Hooligans
Warum die Stadt Zürich die Hooligans-Datenbank abschaffen will

Die präventiv gegen Hooligan-Gewalt wirkende Datenbank GAMMA in der Stadt Zürich wird abgeschafft. Der Gemeinderat lehnte den Antrag des Stadtrates auf eine Verlängerung des Versuchs mit 75 zu 38 Stimmen ab.

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Keystone

Der auf ein Jahr befristete Versuch mit GAMMA wurde im September 2009 von den Stimmberechtigten der Stadt mit grossen Mehr angenommen und trat am 1. Januar 2010 in Kraft. Ihr Zweck war, gewaltbereite Personen frühzeitig zu erfassen, noch bevor sie eine Straftat begangen haben. Insgesamt elf Fachpersonen hatten Zugriff auf die Datenbank.

Diesen Versuch wollte der Stadtrat bis zum 31. Dezember 2012 verlängern. Damit sollte es besser möglich sein zu beurteilen, ob sich GAMMA als Instrument zur Gewaltprävention im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen bewähre und definitiv eingeführt werden sollte.

52 Registrierte in acht Monaten

Einig waren sich alle, dass das Hooligan-Problem auch künftig entschlossen angegangen werden muss. Gewalttäter müssten hart angefasst und Gewalttaten konsequent geahndet werden. Uneinig war der Rat, ob es dafür GAMMA brauche. Gegen eine Verlängerung sprachen sich die Mehrheit der SP sowie SVP, GLP, Grüne, AL und SD aus. Sie wehrten sich dagegen, «unbescholtene Fans» auf Vorrat zu registrieren. Man könne auch nach dem ersten Versuchsjahr durchaus den Nutzen der Datenbank beurteilen. Das Volk habe ausdrücklich einen befristeten Versuch gutgeheissen.

FDP, CVP, EVP und einzelne SP-Mitglieder kritisierten, die Gegner wollten der Polizei nicht die nötigen Instrumente in die Hand geben. Das Volk habe genug von randalierenden so genannten Sportfans. Mit seinem Ja hätten die Stimmberechtigten klar für eine Bekämpfung des Hooliganismus votiert, nicht bloss für ein paar Monate.

Bis Ende August 2010 waren 52 Personen bei GAMMA erfasst worden. Die meisten, weil sie sich in einer «gewaltsuchenden Gruppe» aufhielten. Bei der Mehrheit wurde keine Massnahme angeordnet. Die Registrierung wird den Betroffenen jeweils schriftlich mitgeteilt, zudem nehmen Fachleute mit ihnen Kontakt auf. Keiner der Registrierten erhob Einsprache.

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