Täglich erhalten Bäckereien, Confiserien, Restaurants, Spitäler und Heime in der Stadt Zürich ihr Lebensmittelsortiment von der Zentralschweizer Firma Pistor geliefert. Ab Dezember wird ein Teil dieser Lieferungen vom weltweit ersten elektrisch betriebenen Lastwagen ausgefahren, der insgesamt 40 Tonnen Gewicht ziehen kann. Lanciert hat dieses Fahrzeug die Nidwaldner Herstellerfirma E-Force One. Damit ist sie ihren Konkurrenten eine Nasenlänge voraus. Vergleichbare E-Lastwagen von Daimler und Tesla operieren derzeit noch im 26-Tonnen-Bereich.

Dass Pistor die hohen Investitionskosten für den bereits dritten Elektrolastkraftwagen in ihrer Flotte nicht scheut – mit knapp 600 000 Franken ist er rund doppelt so teuer wie ein vergleichbares Dieselfahrzeug – hat mehrere Gründe: Neben tieferen Wartungs- und Reparaturkosten verbraucht das Elektrofahrzeug laut Firmenangaben nur etwa ein Drittel der Energie eines Diesellastkraftwagens. «Ab einer Laufleistung von über 50 000 Kilometer pro Jahr ist der Betrieb des Elektrolastkraftwagens kostengünstiger», sagt Andrea Fischer, Sprecherin von Pistor. Hinzu komme, dass bei E-Fahrzeugen die schweizweite Schwerverkehrsabgabe LSVA entfalle. Die für den Lastwagen verwendeten Batterien reichen für 180 Kilometer auf Autobahnen oder 300 Kilometer im Stadtverkehr.

Geeignet für die Stadt

Laut Reto Leutenegger, Verkaufsleiter bei E-Force One, würden die meisten ihrer Kunden die Fahrzeuge mit Strom aus erneuerbaren Energien speisen: «Pistor tankt mit Strom aus Wasserkraft und Coop setzt dafür Strom aus den eigenen Photovoltaik-Anlagen ein.» Dass E-Lastwagen gezielt für Lieferungen im städtischen Gebiet eingesetzt werden, ist kein Zufall. «Je mehr Stop-and-go-Verkehr, desto besser ist das für die Elektromobilität», sagt Leutenegger. Dies, weil das Fahrzeug durch jeden Stopp Energie zurückgewinne. Zudem fährt der elektrische Lastwagen schaltfrei und habe damit ein höheres Drehmoment, was eine dynamische Beschleunigung ermögliche.

Mit der Auslieferung des E-Lastwagens an Pistor bringt E-Force One im Dezember den ersten 40-Tonnen-Lastwagen auf die Strasse. Laut Leutenegger konnten mit den bisher verkauften kleineren Fahrzeugen rund 1,1 Millionen Kilometer zurückgelegt, die C02-Emissionen um 800 Tonnen und der Stickstoffausstoss um 120 Kilogramm reduziert werden.

Die Hürden sind noch hoch

«Der Einsatz von E-Lastwagen bewegt sich in der Schweiz noch im Promillebereich», so Leutenegger. Als Gründe für die noch tiefe Verbreitung der E-Mobilität im hohen Lastenbereich nennt der Verkaufsleiter die hohen Anfangskosten und die eingeschränkte Reichweite der E-Fahrzeuge. Dies erfordere eine detaillierte Routenplanung der Lieferungen. «Für grössere Kunden ist das kein Problem, für kleinere Firmen dagegen schon», sagt Leutenegger. Hinzu komme, dass nach rund 300 Kilometern im Stadtgebiet die Batterie erstmals für sechs bis acht Stunden ans Netz muss, bevor das Fahrzeug wieder einsatzbereit sei.

Auch bei Firmen wie Coop und Migros sind erst wenige E-Lastwagen im Einsatz. Die wohl grösste Hürde sehen die Kunden bei den Ersatzteilen. «Wir können für Ersatzteile noch keine vergleichbaren Angebote machen wie herkömmliche Hersteller», so Leutenegger. Die Ersatzteilgarantie sei gerade bei Flottenbestellungen ein wichtiger Punkt, sich vorerst noch gegen die Elektromobilität zu entscheiden, bei einzelnen Fahrzeugen sei nach wie vor der hohe Kaufpreis der Hauptgrund.