Schlieren
Wegen Corona: Die Stadt kämpft mit zunehmendem Vandalismus

Insbesondere rund um das Schulareal Reitmen in Schlieren häufen sich Vandalenakte und Lärmstörungen. FDP-Gemeinderat John Daniels zweifelt an den getroffenen Massnahmen der Stadt.

Sibylle Egloff
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Ums Schulhausareal Reitmen kommt es seit dem Lockdown vermehrt zu Lärmstörungen und Beschädigungen.

Ums Schulhausareal Reitmen kommt es seit dem Lockdown vermehrt zu Lärmstörungen und Beschädigungen.

Chris Iseli

Das Ausmass der Ruhestörungen und Sachbeschädigungen rund um das Schulhausareal Reitmen hat seit dem Ausbruch der Coronapandemie zugenommen. Das schreibt der Schlieremer Stadtrat in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage von FDP-Gemeinderat John Daniels. Der Parlamentarier thematisierte darin den Lärm und die Vandalenakte an Wochenenden und Abenden auf den Flächen rund um das Schulhaus sowie in der ganzen Stadt. «Dies geht auf Kosten des Steuerzahlers und ist nicht tolerierbar. Irgendwie muss Ruhe und Respekt vor dem Eigentum von anderen einkehren», schrieb er.

Daniels erkundigte sich beim Stadtrat, was dagegen unternommen werde. Zudem wollte er wissen, ob die betroffenen Areale während den Ferien, an Wochenenden und Feiertagen nach einer einmaligen ausgesprochenen Warnung nicht abgeriegelt werden könnten. Er fragte überdies, ob mit einer temporären, nicht angemeldeten Videoüberwachung das Problem angegangen werden könnte.

Es gilt ein Verbot für portable Lautsprecher

Der Stadtrat macht in seiner Antwort nun deutlich, dass er und die zuständigen Verwaltungsabteilungen bereits einiges dagegen unternehmen. So seien etwa Informationstafeln zur Einhaltung der Nachtruhe angepasst sowie ein Verbot von portablen Lautsprechern ausgesprochen worden, schreibt er. Seit mehreren Jahren beauftrage die Stadt eine private Sicherheitsfirma, die vor allem mit Nachtpatrouillen Aufgaben der Prävention und Intervention auf allen Schulanlagen wahrnehme.

Viele Gemeinden setzen auf Kameras

Überwachung Auch in anderen Gemeinden im Limmattal kämpft man gegen Beschädigungen und Ruhestörungen. In Bergdietikon kam es etwa im Juli zu einem Vandalenakt im Aussenbereich des Jugendtreffs, der zu einem Sachschaden von 1600 Franken führte. Ein einbetonierter Abfallkübel wurde ausgerissen und umgeworfen. Zudem wurden mehrere Sessel und Tische der Lounge zerschnitten. Der Gemeinderat hat darauf eine Strafanzeige gegen die unbekannte Täterschaft erstattet.

Auch in Weiningen treiben Vandalen ihr Unwesen. Um Schmierereien, Lärm und Littering Einhalt zu gebieten, soll das Schulhaus Schlüechti künftig mit Videokameras überwacht werden. An der Gemeindeversammlung am 15. September werden die Stimmberechtigten deshalb über den Erlass eines Reglements zur Videoüberwachung von öffentlichen Orten und Räumen befinden.

Einen Schritt weiter ist man in Urdorf. Die Gemeinde setzt neben Polizeipatrouillen und einem privaten Sicherheitsdienst bereits auf Videoüberwachung. Dies, weil Vandalismus und Ruhestörungen vor allem im Zentrum Spitzacker und auf den Sportplätzen seit längerer Zeit ein Problem darstellen und sich während des Corona-Lockdowns noch verschärften. Die Gemeinde will mit den Kameras die Vandalen abschrecken und erhofft sich zudem, Personen damit identifizieren zu können.

In Birmensdorf verspricht man sich durch Videokameras ebenso Linderung. Die Stimmberechtigten der Sekundarschulgemeinde Birmensdorf/Aesch und der Primarschulgemeinde Birmensdorf sprachen sich im Dezember 2019 an der Gemeindeversammlung für ein Reglement zur Videoüberwachung aus. Dies nachdem es in Birmensdorf vermehrt zu Sachbeschädigungen durch Jugendliche gekommen war, die sich vorwiegend nachts auf Sportplätzen und Schulhöfen versammelten.

Die Nachbargemeinde Uitikon setzt seit dem 1. März 2020 auf Videoüberwachung. Dies aber nicht aufgrund von Sachbeschädigungen, sondern um die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler der Schulanlage Schwerzgrueb zu gewährleisten. Dort war es wiederholt zu potenziell gefährlichen Manipulationen an abgestellten Velos von Schülerinnen und Schülern gekommen. Zwecks Prävention und Verhinderung von strafbaren Handlungen hat die Schulpflege am 20. Januar 2020 ein Reglement zur Überwachung der Schulanlagen erlassen.

Im ersten halben Jahr 2020 und während der Sommerferien habe die Sicherheitsfirma ihre Arbeit intensiviert. Während des Lockdowns seien regelmässig auch Jugendarbeitende vor Ort gewesen, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und Verhaltensänderungen herbeizuführen, schreibt der Stadtrat weiter. Dies sei aber nur möglich gewesen, weil der Jugendtreff Kube in dieser Zeit zu gewesen sei. Die Ressourcen würden während des Normalbetriebs nicht für solche Aufgaben zur Verfügung stehen. Daher prüfe man nun, ob eine Art von aufsuchender Jugendarbeit in eingerichtet werden könnte.

Abriegeln will die Stadt das Gebiet nicht

Das Schulareal Reitmen zu bestimmten Zeiten abriegeln, wie Daniels vorschlug, will der Stadtrat nicht. «Das Areal liegt im Gestaltungsplangebiet Schlieren West und wurde als Begegnungsort für die Öffentlichkeit konzipiert. Eine Abriegelung ist deshalb weder möglich noch wünschenswert», lautet die Begründung.

Nichtsdestotrotz gelte es, die Spielregeln bezüglich Lärm, Abfall und der Nachtruhezeit einzuhalten. «Dass dies nicht immer gleich gut gelingt und viel Zeit benötigt, ist den bei der Stadt involvierten Abteilungen bewusst.» Man sei überzeugt, dass sich die Situation einerseits nach dem Lockdown und dessen Nachwehen beruhige und andererseits die zusätzlichen Massnahmen greifen würden. Temporäre, nicht angemeldete Videoüberwachungen seien in der Schweiz nicht erlaubt.

Daniels ist mit der Antwort des Stadtrats mässig zufrieden: «Er zeigt zwar auf, dass er bereits vieles dagegen unternimmt. Doch ich bezweifle, dass dies reichen wird.» Man müsse nun abwarten, sagt Daniels. «Ich hoffe, dass der Stadtrat recht behält. Wenn sich die Sache jedoch nicht beruhigt, muss unbedingt stärker eingegriffen werden.»