Bahnhofuhr
Warum dieser 90-Jährige der Gemeinde Birmensdorf Zeit schenkt

Die Bahnhofuhr, die seit einer Woche über dem Platz in Birmensdorf thront, ist ein Geschenk des Einwohners Hans Meier-Mettler an die Gemeinde und eine Geste der Dankbarkeit

Daniel Diriwächter (Text) und Alex Spichale (Fotos)
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Bahnhofuhr Birmensdorf

Bahnhofuhr Birmensdorf

AZ
Am Donnerstag trafen sich Peter Siegrist, Barbara Puricelli, Sara und Hans Meier-Mettler sowie Werner Steiner, um die neue Bahnhofuhr willkommen zu heissen.

Am Donnerstag trafen sich Peter Siegrist, Barbara Puricelli, Sara und Hans Meier-Mettler sowie Werner Steiner, um die neue Bahnhofuhr willkommen zu heissen.

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Seit seiner Neugestaltung wandelte sich der Birmensdorfer Zentrumsplatz in einen belebten Ort, der zum Verweilen oder auch zum Pétanque-Spielen einlädt. Das weiss auch Hans Meier-Mettler, der mit seiner Frau Sara seit 54 Jahren in der Gemeinde lebt; zunächst oben am Hang und seit zwei Jahren im Dorfkern. Der mittlerweile 90-Jährige ist Birmensdorf sehr verbunden, aber etwas fehlte ihm bislang am Zentrumsplatz: eine Uhr. «Da dachte ich mir, es ist eine tolle Idee, der Gemeinde eine Uhr zu schenken», sagt Meier-Mettler.

Letzten November fand der ehemalige Bauingenieur, der sich als sehr pünktlich bezeichnet, die Gelegenheit, um auf seine lang gehegte Idee aufmerksam zu machen. «Es gab einen Adventsanlass auf dem Platz und da bin ich spontan auf den Gemeindepräsidenten Werner Steiner zugegangen und habe ihm gesagt, dass ich dem Platz eine Uhr spendieren will.»
Meier-Mettler wusste auch schon genau, was für ein Modell es sein sollte: die klassische Bahnhofuhr. Ebenso klar war sein Motiv: grosse Dankbarkeit. «Meine Familie und ich fühlen uns in Birmensdorf sehr wohl. Den Zusammenhalt in der Gemeinde schätzen wir sehr», sagt er. Deshalb war es für ihn Ehrensache, etwas zurückzugeben.

Nägel mit Köpfen

Präsident Steiner erinnert sich gut an den Moment, als ihm Meier-Mettler das Angebot unterbreitete. «Seine Idee hat mich sehr berührt», sagt er. «Nicht nur, weil sie so unkompliziert angeboten wurde, sondern auch, weil wir solche Vorschläge praktisch nie erhalten.» Zwar war es nie geplant, eine Uhr am Zentrumsplatz aufzustellen, da aber Meier-Mettler alle Kosten übernehmen würde, stand dem Vorhaben nichts mehr im Weg – zumindest fast.

«Wir machen Nägel mit Köpfen», sagt Tiefbauvorständin Barbara Puricelli, die schnell in das Vorhaben involviert war, ebenso wie Peter Siegrist, Leiter des Bauamts. Grünes Licht gab es – nach einer Information an den Gemeinderat – entsprechend schnell. Die anschliessende Frage war, wo die Uhr stehen sollte. «Zunächst dachten wir an den Mast der Strassenbeleuchtung, aber die Bahnhofuhr wäre zu schwer dafür gewesen», so Siegrist.

Da es sich bei der angrenzenden Zürcherstrasse zudem um eine Kantonsstrasse handelte, wurde der Kanton miteinbezogen. Auch musste die Stromversorgung abgeklärt werden. Letztlich entschied man sich für den Standort des Wegweisers bei der Stallikonerstrasse. Dass diese eine Gemeindestrasse ist, hat vieles erleichtert. Dann musste die entsprechende Uhr noch beim Hersteller Mobatime bestellt werden.

Beispiel soll Schule machen

Jetzt thront auf dreieinhalb Metern in der Höhe eine echte Bahnhofuhr über dem Zentrumsplatz. Zwei Zifferblätter mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern informieren per Sender in Frankfurt die Passanten über die Zeit. Nicht nur das: Auch die Wegweiser werden in Kürze wieder an das Standrohr angebracht, auf dem die Uhr heute tickt.

Die Gemeinde drückte ihre Dankbarkeit offiziell aus und lud das Ehepaar Meier-Mettler am Donnerstag zum Mittagessen ein. Steiner betonte, wie sensationell er die Idee fand: «Dieses Beispiel sollte Schule machen.» Und bei Meier-Mettler wird schon bald eine Rechnung der Gemeinde ins Haus flattern: Rund 11 000 Franken soll die Uhr und die damit verbundene Arbeit gekostet haben, sagt Siegrist. Diese Summe sei von Beginn an vereinbart gewesen.