Limmattal

Weihnachten beschert dem Detailhandel Überstunden und Stress

Der kleine Dietiker Spielzeugladen «Spiel und Hobby» muss vor Weihnachten Aushilfspersonal beschäftigen, das gestern Nachmittag alle Hände voll zu tun hatte. Bettina Hamilton-Irvine

Der kleine Dietiker Spielzeugladen «Spiel und Hobby» muss vor Weihnachten Aushilfspersonal beschäftigen, das gestern Nachmittag alle Hände voll zu tun hatte. Bettina Hamilton-Irvine

Weihnachten ist eine intensive Zeit im Detailhandel – egal,ob für das grossen Einkaufszentrum oder den kleinen Dorfladen. Man könnte meinen, die Mehrbelastung diese Zeit berge die grössten arbeitsrechtlichen Konfliktpotenziale. Doch dem sei nicht so.

Es wird fleissig konsumiert. Das diesjährige Weihnachtsgeschäft läuft gut. Gemäss jüngsten Medienberichten geben Herr und Frau Schweizer dieses Jahr wieder viel Geld für Weihnachtsgeschenke aus. Die Arbeitgeber freuen sich über den grossen Dezemberumsatz, der meistens weit über dem normalen Monatsschnitt liegt. Für die Arbeitnehmenden in den Geschäften bedeutet die Weihnachtszeit aber oftmals Überstunden, Sonntagsarbeit und Hektik.

Auch in den kleinen, familiären Geschäften herrscht im Weihnachtsmonat Dezember Ausnahmezustand. «Die ganze Familie hilft beim Sonntagsverkauf mit», sagt Yvonne Good-Fluor, Tochter der Geschäftsführerin des Spielwarengeschäfts «Spiel und Hobby» in Dietikon.

Momentan sei die Mutter krankheitshalber ausgefallen. «Dank dem grossen Einsatz der Mitarbeitenden können wir das Geschäft aber jeden Tag pünktlich öffnen», sagt Good-Fluor, die zu Besuch im Laden ist. Trotz der grösseren Kundenfrequenz und der vielen Arbeit kämen die Angestellten zu ihrer Freizeit, betont die Tochter der Geschäftsführerin: «Uns ist es wichtig, dass die Mitarbeitenden sich auch erholen können.» Dies sei unter anderem dank den gemässigten Öffnungszeiten gut möglich.

Viele Einsätze im Advent

In anderen Bereichen im Detailhandel sind die Öffnungszeiten weniger moderat. In der Lebensmittelbranche sind viele Läden bis spätabends geöffnet. So zum Beispiel die Filiale Coop Silbern in Dietikon, dessen Türen von Montag bis Samstag bis 21 Uhr offen stehen. Zudem kommen für einige der rund 120 Angestellten in der Filiale Sonntagseinsätze dazu. Diese Öffnungszeiten können nur im Schichtbetrieb bewältigt werden. Zudem werde die Personalplanung der Kundenfrequenz angepasst, wie Coop auf Anfrage mitteilt. Im Klartext bedeutet dies, dass die Mitarbeiter in der Weihnachtszeit mit vielen Einsätzen rechnen müssen.

Man könnte meinen, die Mehrbelastung in der Weihnachtszeit berge die grössten arbeitsrechtlichen Konfliktpotenziale. Doch dem sei nicht so. Zumindest gebe es nicht mehr Konflikte, als sonst im Jahr, sagt Natalie Imboden, Branchenverantwortliche Detailhandel bei der Gewerkschaft Unia: «Das Weihnachtsgeschäft ist sehr streng, aber wir erhalten das ganze Jahr Meldungen.»

Die Mitarbeitenden im Verkauf seien sich bewusst, dass Weihnachten eine spezielle Zeit sei, und würden sich dementsprechend darauf einstellen, erklärt Imboden. Wenn es um die weitere Liberalisierung der Öffnungszeiten gehe, reagiere aber die grosse Mehrheit der Arbeitnehmenden ablehnend. «Die Rückmeldung, die wir bei unseren Umfragen erhalten, sind deutlich», betont Imboden. «Die Botschaft ist: Nicht noch länger, nicht noch mehr – es ist genug!»

Gutes Geschäft bereitet Freude

Kleine Läden freuen sich aber meist über das Weihnachtsgeschäft und nehmen den damit verbundenen Mehraufwand gerne in Kauf. Beispielsweise die Vinothek Barili in Schlieren. Sonja Wirth betreut das Wein- und Delikatessengeschäft alleine und nimmt dort jeden Tag Bestellungen von zahlreichen Kunden und Firmen entgegen. Momentan macht Wirth viele Überstunden. «Die Weihnachtszeit ist im Verkauf einfach hektisch, das ist normal und es ist ja auch schön, wenn das Geschäft so gut läuft», betont Wirth, die zurzeit öfters nicht zum Mittagessen komme. Aber das sei nicht schlimm, wie die Geschäftsführerin sagt: «An Weihnachten kommt man ja noch genug zum Schlemmen.»

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