stadt Zürich losgelöst ist. Interessant ist: Die Abneigung der Betroffenen selbst gegenüber der Abstimmungsvorlage spielte für den Entscheid keine Rolle. Entsprechend deutlich fiel das Ergebnis aus: Die Abschaffung des erst kurz zuvor – ebenfalls gegen den Willen der Limmattaler geschaffenen – Bezirks fiel mit 65 Prozent Nein-Stimmen durch. Und so mag der ehemalige Dietiker Kantonsrat Hans Wiederkehr noch heute das Abstimmungsergebnis bedauern und erklären, es habe nichts als Kosten erzeugt. Der Bezirk Dietikon ist eine unwiederbringliche Tatsache.

Es stimmt schon, ein Bezirk ist im Grunde nichts anderes als eine geografisch begrenzte Verwaltungsebene. Gerade deshalb werden zwischendurch Ideen laut, dass es sinnvoll sein könnte, angesichts der gestiegenen regionalen Aufgaben und Interessen ein politisches Bezirksgremium einzuberufen. Doch das ist bestenfalls Zukunftsmusik.

Deshalb kämpft der Dietiker Bezirksratspräsident Adrian Leimgrübler anders als ein Präsident der umliegenden Gemeinden um Sichtbarkeit in der Bevölkerung. Es gilt weiterhin: Zwar können Entscheide des Bezirksrats politische Auswirkungen haben, Politik im eigentlichen Sinne stellen sie aber nicht dar.

Immerhin haben regional tätige Behörden wie Statthalteramt oder Gericht beim Dietiker Bahnhof 2010 eine Heimat erhalten, an deren Fassade der Schriftzug «Bezirksgebäude» in Stein gemeisselt ist. Der Betonmonolith ist sichtbarer Ausdruck einer gewissen Zusammengehörigkeit. Allerdings ist er nicht geeignet, unter den elf Gemeinden Identität zu stiften.

Ironischerweise ist die Region seit der Gründung des Bezirks dennoch zusammengewachsen. Das liegt einerseits an der Siedlungsentwicklung. Aus voneinander getrennten Dörfern und Städten hat sich eine weitgehend zusammenhängende Grossgemeinde gebildet. Das schafft Nähe. Andererseits hat der vereinte Widerstand gegen Grossprojekte wie etwa den Gateway Limmattal das Gemeinschaftsgefühl gestärkt. Erfreulich ist: Die elf Bezirksgemeinden begegnen sich freundnachbarschaftlich. Das demonstrierten sie auf ausgelassene Art im Jahr 2011, als sie sich anlässlich des zehntägigen Volksfestes in Schlieren mit eigenen Wagen in den Umzug einreihten.

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