Pandemie

Wegen Coronavirus: Asylzentrums-Betreiberin kritisiert Freiwilligen-Aktionen

Die Asylzentrums-Betreiberin ORS kritisiert Freiwillige, die Asylsuchende mit Desinfektionsmittel und Informationen versorgen. Dadurch gebe es nur Unruhe. (Symbolbild)

Die Asylzentrums-Betreiberin ORS kritisiert Freiwillige, die Asylsuchende mit Desinfektionsmittel und Informationen versorgen. Dadurch gebe es nur Unruhe. (Symbolbild)

Freiwillige verteilen derzeit vor Zürcher Asylunterkünften Desinfektionsmittel, Seife und Informationsmaterial. Die Asylzentrums-Betreiberin ORS kritisiert diese Aktionen. Sie seien zwar gut gemeint, würden aber nur zu Spannungen führen.

Die Asylzentrums-Betreiberin ORS attestiert den Freiwilligenorganisationen zwar, sie hätten anfangs zu Recht angeprangert, dass die Verhältnisse in den Zentren schwierig seien. Desinfektionsmittel sei aber überall Mangelware gewesen.

«Mittlerweile hat es genügend», versicherte ORS-Sprecher Lutz Hahn auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Donnerstag. Das mit ORS nicht abgesprochene Verteilen von Desinfektionsmittel, Seife oder Informationsmaterial sei nicht notwendig.

Nach Ansicht von ORS ist es sogar kontraproduktiv: Die Bewohnerinnen und Bewohner würden durch diese Aktionen nur verunsichert. Die Situation sei angespannt. Die Wut entlade sich dann am Personal, das ohnehin schon unter schwersten Bedingungen arbeiten müsse. «Unruhe ist aber das Letzte, was wir jetzt brauchen können.»

Unterkünfte ohne Seife

Den Vorwurf, die Asylsuchenden nur zu verunsichern, wollen die Freiwilligenorganisationen nicht auf sich sitzen lassen. Die Unsicherheit sei schon da gewesen, bevor die Freiwilligen überhaupt ins Spiel gekommen seien, sagte Annina Largo vom Flüchtlings-Sportprojekt Sportegration auf Anfrage von Keystone-SDA.

Sie rede im Namen von mehreren Freiwilligen-Organisationen, welche die aktuelle Situation in den Asyl- und Notunterkünften verbessern wollen. Zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner hätten sich an sie gewandt, weil es in einzelnen Unterkünften nicht mal Seife gegeben habe. «Die Leute waren verängstigt, es gab keine Informationen.»

Es gehe nicht darum, das Personal in den Zentren anzugreifen. Niemand wolle momentan mit diesen Mitarbeitenden tauschen, sagte Largo weiter. «Ich glaube gern, dass sie ihr Bestes geben.»

Die von den Engpässen benachrichtigte ORS-Leitung habe es aber verpasst, rechtzeitig Schutzmassnahmen zu ergreifen. Und jetzt würden die Freiwilligen angegriffen, die in die Bresche gesprungen seien. Largo ging auf eigene Rechnung Seife und Desinfektionsmittel kaufen. Diese Ausgaben stellt sie nun ORS in Rechnung.

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