Dietikon

Wenn Abc-Schützen zu zielen beginnen

Der az wurde ein Blick ins Klassenzimmer des Primarschulhauses Steinmürli in Dietikon zum Schulbeginn im Kanton Zürich gewährt. Dabei zeigt sich: Die Kinder sind unbefangen und neugierig.

«Für einen Lehrer ist es ein unglaubliches Gefühl, zum ersten Mal in eine neue 1. Klasse zu kommen», erinnert sich Silvia Mathys, Schulleiterin des Primarschulhauses Steinmürli, gerne an ihre Lehrerzeit zurück.

Die Kinder seien noch unbefangen, neugierig und voller Wissensdurst. Für einen Lehrer das höchste der Gefühle, so Mathys augenzwinkernd.

«Unglaubliches Erlebnis»

Ähnlich erlebt auch Unterstufenlehrer Michael Hinnen seine ersten Tage mit einer neuen Klasse voll frischer Abc-Schützen. «Das erwartungsvolle Leuchten in den Augen der Kinder entlöhnt für vieles», meint Hinnen. Wenn ein Erstklässler nach einigen Wochen merke, dass er plötzlich die Strassenschilder lesen könne, sei dies für ihn ein unglaubliches Erlebnis.

Dass man als Lehrer in der Position sei, den Kleinen dieses Erlebnis zu ermöglichen, sei ein wunderbares Gefühl, so Hinnen.

Wirklich schlechtes Timing

Während im Dietiker Schulhaus Steinmürli die Erstklässler nervös in ihren Bänken sitzen, geben sich die Drittklässler bei Michael Hinnen, ein Zimmer weiter, bereits viel cooler. Routiniert marschieren die Acht- bis Neunjährigen zu ihren Plätzen. Lässig packen sie Stifte, Hefte und Geodreiecke aus ihren farbigen Schulranzen, dekoriert mit den aktuellen Helden aus der Welt der Zeichentrickfilme, und blicken dann entspannt nach vorne zu Michael Hinnen.

Auf dem Programm steht Mathematik. Obwohl Michael Hinnen alles dafür tut, die Zehnerreihe so anschaulich und witzig wie möglich
zu erklären, blickt so manches Kind wehmütig hinaus in die Sonne. «Es ist wirklich schlechtes Timing dieses Jahr», meint die neunjährige Lindiana aus Dietikon.

Die ganzen Sommerferien hindurch habe es praktisch ununterbrochen geregnet. Und jetzt, kaum müsse sie wieder in
die Schule, sei es draussen schönstes Badewetter. Die Banknachbarin von Lindiana, die achtjährige Tamara, pflichtet ihr vehement bei.

Trotzdem hätten sich die beiden frischgebackenen Drittklässlerinnen sehr auf das neue Schuljahr gefreut. «Mein Bruder war auch schon bei Herr Hinnen in der Klasse», erzählt Tamara. Nur Gutes habe sie von ihrem Bruder über ihren neuen Lehrer gehört. Darum könne sie sich jetzt trotz des schönen Wetters für die Zehnerreihe bis zur Zahl Tausend begeistern, so die Achtjährige spitzbübisch.

«Ich bin ein Quereinsteiger»

«Früher habe ich einmal das KV gemacht und bin dann erst mit einer nachgeholten Matura Primarlehrer geworden», erzählt Hinnen. Kinder zu unterrichten, sei ein Traumjob für ihn. Das Ganze Drumherum, Papierkram und so weiter, sei ab und zu etwas lästig. Sobald die Kinder aber mit strahlenden Augen durch die Klassenzimmertüre kämen, sei die Welt wieder in Ordnung, so Hinnen.

Auch die unglaublich grosse Multikulturalität in seiner Klasse und im ganzen Schulhaus Steinmürli sieht Hinnen nicht als ein Problem an. «Es ist spannend und manchmal sogar schmeichelhafter, in Dietikon zu arbeiten als zum Beispiel auf dem Zollikerberg», erklärt Hinnen. Für die Eltern dort sei man als Lehrer ein Halbintellektueller, der das tun sollte, was die Eltern ihm sagen. Hier, in Dietikon, werde man als Lehrer von den Eltern viel mehr geschätzt und auch respektiert. «Ein sehr schönes Gefühl», so Hinnen.

Die Pausenglocke läutet und die allererste Stunde des neuen Semesters ist vorbei. Für unzählige neue Schüler hat das Abenteuer «Primarschule» begonnen und für Michael Hinnen ein neues Kapitel in seinem Traumjob.

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