Weiningen
Wenigstens war es in den Herzen des Weininger Frauenchors frühlingshaft

Der Weininger Frauenchor sang englisch, schweizerdeutsch – und sogar japanisch. Die Zuschauer kamen zudem dank Hitomi Kutsuzawa in den Genuss von Musik, wie sie sonst nur in grossen Konzerthäusern zu hören ist.

Franziska Schädel
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Dirigentin Hitomi Kutsuzawa ist auch eine international anerkannte Sängerin.

Dirigentin Hitomi Kutsuzawa ist auch eine international anerkannte Sängerin.

Franziska Schädel

Für eine Stunde gab sich der Frühling in der Kirche Weiningen ein melodisches Stelldichein: Der Frauenchor hatte zum Frühlingskonzert geladen. «Wir wollen Sie einstimmen auf den Frühling - glauben Sie mir, er wird bald da sein», begrüsste Manuela Spori das Publikum.

Und dann besang der Chor unter der Leitung seiner Dirigentin Hitomi Kutsuzawa und am Klavier begleitet von Sandra Wymann diese schönste aller Jahreszeiten mit Liedern und Melodien von Offenbach bis Schubert, von Smetana bis Abba. Die Zuhörerinnen und Zuhörer wurden an diesem Samstagabend mitgenommen auf eine Gondelfahrt in Venedig, verführt mit Offenbachs Barkarole und eingeladen zum Träumen bei «Moon River» und Klängen aus «My Fair Lady».

Das japanische Lied war der Hit

Hitomi Kutsuzawa ist aber nicht nur Dirigentin, sondern auch eine international anerkannte und preisgekrönte Sängerin. Und so kam das Publikum in den Genuss von Musik, wie sie sonst nur in grossen Konzerthäusern zu hören ist. Die Mezzosopranistin sang Lieder aus ihrer japanischen Heimat - zart, berührend und so rein, dass es dem Publikum tatsächlich frühlingshaft warm ums Herz wurde. So lautmalerisch war der Text, dass man sich, ohne zu verstehen, vorstellen konnte, wie der Wind im Frühjahr durch die japanischen Kirschblüten streicht. Tapfer sang auch der Chor ein japanisches Lied - so überzeugend, dass sich das Publikum das Lied nochmals als Zugabe wünschte.

Über 100-jährige Tradition

Der Weininger Frauenchor hat eine über 100-jährige Tradition. Bereits 60 Jahre mit dabei ist die 87-jährige Annerös Haug. Sie sang in vorderster Reihe mit - englisch, japanisch und schweizerdeutsch. «Ich brauche das und ich möchte noch ganz lange mitsingen», verriet sie. Und in Anspielung auf die Aufforderung der Dirigentin an den Chor, doch nicht nur zu singen, sondern dabei auch noch zu lächeln, meinte Annerös Haug schelmisch: «Ich habe beim Singen noch nie ‹einen Bambel› gemacht.»

«Wir waren recht nervös»

Über 60 Jahre jünger sind die beiden Freundinnen Rei Okuda und Silvana Ariano. Charmant und mit Humor führten sie durchs Programm. Zu jedem Lied hatten sie sich einen kurzen Text ausgedacht. «Wir waren recht nervös», lachten sie und erzählten, die Hauptprobe sei ziemlich katastrophal gewesen. «Aber es heisst ja, dass dann die Aufführung gelingt, und genau so ist es auch gewesen.»
Halsweh machte Gabi Kaufmann einen Strich durch die Rechnung. Für einmal sass sie im Publikum, statt selbst mitzusingen. Sie war voll des Lobes für ihre Chorkolleginnen: «Mitreissend haben sie gesungen, wunderbar.» Auch Ruth Dätwyler aus Oberengstringen gefiel das Konzert. Das japanische Lied war auch ihr Favorit. «So fein, so melodiös! Ich bin froh, dass ich gekommen bin.»