Dietikon

Wegen erneuter Abfuhr der Stadt: Denkmalpflege soll Minigolfanlage Mühlematt retten

Vielleicht die letzte Saison in der Minigolfanlage Mühlematt in Dietikon. Der Park soll im Herbst schliessen. Minigolfer setzen nun alle Hoffnung auf den Entscheid der kantonalen Denkmalpflege.

Vielleicht die letzte Saison in der Minigolfanlage Mühlematt in Dietikon. Der Park soll im Herbst schliessen. Minigolfer setzen nun alle Hoffnung auf den Entscheid der kantonalen Denkmalpflege.

Der Dietiker Stadtrat macht in seiner Antwort auf das Postulat von EVP-Gemeinderätin Manuela Ehmann klar, dass er die Minigolfanlage nicht kaufen will, um sie zu erhalten. Nun setzen Ehmann und die IG auf die kantonale Denkmalpflege und hoffen, dass sie die Anlage schützen wird.

In der Dietiker Minigolfanlage Mühlematt rollen die Bälle seit einer Woche wieder. Mit der Corona-Lockerung ist das Einlochen wieder möglich. Doch die Freude der Minigolfer könnte von kurzer Dauer sein. Der über die Stadtgrenzen hinaus beliebte Park soll nach Saisonschluss im Herbst für immer geschlossen bleiben. Der Betreiber der Anlage, Walter Wiederkehr, und die Grundeigentümerin haben sich geeinigt, den bis 2027 geltenden Baurechtsvertrag aufzulösen. Dies, weil die Besitzerin des 4724 Quadratmeter grossen Landstücks ob dem Marmoriweiher, die Primobilia AG aus Wallisellen, die Anlage abreissen und dort ein Mehrfamilienhaus mit neun Wohnungen bauen will (die «Limmattaler Zeitung» berichtete).

Der Stadtrat führte Gespräche mit der Primobilia AG bezüglich eines Landkaufs, um den Fortbestand der Minigolfanlage zu ermöglichen. Er kam aber zum Schluss, dass er aufgrund der Höhe des Kaufpreises und des politischen Prozesses mit einer Volksabstimmung auf den Erwerb des Grundstücks verzichten wird. Dieser Meinung ist er nach wie vor, wie aus seiner Antwort auf das Postulat von EVP-Gemeinderätin Manuela Ehmann hervorgeht. In ihrem Postulat, das von 15 Dietiker Parlamentariern mitunterzeichnet wurde, bat sie den Stadtrat im Oktober 2019 darum, die Verkaufsgespräche nochmals aufzunehmen und über einen Kauf des Grundstücks und den Erhalt der Minigolfanlage zu verhandeln.

Stadtrat sieht sich als Vermittler der verschiedenen Parteien

Damit reagierte Ehmann auf die Nachricht der kantonalen Denkmalpflege im Herbst 2019, die damals bekannt gab, dass sie die Minigolfanlage Mühlematt als Schutzobjekt in ihr Inventar aufgenommen hat. Dieser Lichtblick führte auch dazu, dass sich die Interessengemeinschaft (IG) Minigolf bildete, die zur Rettung der Anlage dem Stadtrat im Dezember 2019 eine Petition mit 2471 Unterschriften überreichte. Diesem Bestreben aus Politik und Bevölkerung trägt der Stadtrat Rechnung. Er möchte eine Vermittlerrolle einnehmen, wie die Antwort auf Ehmanns Postulat zeigt. «Der Stadtrat sieht den Betrieb einer Minigolfanlage denn auch nicht als städtische Kernaufgabe, wird aber weiterhin eine aktive Rolle als Vermittler zwischen den Parteien einnehmen, damit eine Lösung für den Weiterbetrieb der Minigolfanlage durch Private gefunden werden kann», schreibt er.

Zu diesem Zweck habe der Stadtrat gemeinsam mit der Eigentümerin und dem Kanton am 27. Mai an einem runden Tisch eine erste Auslegeordnung vorgenommen und die verschiedenen Interessen und Lösungsoptionen dargelegt, um im Idealfall eine Lösung für alle Parteien zu finden. Der Kanton habe signalisiert, dass er weitere Gespräche suchen und führen möchte, sowohl mit der Eigentümerin und der Stadt, als auch mit potenziellen Betreibern.

Derzeit warten alle Parteien auf den Entscheid der kantonalen Denkmalpflege. Diese trifft aktuell Abklärungen, um eine definitive Unterschutzstellung oder die Entlassung der Minigolfanlage aus dem Inventar zu beschliessen. Laut Stadtratsantwort ist im Frühjahr 2021 mit einem Beschluss zu rechnen.

Ein Trägerverein will nach künftigen Betreibern suchen

Gemeinderätin Manuela Ehmann hätte sich mehr vom Stadtrat erhofft. «Ich hätte mir eine konkretere Antwort gewünscht und erwartet, dass sich der Stadtrat und die Grundeigentümerin auf einen Kaufpreis einigen können», sagt sie. Klar sei dieser Wunsch nicht ganz realistisch, weil diverse Akteure involviert seien und die Angelegenheit dadurch kompliziert sei. Ehmann wartet nun auf den Beschluss der Denkmalpflege. Nichtsdestotrotz wolle die IG Minigolf, zu deren Mitglied auch Ehmann zählt, in der Zwischenzeit nicht untätig sein. «Wir wollen einen Trägerverein gründen, über den wir bei einem positiven Entscheid einen Betreiber für den Minigolfpark suchen werden.» Jeder, der Interesse daran habe, die Anlage zu führen, solle sich bei der IG melden. «Es wäre lässig, wenn sich jemand dazu bereit erklären würde.» Ihr liege sehr am Herzen, dass die Anlage weiter bestehe, sagt Ehmann. «Die vielen Unterschriften der Petition auch von Nicht-Dietikern, zeigen, dass der Minigolfpark nicht nur für die Stadt, sondern für das ganze Limmattal ein geschätztes Ausflugsziel ist.»

Autor

Sibylle Egloff

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