Seit zehn Jahren bietet die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) Studiengänge im Bereich Pop an und die Geroldswilerin Mara Miccichè (31) war eine der ersten, die mit dem Master of Arts abschloss.

Seit fünf Jahren nennt sie sich Iokoi, ein «erfundenes Wortspiel», das ihr erlaube, als Künstlerin in diverse Rollen zu schlüpfen und sich mittels elektronischer Musik zu entfalten. Trotzdem machte sie sich die letzten Jahre auf die Suche nach der persönlichen Berufung im Pop-Kosmos. Trat sie etwa früher mit einer Band auf, so ist Iokoi heute solo auf der Bühne zu erleben; das entspricht ihr mehr.

Mehr als «nur» Musik

Ende September erschien ihr Debüt-Album «Liquefy», auf dem sich – dem Titel entsprechend – zehn Songs verflüssigen, die an Björk erinnern, oder aktueller, an die amerikanische Sängerin Banks, die überdies mit kritischen Texten auffällt. Auch Iokoi hält dem Zeitgeist den Spiegel vor: «Wir scheinen uns immer mehr von der physischen Kommunikation zu entfernen», so Miccichè.

IOKOI - Body/Head [-OUS, official video]

IOKOI - Body/Head [-OUS, official video]

Viele würden sich heute nur noch auf die Bildschirme vor ihnen verlassen. Eine zentrale Frage der Kompositionen sei, wie die Menschen mit sich selber und mit anderen umgehen.

Doch Iokoi bietet mehr als «nur» Musik: «Das Visuelle ist für mich sehr wichtig und ich benötige diverse Ebenen, um mich zu verwirklichen.» Im Video der ersten Single «Body/Head» liess sie sich beispielsweise mit Farbe übergiessen und für Konzerte arbeitet sie mit Bildern und Installationen, welche gemeinsam mit der Videokünstlerin Aria konzipiert werden.

Die Veröffentlichung des Albums, das mit dem Musiker Bit-Tuner produziert wurde, benötigte neben der Kunst auch Organisatorisches: Mit drei Freunden gründete Miccichè deswegen das Label «OUS», eine Berliner Agentur kümmert sich um die Vermarktung, der internationale Vertrieb soll ebenfalls aufgegleist werden und es stehen Konzerte an, um das Album zu promoten.

Heute tritt Iokoi am «Mehrspur-Festival» auf, das gleichzeitig das zehnjährige Jubiläum des ZHdK-Studienbereichs Pop markiert.

Nächster Halt Amsterdam

«Liquefy» soll eine frühe Etappe auf der Reise von Miccichè darstellen, deren Eltern noch in Geroldswil wohnen. Sie selbst hat ihre Zelte in Zürich und Mailand aufgeschlagen hat. Nächste Woche kommt mit Amsterdam eine weitere Station dazu: «Ich beginne dort ein Studium, das sich Neuen Medien, der bildenden sowie der experimentellen Kunst widmet». Es benötige exakte Planung, um die Karriere als Iokoi zu verfolgen und gleichzeitig die Schulbank zu drücken, was weniger ihre Stärke sei, so Miccichè, «aber ich lerne ständig dazu.»