Tja, der Eurovision Song Contest ist vorbei! Auch die ewigen Kritiker und Nörgler haben sich einigermassen beruhigt. Das Dargebotene sei musikalisch unter jeder Sau, meckern die einen. Kulturell magerste Kost, reines Showgehabe. Andere jammern wegen ihrer zum Fenster hinausgeworfenen Fernsehgebühren – als guckten sie sonst nur Sternstunde Philosophie und Arte TV.

Ich selbst befasse mich zeitlebens mit dem Musikmachen, jahrelang hab ich damit sogar die Miete bezahlt. Hätte ich jemals adäquat jodeln können, wäre für mich der «Concours Eurovision de la Chanson» eine willkommene Chance gewesen, anstatt im «Samschtigjass» oder «Musigplausch» des Schweizer Fernsehens zu klimpern, europaweit über die Mattscheibe zu flimmern. Klar hätts nicht für den 1. Platz gereicht, aber völlig egal! Seien wir ehrlich: Bei welchem Job stehen wir immer zuoberst auf dem Treppchen? Hauptsache dabei sein, ein paar coole Tage verbringen, Fähnchen schwenken auf dem glitzernden Sofa und nach der Show so richtig Party machen. Also, da gibt es doch Schlimmeres!

Apropos: Ganz früher, als ich weder des Französischen noch des Englischen mächtig war und im Fondli zur Schule ging, las ich auf dem Schulweg, was auf grossen Tafeln stand: «Nächstes Wochenende Concours Hippique.» Nun wusste ich natürlich von diesen buntgewandeten Menschen in Amerika, den Blumenkindern. Selbst trug ich auch diese Schlaghosen – mit Hosenstössen, grösser als die Schuhe. Kamen an diesen Wochenenden Hippies nach Dietikon und konkurrenzierten sich? Oder machten sie etwa Konkurs?

Der «Concours Eurovision de la Chanson» war mir ja ein Begriff – 1974, zu Zeiten von Waterloo. Und diese SchwedInnen waren ja auch recht freakig gekleidet, eben wie Hippies – oder zumindest so, wie man eben auf die Strasse ging in den 1970ern. Gab es eventuell einen Zusammenhang zwischen dem «Concours Eurovision de la Chanson» und dem «Concours Hippique»? Kamen ABBA zu Besuch, sangen sie in der grossen Sägemehlarena und nahmen nebenbei noch ihre Pferde mit? Weil bei den Reitställen hinter dem Schulhaus Dutzende Rosswagen standen.

Kein Ahnung hatte ich damals. Erst ein paar Jahre später wurde mir bewusst, dass mit «Hippique» wippende Pferdesportler gemeint sind und nicht kiffende Woodstockler. Eigentlich schade, so ein «Concours Hippie» wär voll cool gewesen – und auch heute noch angesagt. Vielleicht anstatt dieser «Lied Konkurs von der Eurovision»?