Wer kürzlich die Kaserne Reppischtal in Birmensdorf umrundete, dem dürften sie bereits aufgefallen sein: Die Stahlskelette, die unter milchigen Plastikhüllen hervorblitzen. Sie stehen neuerdings an den Wegen rund um den Waffenplatz. Bei den Stahlskeletten handelt es sich um Fitnessgeräte, die einen Parcours bilden. Dieser ist ein Geschenk an die Bevölkerung von Birmensdorf und soll am 26. Mai eingeweiht werden. Dann nämlich feiert der Frauenverein Birmensdorf sein 130-jähriges Bestehen.

«Der Frauenverein wird gelegentlich bei Todesfällen mit einer Spende bedacht», sagt die Präsidentin Andrea Streif. Vor mehreren Jahren sei dem Verein ein grösserer Betrag vermacht worden. «Wir haben entschieden, dieses Geld nicht für den normalen Jahresablauf aufzuwenden», so Streif. Die Spende wurde aufbewahrt.

Idee kam beim Waffenplatz gut an

Durch Zufall stiess dann eine Vorstandskollegin auf einen Fitnessgarten in Uster, der offenbar vom dortigen Frauenverein gesponsert worden war. «Im fünfköpfigen Vorstand waren wir uns schnell einig, dass wir der Birmensdorfer Bevölkerung zu unserem 130. Geburtstag auch einen Fitnessgeräte-Parcours schenken möchten» sagt Streif. Das Konzept wurde der Generalversammlung vorgelegt, an der jeweils einige der insgesamt 375 Vereinsmitglieder teilnehmen. Bis auf Bedenken wegen Vandalismus sei das Projekt sehr gut angekommen. Die Generalversammlung vom März 2017 genehmigte den Antrag.

«Mit dem Entwurf in der Tasche gingen wir dann auf die Gemeinde zu», sagt Streif. Der Entscheid sei schnell auf das Gelände rund um die Kaserne gefallen, weil es flach sei und man ungestört im Grünen verweilen könne. «Zudem hat es einen bezaubernden Weiher an der Reppisch» sagt sie. Allerdings gehört das Grundstück dem kantonalen Waffenplatz. Also sei man mit den Verantwortlichen in Verhandlung getreten. «Glücklicherweise ist die Idee beim Waffenplatz sehr positiv aufgenommen worden», sagt sie. Bald war der Vertrag unter Dach und Fach.

Gemeindewerk war im Einsatz

Im März fuhren dann die Bagger des Werkdienstes der Gemeinde auf und hoben die Gräben für das Betonfundament aus. An vier Standorten wurden insgesamt sechs Fitnessgeräte eingesetzt. Sie wurden zu gleichen Teilen auf die Wege unterhalb und oberhalb der Kaserne verteilt . «Der Werkdienst war ohnehin gerade damit beschäftigt, den Reppischweg auszubauen. Sie hatten noch freie Zeit, in der sie grosszügigerweise die Fundamente legten», so Streif. Reppischweg – so nennt der Frauenverein den Weg an der Reppisch, um ihn vom anderen Weg, jenem zwischen Kaserne und Urdorferstrasse, abzugrenzen, der auf den Namen «Kasernenweg» getauft wurde.

Dem Frauenverein war es ein Anliegen, mit dem Parcours ein ganzheitliches Körpertraining unter die Jogger und Spaziergänger bringen zu können, so Streif. Man findet denn auch verschiedenste Übungen im Parcours vor. Vom Schulter- oder Rückenbereich über die Arme und Beine bis zum Ganzkörperbereich kann einiges trainiert werden. «Alle, ob Jung oder Alt, Zivilist oder Rekrut, sind herzlich eingeladen, die Fitnessgeräte zu beanspruchen», sagt sie. Auch an die Rollstuhlfahrer wurde gedacht. Auf sie wartet am Reppischweg ebenfalls eine Übung. Fitnessfreunde und Wundernasen können die Geräte immerzu ausprobieren, auch im Winter oder bei Mondschein. Es wird aber jede Haftung abgelehnt.

Neue Aufgaben gefunden

«Für den Frauenverein ist der Parcours eine Gelegenheit, sich in Erinnerung zu rufen», sagt Streif. Denn die Zeiten des Kaffeetrinkens und Strickens sind beim Frauenverein längst vorbei. «Vor vielen Jahren betrieben wir einen Mittagstisch für Schüler», sagt sie. Heute sieht das Zürcher Volksschulgesetz familienergänzende Betreuung in den Schulen vor. Viele Schulen betreiben einen eigenen Mittagstisch. Der Frauenverein suchte deshalb nach neuen Aufgaben und fand diese. So organisiert er heute eine Spiel- und Kleiderbörse im Frühling und Herbst, einen monatlich stattfindenden Spiel-, Jass- und Vorlesenachmittag im Alterszentrum am Bach oder einen Mittagstisch für Kinder und Erwachsene.

Wenn also am 26. Mai die Fitnessgeräte enthüllt werden, wird damit auch das soziale Engagement einer 130-jährigen Institution gefeiert. Der offizielle Festakt beginnt mit der Übergabe der Geräte. Danach sorgen die Harmonie Birmensdorf und eine karibische Steel Band für gute Stimmung. Im Festzelt vor der Kaserne erwartet die Besucher zudem ein breites kulinarisches Angebot.