Die Angestellten der Stadt Dietikon erhalten die Jahreskarte für das Frei- und Hallenbad günstiger. Sie müssen unter anderem auch beim Bezug einer Identitätskarte weniger bezahlen, haben auf den Bestand der Stadtbibliothek mit einer Ermässigung Zugriff und können ihr Auto zu einem Vorzugspreis in den Tiefgaragen des Stadthauses und der Neumattstrasse parkieren.

Diese Vergünstigungen führen zu Mindereinnahmen und Mehrkosten. Der Stadtrat beziffert diese in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage von Andreas Wolf (Grüne) auf insgesamt 128'810 Franken im Jahr 2018. Im Jahr davor hatten die Vergünstigungen für die Dietiker Angestellten gemäss der stadträtlichen Aufstellung noch rund 91'000 Franken gekostet.

Allerdings relativiert der Stadtrat die Aussagekraft dieser Zahlen: «Der Einnahmenverlust kann nicht verbindlich berechnet werden.» So sei völlig offen, wie viele Mitarbeitende bei einem Wegfall der Vergünstigung die angebotene Leistung überhaupt noch nutzen würden.

Der Stadtrat verweist auf Angestellte, die nicht in Dietikon wohnen: Weil das Badi-Abo vergünstigt sei, würden diese es allenfalls dennoch kaufen, auch wenn sie das Fondli nur sporadisch besuchen würden. So hat die Stadt zwar nur reduzierte Einnahmen – aber bei einem Verzicht auf die Vergünstigung könnten diese ganz wegfallen.

Der markante Anstieg um über 37'000 Franken vom Jahr 2017 auf das Jahr 2018 ist insbesondere auf eine Neuerung zurückführen: Seit letztem Jahr werden vergünstigte Parkkarten an die Lehrpersonen abgegeben, damit diese ihren Wagen in der blauen Zone abstellen können. Dies hat bei der Stadt zu Mindereinnahmen von 29'000 Franken geführt, wie es in der Antwort weiter heisst.

Ein Parkplatz nur an Arbeitstagen

In den Gesamtkosten nicht einberechnet wurden hingegen jene Mindereinnahmen, die sich durch die Abgabe der vergünstigten Parkkarten für die Tiefgaragen des Stadthauses und der Neumattstrasse ergeben. Zwar erhielten die Angestellten eine Monatskarte für 50 Franken, was bei einem ortsüblichen Tarif von 120 Franken eine Reduktion um 70 Franken ergäbe, hält der Stadtrat fest.

Doch so einfach ist es nicht: Denn das Angebot für die Stadtangestellten lasse sich nicht mit der gewöhnlichen Miete eines privaten Parkplatzes vergleichen, schreibt der Stadtrat. Denn die Angestellten hätten nur während den Arbeitszeiten an Werktagen eine Garantie auf einen Abstellplatz. Am Abend und an den Wochenenden können die rund 70 ihnen zur Verfügung stehenden Plätze hingegen auch von Dritten benutzt werden. Die Mindereinnahmen beziehungsweise die hypothetischen Mehrerträge durch Fremdvermietung seien deshalb nicht bezifferbar, hält der Stadtrat fest.

Dass die Stadt ihren Angestellten ermöglicht, Parkplätze günstiger zu mieten, ist für Gemeinderat Andreas Wolf grundsätzlich «ein falsches Zeichen». Dietikon trage das Label Energiestadt Gold. Mit diesem sei doch nicht vereinbar, dass die Stadt den motorisierten Individualverkehr fördere.

Rabatte erhöhen Attraktivität

Ansonsten zeigt sich Wolf mit der Antwort des Stadtrates zufrieden: «Die Auflistung zeigt für mich, dass die Vergünstigungen mit Ausnahme der Parkplätze in die richtige Richtung gehen.» Mit seiner Anfrage war es ihm nicht darum gegangen, den Stadtangestellten diese kleine «Zückerchen» zu streichen: «Ich wollte wissen, ob sich unter den angebotenen Rabatten noch weitere befinden, die eigentlich gegen die Strategie der Stadt zielen.» Dem sei aber nicht so, bilanziert Wolf. Dass die Stadt unter anderem Reka-Checks, Veloabstellplätze und Kultur-Generalabonnements günstiger anbiete, sei zu begrüssen. «Dietikon muss ein attraktiver Arbeitgeber sein.»

Auch der Stadtrat schreibt in seiner Antwort, dass die Stadt deshalb Massnahmen ergreifen müsse: Denn sie stehe auf dem Personalmarkt in einem nicht ganz einfachen Umfeld. In diversen Bereichen herrsche einerseits Personalknappheit. Und andererseits wirke sich die Nähe zur Stadt Zürich «lohnpolitisch unvorteilhaft aus» – dies bedeutet, die nahe Grossstadt kann höhere Löhne zahlen. Die verschiedenen Vergünstigungen seien eine Möglichkeit, neue Angestellte anzuziehen oder bisherige zu behalten, schreibt der Stadtrat.

Bei rund 500 Dietiker Angestellten belaufen sich die Vergünstigungen pro Person und Jahr auf etwa 260 Franken. Dies erscheine als angemessen, hält der Stadtrat fest. Zumal private Unternehmen ähnliche Angebote zur Verfügung stellten. Der Stadtrat sieht deshalb kurzfristig keinen Handlungsbedarf.

Da sich die Stadt Dietikon gemäss stadträtlichem Legislaturprogramm als «attraktive Arbeitgeberin» positionieren soll, werden aber ohnehin zwei Arbeitsgruppen gebildet. Diese sollen die Lohnstrukturen und die aktuellen Gegebenheiten auf dem Arbeitsmarkt grundsätzlich analysieren. Dabei können auch die Vergünstigungen überprüft und gegebenenfalls angepasst werden, hält der Stadtrat fest.