Dietikon
Website auf Englisch? - "Das stört uns ganz gewaltig"

FDP-Gemeinderat Philipp Müller forderte, die Website der Stadt Dietikon solle auf Englisch übersetzt werden. Doch damit biss er im Parlament am Donnerstagabend auf Granit.

Bettina Hamilton-Irvine
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Soll Dietikon mit einer englischsprachigen Website bewusst um Expats buhlen? Nein, findet das Parlament.

Soll Dietikon mit einer englischsprachigen Website bewusst um Expats buhlen? Nein, findet das Parlament.

Limmattaler Zeitung

Die Dietiker Website sei keine gute Visitenkarte für die Stadt, sagte Gemeinderat Philipp Müller (FDP) am Donnerstagabend in der Sitzung des Parlaments Dietikon. Dietikon müsse sich weltoffen positionieren und die Website daher auch auf Englisch anbieten, wenn sie sich keinen Wettbewerbsnachteil einhandeln wolle. „Es geht darum, die Informationen auch einem internationalen Publikum zugänglich zu machen.“

"Einige sind etwas gleicher"

Eigentlich habe er auf Englisch antworten wollen, sagte Stadtpräsident Otto Müller (FDP), der erklärte, wieso der Stadtrat das Postulat nicht entgegennehmen wollte. Zwar räumte er ein: „Unsere Website hat ein wenig Staub angesetzt.“ Man werde sich demnächst um einen Relaunch kümmern. In einer anderen Sprache wolle man die Website aber nicht anbieten, so Müller. Dies sei auch eine Kostenfrage und der Nutzen sei für Dietikon zu gering.

Die SP/AL-Fraktion mache etwas, was sie selten tue und schliesse sich dem Stadtrat an, sagte Rosmarie Joss (SP). „Es gibt etwas an dieser Forderung, das uns ganz gewaltig stört“, sagte sie. Schliesslich gehe es darum, die Website attraktiver zu machen für Menschen, die nur Englisch sprechen und auch kein Interesse hätten, Deutsch zu lernen. Es werde immer gefordert, Ausländer müssten sich integrieren, aber dies gelte wohl für die gut gebildeten, englischsprechenden Expats nicht, sagte Joss und fügte an: „Alle Ausländer sind gleich, aber einige sind etwas gleicher.“ Man könne das Geld, dass man in dieses Projekt investieren würde, besser einsetzen, fand sie.

Google und Facebook kommen trotzdem nicht

Gemeinderat Martin Müller (DP) wies darauf hin, dass in der Stadt der Grundsatz gelte: „Dietikon spricht Deutsch“. Dies müsse für alle gelten, sagte er. Auch die SVP hatte keine Sympathien für die Forderung. Man werde weder Google noch Facebook nach Dietikon locken, wenn die Website auf Englisch verfügbar sei, sagte Stephan Wittwer. Er empfinde das Postulat im Gegenteil als einen „Schuss in den Rücken“ des Stadtrats, der die Integration und das Sprechen der deutschen Sprache in Dietikon fördern wolle.

Für die Überweisung des Postulats sprach sich Nadine Burtscher (EVP) aus. Es sei zumindest zu prüfen, welche Teile der Website auf Englisch übersetzt werden könnten, sagte sie. Für die Überweisung des Postulats stimmten schliesslich bloss 3 Gemeinderäte, während 25 dagegen waren.