Dietikon
Warum das Luberzen-Schwimmbad doch nicht geschlossen wird

Der Dietiker Gemeinderat entscheidet sich dagegen, das Luberzen-Bad zu schliessen. Auch einen Investitionsstopp für das Bad hat er abgelehnt.

Gabriele Heigl
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Im Lehrschwimmbad Luberzen wird vorerst weiter schwimmen gelernt.Themenbild/Chris Iseli

Im Lehrschwimmbad Luberzen wird vorerst weiter schwimmen gelernt.Themenbild/Chris Iseli

Chris Iseli/ AZ

Mit deutlicher Mehrheit von 17 zu 12 Stimmen hat der Gemeinderat eine Motion von Martin Romer (FDP) bezüglich des Lehrschwimmbades Luberzen nicht überwiesen. Damit ist sowohl eine sofortige Schliessung als auch ein Investitionsstopp vom Tisch. Romer scheute sich nicht vor emotionalen Formulierungen in der Begründung seiner Motion. Es fehle der Mut und Führungsqualität für einen unpopulären Entscheid, die Schule müsse von «einem schweren Klotz am Bein» befreit werden, begründete er seine Motion in der gestrigen Gemeinderatssitzung, der ersten nach der Sommerpause. Das Lehrschwimmbad erregt schon seit längerem die Gemüter im Gemeinderat. Im Finanzplan 2014 bis 2018 steht die Sanierung mit 2,1 Millionen Franken zu Buche. Zuviel für Romer und die Mitunterzeichner der Motion.

Wie nicht anders zu erwarten, wollte der Stadtrat die Motion nicht übernehmen. In seiner Stellungnahme plädierte Schulvorstand Jean-Pierre Balbiani (SVP) dafür, das Problem «ganzheitlich anzuschauen». Er könne sich nach entsprechender Prüfung auch eine Umnutzung des Schwimmbades als Turnhalle oder Klassenzimmer vorstellen. Das aber brauche Zeit und Abklärungen. Es müssten neue Stundenpläne gemacht, Transportmöglichkeiten für die Schüler geschaffen werden. «Wir wollen eine verträgliche Lösung für Kinder und Lehrer. Mit dieser Motion bringen Sie die Schule in eine Bredouille, die nicht nötig ist.»

«Das Schwimmbad ist ein Millionengrab»

Diesen Argumenten konnte Stephan Wittwer (SVP) nichts abgewinnen. «Das Lehrschwimmbad ist ein Fass ohne Boden, ein Millionengrab.» Sofortige Schliessung und Investitionsstopp seien die einzigen Mittel der Wahl. Bei einem Steuerfuss von 129 Prozent leiste sich Dietikon dieses marode Schwimmbad. Er verwies sarkastisch auf das Energielabel Gold, das durch dieses Bad konterkariert werde und beklagte die Tatenlosigkeit des Stadtrats. Man sei noch immer ganz am Anfang mit den Abklärungen. «Wenn ihr heute die Motion nicht überweist, verpasst ihr eine Gelegenheit, den Stadtrat endlich dazu zubringen, das Heft in die Hand zu nehmen», appellierte Wittwer an seine Kollegen.

Das Fondli als alleiniges Hallenbad reiche nicht, meinte Motionsgegnerin Catherine Peer (SP) und zählte die Vorzüge auf, die nur das Lehrschwimmbad Luberzen aufweise, wie der verstellbare Boden und das wärmere Wasser. «Ich halte nichts von der Sparerei am Service Public.» Ausserdem ärgerte sie sich: «Man tut nichts mehr fürs Ostquartier.»

Die Beiträge pro und kontra hielten sich in etwa die Waage. Die Befürworter von der SVP und FDP zeigten sich kämpferischer. Am Ende wurde die Überweisung der Motion mit 12 zu 17 Stimmen abgelehnt.

Stadtrat muss sich gegen Limmattalbahn-Depot einsetzen

Der Ball im Streit um den Standort des Depots der Limmattalbahn liegt beim Dietiker Stadtrat. Er hat am Donnerstag ein Postulat von Gemeinderat Lucas Neff (Grüne) übernommen. Darin wird der Stadtrat aufgefordert, «alle notwendigen Massnahmen zu treffen und darüber Bericht zu erstatten, damit das Depot nicht im ‹Müsli› erstellt wird.» Zudem soll die Exekutive alternative Standorte prüfen, etwa im Areal des Güterbahnhofs. Dieses sei riesig und aktuell nicht ausgelastet. Auch das Gebiet Asp in Spreitenbach, das bereits früher zur Debatte stand, sei ein geeigneter Standort. Neff schwebt aber auch eine Integration des Depots in den neuen Dietiker Stadtteil Niderfeld vor. Analog zur Genossenschaftssiedlung Kalkbreite in Zürich, könnten auch dort Wohnungen über dem Tramdepot erstellt werden. Denn die Limmattalbahn sei Teil des künftigen Niderfeldquartiers. Aus Sicht von Neff ist es für Dietikon jedenfalls Pflicht, «sich für seine letzten Grünflachen einzusetzen». Dass der Stadtrat das Postulat entgegengenommen hat, kommt nicht ganz überraschend. Diesen Sommer schickte die überwiegende Mehrheit der Dietiker Gemeinderäte einen Brief an den Zürcher Regierungsrat, in dem sie einen anderen Standort als das «Müsli» forderten. Zudem reichte Gemeinderat Sven Johannsen (GLP) eine Interpellation an den Stadtrat ein, in der er mehrere Fragen zur Standortwahl stellt. Gestern begründete er seinen Vorstoss. Johannsen will unter anderem vom Stadtrat wissen, ob es noch andere mögliche Standorte für ein Depot der Limmattalbahn gebe, die sich ausserhalb der Landwirtschaftszone befinden und somit dem Schutz der Kulturlandschaft nicht in die Quere kommen würden. (zim)