Urdorf

Warum die katholische Kirche Urdorf mit dem Kloster Engelberg feiert

Der katholische Pfarrer Max Kroiss freut sich, dass der Abt des Klosters Engelberg bei seinem Besuch am Sonntag die Firmung übernimmt.

Der katholische Pfarrer Max Kroiss freut sich, dass der Abt des Klosters Engelberg bei seinem Besuch am Sonntag die Firmung übernimmt.

Pfarrer Max Kroiss empfängt am Sonntag Abt Christian Meyer aus Engelberg, um die gemeinsame Geschichte und das 900-jährige Bestehen des Klosters zu zelebrieren.

Das Antlitz von Niklaus von Flüe strahlt auf die Sitzbänke in der Katholischen Kirche Heiliger Bruder Klaus in Urdorf. Der Schutzpatron des Gotteshauses ist im farbigen Kirchenfenster verewigt. Morgen Freitag ist der Namenstag des Heiligen. Gefeiert wird das Patrozinium aber erst am Sonntag. Dann erhalten die Urdorfer Katholikinnen und Katholiken Besuch. Abt Christian Meyer vom Kloster Engelberg wird den Gottesdienst halten. Dies nicht nur, um den Schutzpatron der Kirche und der Benediktinerabtei zu ehren, sondern um ein besonderes Jubiläum zu begehen. Das Kloster Engelberg feiert dieses Jahr sein 900-jähriges Bestehen.

Obwohl Urdorf und die Berggemeinde im Kanton Obwalden gut 85 Kilometer trennen, sind deren Geschichten eng miteinander verknüpft. «Die Beziehungen zwischen Urdorf und Engelberg reichen beinahe bis zur Gründung des Klosters zurück», sagt Urdorfs katholischer Pfarrer Max Kroiss. Anlässlich des Jubiläums befasste er sich mit den historischen Begebenheiten. Dafür unternahm er auch einen Ausflug ins Staatsarchiv des Kantons Zürich.

Dort befindet sich nämlich eine 217 Zentimeter lange Schriftrolle aus dem Jahr 1423, auf der die Hofrechte des Engelberger Abts in Urdorf neu festgehalten wurden. «Der Besuch des Abts des Klosters Engelberg ist etwas Besonderes für unsere Kirchgemeinde, doch früher war es üblich, dass er zwei Mal im Jahr vorbeikam», verrät Kroiss. Der Vorsteher des Klosters war nämlich Herr über Land und Leute in Urdorf.

Engelberger Abt regierte Land und Leute in Urdorf

1124 erstmals urkundlich erwähnt, wird Urdorf neben anderen Ortschaften in der 1179 ausgefertigten Stiftungsurkunde des Klosters Engelberg aufgeführt. Bis zur Reformation im 16. Jahrhundert besass das Kloster in der Gemeinde Grund- und Gerichtsrechte. «Dies, weil Urdorf zu den Stammlanden des Klostergründers Konrad von Sellenbüren gehörte», erklärt Kroiss. Laut Überlieferung besuchte der Abt Urdorf im Mai und im Herbst, um vor den Hofleuten und den Inhabern von Erb oder Lehen Gerichtstag zu halten.

Einige amüsante Details zu den Gerichtstagen auf der Schriftrolle sind Pfarrer Kroiss nach dem Besuch im Staatsarchiv besonders in Erinnerung geblieben. «Es hiess, dass der Abt mit seinem Kaplan, dem Probst, einem Ritter, einem Habicht und zwei Windhunden daran teilgenommen hat», so Kroiss. Die Meierin habe den Abt mit Brot für die Hunde und einem Huhn für den Habicht empfangen. «Die Männer erhielten bestes Fleisch und Elsässer Wein, im Gegenzug brachte der Abt einen zweijährigen Stier mit. Vermerkt wurde zudem, dass, wenn der Meier den Stier nicht mehr benötigt, dieser nach Engelberg in die Küche gehöre», sagt Kroiss und schmunzelt.

Der Abt firmt 13 junge Urdorfer Katholiken

Mit Brot, Huhn, bestem Fleisch und Elsässer Wein kann die Katholische Kirche Abt Christian Meyer am Sonntag nicht empfangen. Aufgrund der Corona-Pandemie ist der Apéro gestrichen. Nichtsdestotrotz soll das Jubiläum gebührend gefeiert werden.

«Wir freuen uns auf den Besuch von Abt Christian Meyer», sagt Kroiss. Er packte die Gelegenheit beim Schopf und fragte den Klostervorsteher, ob er die am Sonntag geplante Firmung von 13 jungen Katholiken aus Urdorf übernehmen kann. «Ich dachte, das wäre etwas Schönes für unsere Firmanden», sagt Kroiss. Und so wird Abt Christian Meyer nun nicht nur die Jubiläumsmesse halten, sondern auch Firmspender sein.

Dass man die beinahe 900-jährige Beziehung zwischen Engelberg und Urdorf wieder aufleben lässt, ist auf die Initiative des Klosters Engelbergs zurückzuführen. «Abt Christian Meyer kam auf uns zu und schlug uns diesen Begegnungstag vor», sagt Kroiss. Dabei ist Urdorf nicht die einzige Kirchgemeinde, die im Jubiläumsjahr des Klosters Anlässe durchführt. Unter dem Motto «Begegnungen» feierte das Kloster bereits gemeinsam mit anderen verbandelten Gemeinden und Kirchgemeinden wie etwa Stallikon oder Küsnacht.

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