Dieser Arbeitstag findet zweimal jährlich statt. Die Mitglieder des Vogel- und Naturschutzvereines Limmattal rechtes Ufer bringen jeweils das ursprünglich als Hochwasserrückhaltebecken für die Autobahn geplante Biotop in der Fahrweid zwischen Geroldswil und Weiningen auf Vordermann.

«Im sonnenreichen Südhang entfernen wir die herumliegenden Äste, damit mehr Licht und Wärme zu den im Hang lebenden Kriechtieren und Reptilien gelangt», erklärt Edwin Lifart, Reservatsbetreuer und ehemaliger Präsident des Vereins. «Die Äste werden allerdings nicht entsorgt, wir verwenden sie, um Holzstapel zu errichten, die den Tieren im Sommer als Brutstätten und im Winter als Unterschlupf für die Winterstarre dienen. Trotz der ganzen Pflege soll das Biotop aber nicht zum Schrebergarten mutieren, ein Naturschutzgebiet ist kein Garten», so Naturliebhaber Lifart.

Das seit 1985 bestehende Biotop wurde in den vergangenen Jahren zum Zuhause diverser Tierarten. So nisten heute von Geburtshelferkröten über Zaun- und Mauereidechsen auch Blindschleichen, Ringelnattern und sogar Vögel wie der Zaunkönig oder Insekten wie die Einsiedlerbiene im ein Hektaren grossen Lebensraum neben der Autobahn A3. Dementsprechend stolz sind die Mitglieder des Vereins darauf, dass ihr in Freiwilligenarbeit gepflegtes Vorzeigeprojekt im Sinne der Biodiversität über die letzten Jahre neue Tierarten hinzugewinnen konnte.

«Distanzierteres Verhältnis»

Der 1931 gegründete Natur- und Vogelschutzverein Limmattal rechtes Ufer kümmert sich allerdings nicht alleine um das Biotop. So hat auch der gemeinnützige Verein Naturnetz mithilfe von Zivildienstlern einige der Unterschlüpfe aus Holz und Steinen errichtet und das Amt für Wasser, Abfall, Energie und Luft (AWEL) sowie das Amt für Landschaft und Natur (ALN) unterstützen das Projekt mit Beiträgen aus dem Ökorappen, der als Zuschlag auf Stromkosten verrechnet wird. Ausserdem stellt das ALN dem Naturschutzverein Maschinen für die Landschaftspflege zur Verfügung.

«Die Naturschutzvereine sind in der Schweiz relativ gut untereinander vernetzt», so der aktuelle Vereinspräsident Eduard Meier, «es werden auch viele Budgets von den eingereichten Naturschutzprojekten effektiv gesprochen.» Dem Naturschutz in der Schweiz fehlt es also offensichtlich nicht an Unterstützung seitens der Behörden.

Im Umweltbewusstsein der Bevölkerung sieht Eduard Meier allerdings schon noch etwas Handlungsbedarf: «Gerade bei der jüngeren Generation habe ich manchmal meine Zweifel, wie fest sie in ihrem Handeln an die Natur denkt. Wenn man sieht, wie viel Abfall gedankenlos in der Natur liegen bleibt, dann war meine Generation im Vergleich zur heutigen schon sorgfältiger im Umgang mit der Natur.» Eduard Meier will die Jungen jedoch nicht anschwärzen. «Ich denke nicht, dass die Jungen die Umwelt vorsätzlich verschmutzen, es hat eher etwas mit dem Wandel von unserem Lebensstil zu tun. Heutzutage haben die Leute einfach ein distanzierteres Verhältnis zu ihrer Umwelt, früher lebte man noch eher im Einklang mit der Natur», so der Vereinspräsident.

Auf nachhaltiger Mission

Deshalb ist es ihm auch wichtig, dass sich gerade jüngere Leute vermehrt für die Umwelt engagieren. «Für unseren etwas überalterten Verein ist das wichtigste Ziel für die Zukunft, dass wir unser Erbe an die nachfolgende Generation weitergeben können, damit auch noch viele Generationen nach uns in der Lage sind, Freude an der Natur zu haben», reflektierte Eduard Meier.

Nähere Informationen über den Verein und seine anstehenden Projekte sind auf der Vereinshomepage www.nvvlimmattalru.ch zu finden.