2006 lag das Schicksal in den Händen des damaligen Aescher Gemeindepräsidenten Jakob Hofstetter (SVP). Er musste auslosen, ob Roland Helfenberger (SVP) oder Ruth Hofstetter-Kümmerli (parteilos) in den Gemeinderat einzieht. Denn beide hatten exakt gleich viele Stimmen – so wie jetzt Harry Landis und André Wymann in Weiningen. Wegen des Losentscheids geriet Aesch plötzlich ins nationale Rampenlicht. Rund 60 Menschen verfolgten die Ziehung im Brunnehofsäli. Helfenberger gewann die Ziehung. Er musste in Dutzende Tonbandgeräte, Mikrofone und Kameras sprechen. Ein «Gstürm» nannte er das. Danach war er froh, hatte er es überstanden.

Zwölf Jahre später erinnert er sich: «Das ist lange her. Aber ja, das war eine spezielle Situation. Man konnte ja nichts beeinflussen.» Seit er Losglück hatte, sitzt Helfenberger im Gemeinderat. Am Sonntag wurde der Förster mit dem besten Resultat wiedergewählt. Kaum zu glauben, dass sein Einzug in den Gemeinderat einmal an einer Losziehung hing.

«Es ist immer schwierig zu sagen, was gewesen wäre, wenn das Ganze einen anderen Verlauf genommen hätte», sagt Helfenberger auf die Frage, was ein anderes Ergebnis der Auslosung an seinem heutigen Leben verändert hätte. Er wäre aber nicht so betrübt gewesen, wenn es ihm nicht in den Gemeinderat gereicht hätte, sagt er. Tipps an die beiden Weininger Kandidaten, wie man die Auslosung gewinnen kann, habe er keine: «Das ist reines Glück. Wie Lotto. Auf jeden Fall wünsche ich dem Gewinner viel Erfolg bei seiner Behördentätigkeit.»

Achtungserfolg für Aescherin

Losentscheide sind so selten, dass Aesch zuerst davon ausging, ein zweiter Wahlgang sei durchzuführen. Noch am Wahlsonntag setzte die Gemeinde den Termin dafür fest. Einen Tag später war klar, dass ein Losentscheid Pflicht ist. Ausser 2006 in Aesch kam das Los 1982 und 1990 in Knonau und 2014 in Egg im Zürcher Oberland zum Zug.

Die Losentscheide 2006 passten der Aescherin Margrith Obrist nicht. So reichte sie beim Kantonsrat umgehend eine Einzelinitiative ein. Darin forderte sie, dass bei Gleichstand ein zweiter Wahlgang angesetzt wird, damit nicht das Glück entscheidet, sondern der direkte Wille des Volkes. Obrist scheiterte im Herbst 2006 zwar mit der Initiative, erzielte aber einen Achtungserfolg. Eine Einzelinitiative braucht 60 von 180 Stimmen im Kantonsrat, damit sie vorläufig unterstützt und dem Regierungsrat vorgelegt wird. Für Obrists Initiative stimmten 54 Parlamentarier. EVP und SP wollten das Anliegen genauer prüfen, CVP, FDP und SVP waren dagegen. Initiantin Obrist trug das Nein mit Fassung. «Das ist eben Demokratie», sagte sie.

Auch Ruth Hofstetter-Kümmerli ging ihren Weg: 2009 kam sie in stiller Wahl in die Sekundarschulpflege Birmensdorf-Aesch. Diesen Sommer verlässt sie das Gremium als Präsidentin.