Fitness

Was die Rope Skipper vom STV Dietikon abliefern, hat wenig mit «Seiligumpen» zu tun

Es klickt und klackt ziemlich regelmässig im Takt der Musik in der Turnhalle des Zentralschulhauses in Dietikon. Das Geräusch kommt von den Seilen, die durch die Luft peitschen und auf den Boden knallen, und von den Schuhen, die sich im Takt von demselben abheben. Willkommen bei den Rope Skippern.

Das Rope Skipping Team, allesamt in schwarzen Hosen, grasgrünen Oberteilen und grünen Schuhbändeln in den rechten Schuhen, wärmt sich ein. Ab und zu, auf das Kommando von Leiterin Tina Bucher (32), werden die Beine abwechselnd angewinkelt, die Hände überkreuzt oder andere kleinere Kapriolen in die Sprünge eingebaut. Zwischendurch werden die Seile abgelegt und Übungen zur Dehnung und Kräftigung eingefügt. Wenn sich jemand verheddert, merkt man davon fast nichts, so schnell sind die Athletinnen wieder im Flow. «Das Meiste kommt intuitiv. Man darf einfach nicht zu viel übers Springen nachdenken, dann geht vieles ganz einfach», erklärt Nora in einer kurzen Verschnaufpause. Es ist Mittwochabend, 20 Uhr, und das Training der Rope Skipper des STV Dietikon hat gerade begonnen.

Rope Skipping STV Dietikon, Darbietung Swiss Rope Skipping Championchips 2011

Der STV Dietikon an den Swiss Rope Skipping Championchips 2011.

Wachsende Beliebtheit

Rope Skipping, also professionalisiertes Seilspringen, hat sehr wenig mit dem zu tun, was man von früher vom Pausenhof kennt. Seilspringen praktizieren auch Sportler aus anderen Disziplinen, als ideales Training für Kondition, Koordination und Kraft. Beim Rope Skipping werden dazu noch akrobatische Sprünge, Umdrehungen und Handstände eingebaut. Man springt zu zweit, zu dritt, zu viert, wechselt sich ab im Schwingen und Springen oder probiert beides zugleich und schreckt auch vor dem Springen über mehrere Seile gleichzeitig nicht zurück.

«2001 fand die erste Schweizer Meisterschaft im Rope Skipping statt», erklärt Sandra Meier vom Fachverband Rope Skipping. «Diese war aber noch ganz anders aufgebaut als heute.» Damals gab es nur Meisterschaften im Einzel, seit 2012 auch im Team. Wie das Rope Skipping den Weg in die Schweiz fand, darüber gibt es verschiedene Versionen, meint Meier: «Höchstwahrscheinlich kam der Sport aber aus den USA hierher.» Seit damals hat sich viel getan, wie auch die steigenden Teilnehmerzahlen an Meisterschaften, wie etwa der bevorstehenden 6. Schweizer Meisterschaft Team, zeigen (siehe Artikel unten). In der Schweiz bieten 13 Vereine Rope Skipping an.

Nach dem Einwärmen wird Geschwindigkeit trainiert. Auf Kommando gehts los: Drei Rope Skipper starten, drei andere zählen per Handzähler die Sprünge – und zwar immer vom rechten Fuss. Nach zwei Minuten wird gestoppt. Fällt jemand aus dem Takt, wird ein Sprung ausgelassen und weitergezählt. An diesem Mittwoch bewegen sich die Ergebnisse zwischen 194 und 207 Sprüngen. Das sei ganz o.k., so der Tenor, natürlich gebe es da aber auch ganz andere Zahlen. Selina hat von der Gruppe bislang eines der besten Ergebnisse geschafft. Ihr gelangen schon 507 Sprünge in zwei Minuten, erklärt sie stolz.

Nach dem Geschwindigkeits-Training teilt sich die Gruppe auf. Das Wettkampf-Team zieht in die gegenüberliegende Halle. Die verbliebenen fünf bleiben in der Trainingshalle. Auch sie haben noch was vor: Zusammen mit der Kids-Gruppe werden sie an der Schweizer Meisterschaft eine kleine Show vor der Rangverkündigung zeigen. Auch das will geübt sein. «Momentan proben wir noch separat, die Kindergruppe trainiert immer vor den Erwachsenen», erklärt Tina Bucher.

Rope Skipping STV Dietikon, Darbietung Swiss Rope Skipping Chamiponchips 2012

Der STV Dietikon an den Swiss Rope Skipping Chamiponchips 2012.

Suche nach dem perfekten Schluss

Nora, Xenia, Pascale, Julia, Selina und Desi, alle im Alter zwischen 17 und 23, besprechen die Choreografie und platzieren ihre Seile. Insgesamt 12 werden für die Choreo von 23 / 4 Minuten gebraucht. Desi kümmert sich um die Musik. Sie macht in diesem Jahr eigentlich nicht mit an der Meisterschaft, weil sie vor vier Monaten am Kreuzband operiert wurde. Heute aber springt sie für Rahel ein, die krank ist.

Auch Nora ist etwas angeschlagen und trainiert nicht alles mit. Sie ist erst seit vier Monaten im Team, über eine Kollegin vom Studium kam sie dazu. Selina springt dagegen schon seit 12 Jahren. Sie war schon in der Kids-Gruppe, als diese 2003 ganz neu gegründet wurde.
Xenia gibt nun das Kommando für den ersten Durchlauf und schon ertönen die ersten Beats von «We will Rock You». Im Einklang mit dem berühmten Klatschmotiv startet die Choreo. Noch sitzt nicht jedes Element perfekt, auch mit dem Schluss hadern die Mädchen noch. Vier Proben hätten sie ja noch bis zur Meisterschaft. Einige Elemente, da sind sie sich sicher, müssen noch etwas abgeändert und vor allem separat geprobt werden. Etwas Schwierigkeiten scheinen die einzelnen Positionen zu machen. Immer wieder kommt es zu kleinen Diskussionen. Trotz allem macht ihnen das Training grossen Spass, das merkt man den Athletinnen an.

Um 22 Uhr ist das Training schon fast vorbei: Lieblingssprünge werden noch vorgezeigt wie der von Selina: der «Füdlisprung». Dafür setzt sie sich auf den Hallenboden, nimmt das Seil in die rechte Hand, lässt es auf dem Boden kreisen – und hüpft darüber. Auch das ist möglich mit dem Springseil.

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