Grün Stadt Zürich und die Naturschützer des Vereins Pro Üetliberg haben unterschiedliche Auffassungen davon, wie ein gesunder Wald auszusehen hat. Nachdem im vergangenen Winter der Verein bereits – erfolglos – eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Fällung von rund 2100 Bäumen eingereicht hatte, verleiht er seinem Anliegen nun noch mehr Nachdruck. So reichte Pro Üetliberg kürzlich eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Baudirektion des Kantons Zürich ein. Pro-Üetliberg-Sprecher Paul Hertig sagt auf Anfrage, dass man mit diesem Schritt ein Moratorium fordere und den Umgang mit dem Wald grundlegend klären wolle. «Im vergangenen Winter bekämpften wir den Holzschlag im Gebiet um den Denzlerweg. Nun wehren wir uns aber gegen weitere mögliche massive Holzschläge in den kommenden Wintern.» So stehe der vollzogene Holzschlag in Widerspruch zu den Schutzzielen des Üetlibergs, heisst es in der Beschwerde. «So verlangt etwa der eidgenössische Landschaftsschutz die ungeschmälerte, naturnahe Erhaltung des Gebiets», schreibt der Verein weiter. Solche Eingriffe wie im vergangenen Winter seien damit zu unterlassen.

Bereits im vergangenen Oktober, als die Aufsichtsbeschwerde gegen den Holzschlag einging, argumentierte der damalige Vorsteher der Baudirektion, Markus Kägi (SVP), damit, dass dieses Vorgehen sehr wohl mit den Schutzzielen einhergehe. Denn das Ziel sei es, lichte Waldbestände zu erhalten, hiess es damals. Die Eingriffe seien notwendig, um die in der Schutzverordnung festgelegten Lebensräume zu ermöglichen.

Laut Hertig sei ein derart starker Eingriff jedoch nicht notwendig. «Man hätte einzelne Bäume herausnehmen können, um so genug Sonnenlicht auf den Waldboden zu bringen.» Erhoffen sich die Naturschützer eine andere Antwort als letztes Jahr? Möglicherweise weil das Baudepartement seit der letzten Konstituierung des Regierungsrates mit Martin Neukom in grünen Händen ist? Mit dem jungen Regierungsrat habe man im Vorfeld keinen Kontakt gehabt, sagt Hertig. «Wir erhoffen uns aber, dass sich Herr Neukom diesen Fragen unvoreingenommen stellen kann», sagt er weiter.

Rossweidliegg ist auch Thema

Die Forderung nach einem Moratorium für Holzschläge am Üetliberg ist jedoch nur ein Teil der Aufsichtsbeschwerde. Zweitens soll der Streit um die Rossweidliegg, der nun seit 20 Jahren andauert, ein Ende finden. Ein Teil dieses Gebiets oberhalb des Stadtquartiers Friesenberg wurde vor 20 Jahren ohne Bewilligung gerodet, wie die Naturschützer schreiben. «Um ein Wiederaufkommen des Waldes zu verhindern, wird die Wiese jährlich widerrechtlich aufwendig gemäht», schreibt Pro Üetliberg in der Beschwerde. Das Grundstück werde jedoch weiterhin als Wald aufgeführt. «Seit mehreren Jahren und mit verschiedenen Stellen von Stadt und Kanton Zürich versuchten wir, eine Lösung zu finden», sagt Hertig. Die Stadt müsste das mehrere Hektaren grosse gerodete Gebiet lediglich nicht mehr mähen und es entstünde wieder ein Wald. «Die Stadt stellt sich aber auf den Standpunkt, dass auf der Feuchtwiese eine grosse Artenvielfalt entstanden sei, die es zu schützen gelte», so Hertig weiter. Aber auch der Wald weise seine grosse Artenvielfalt auf. Sein Verein setze sich schon lange für eine grösstmögliche Artenvielfalt auf dem Zürcher Hausberg ein, erklärt Hertig.

Aussicht kostet nun 5 Franken

Der Üetliberg ist derzeit nicht nur wegen den möglichen Rodungen ein Gesprächsthema. Die Betreiber des Uto Kulm erhöhten den Eintrittspreis zum Aussichtsturm von zwei auf fünf Franken. Uto-Kulm-Sprecher Benjamin Styger sagt gegenüber TeleZüri, dass man die Kosten des Turmes decken müsse, zumal man ihn zwar der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen müsse, ihn aber nicht Beleuchten dürfe. Von den fünf Franken Eintritt können zwei Franken als Konsumationsgutschein im Restaurant genutzt werden. Gegenüber dem Fernsehsender sagt Pro-Üetliberg-Präsidentin Margrith Gysel, dass der Schuss auch nach hinten losgehen könne und nun viel weniger Menschen den Turm besteigen werden.