Auch EVP-Stadtrat Heinz Illi steigt in den Kampf um das Dietiker Stadtpräsidium. Und will seine Konkurrenten Roger Bachmann (SVP) und Anton Kiwic (SP) auf die hinteren Plätze verweisen. Damit ist klar: Ausser dem parteilosen Bernhard Schmidt, der die Wahl in den Stadtrat um 23 Stimmen verpasste und daher von der Stadtpräsidiumswahl ausgeschlossen ist, treten alle Kandidaten wieder an.

Das sind die drei Kandidaten fürs Stadtpräsidium: 

«Für mich war immer klar, dass ich es auch im zweiten Wahlgang versuche. Ich will meine Wähler nicht enttäuschen», sagte Illi gestern, nachdem der EVP-Parteivorstand am Montagabend Illis Teilnahme am zweiten Wahlgang definitiv beschlossen hatte. Nachdem der Souverän die Zusammensetzung des Dietiker Stadtrats mit der Wahl am 4. März stark verändert habe, sei der Mittekandidat nun der passende Stadtpräsident, argumentiert Illi. Zur Erinnerung: Im neuen Stadtrat sitzen ab Sommer je ein Vertreter von SP, Grünen, FDP, SVP sowie zwei CVPler und eben Illi von der EVP.

«Ich erhielt viele Reaktionen von Leuten aus Parteien von ganz links bis ganz rechts. Auch wildfremde Personen haben mich auf der Strasse darauf angesprochen, dass ich in den zweiten Wahlgang gehen soll. Das waren schöne Erlebnisse», sagt Illi. Schliesslich seien es die Bürger von Dietikon, die er überzeugen müsse. Natürlich würde er sich aber freuen, wenn andere Parteien ihn unterstützen würden.

Bachmann bleibt Favorit

Überrascht ist SVP-Kandidat Roger Bachmann von Illis Entscheid nicht. «Nachdem Anton Kiwic verkündet hat, dass er weiter im Rennen bleibt, habe ich damit gerechnet, dass auch Heinz Illi nachziehen wird.» Bachmann vermutet, dass es nochmals einen hart umkämpften zweiten Wahlgang geben wird. «Ich bin aber zuversichtlich, dass es reichen kann. Rein rechnerisch hat die SVP den grössten Wähleranteil.» Und trotzdem: «Ein Kandidat mehr bedeutet Stimmenverlust.» Die SVP werde daher alles Mögliche unternehmen, um die Wähler zu mobilisieren.

Auch SP-Kandidat Anton Kiwic setzt im zweiten Wahlgang auf eine starke Kampagne. «Die Kandidatur wird nichts an unserem Vorgehen ändern. Die SP Dietikon wird alle Register ziehen, sodass es für die Stadt möglichst gut kommt.» Er zweifelt daran, dass Illi seriöse Absichten hat. «Er weiss, dass seine Kandidatur eine verlorene Sache ist. Es geht ihm nicht ums Präsidium.» Vielmehr stecke eine Parteinahme für die Bürgerlichen dahinter, so Kiwic. Der SP-Mann ist sich sicher: «Illi spricht sich mit dieser Kandidatur direkt für Bachmann aus. Ich wage zu behaupten, dass Illi keinen Franken in den Wahlkampf investieren wird.» Kiwic glaubt, dass er bis zum Urnengang neben den SP-Wählern auch die eine oder anderen Stimme von Mitte-Links anziehen werde.

Strategische Unterstützung für Illi

Von den Grünen Dietikon erhält Kiwic dabei keinen Support: Sie haben am Montag an ihrer Parteiversammlung entschieden, dass sie Illi im Falle einer erneuten Kandidatur unterstützen werden, sagt Präsident Andreas Wolf. Die Entscheidung sei aus strategischen Gründen gefallen. «Er hat am meisten Chancen, um gegen Roger Bachmann zu gewinnen», sagt er. Denn Illi könne mehr Stimmen aus der Mitte erwarten. «Ich bedauere, dass sich SP und EVP nicht auf einen Kandidaten einigen konnten.» Wegen des Dreikampfs attestiert er Bachmann hohe Chancen auf den Wahlsieg.

Ähnlich sieht dies Werner Hogg, Parteipräsident der FDP Dietikon, die Bachmann schon früh im Wahlkampf unterstützte und dies für den zweiten Wahlgang weiter tun wird. Für ihn ist Illis Verbleib im Wahlkampf eine gute Nachricht. «Das ist positiv für uns und steigert die Chancen von Roger Bachmann», sagt er. Seiner Meinung nach hätten die politischen Kontrahenten nur vereint Aussicht auf Erfolg gehabt. Jetzt sei man optimistisch, dass sich die Stimmenverhältnisse nicht mehr gross verschieben.

Ernst Joss, Präsident der Dietiker AL, ist verwundert, dass Illi erneut antritt. «Ich sehe für ihn keine grossen Chancen. Normalerweise zieht sich der Kandidat mit den wenigsten Stimmen zurück», sagt er. Obwohl man als Partei offiziell noch nichts entschieden habe, ist für ihn klar: «Es wird keine Diskussionen geben, dass wir wieder Anton Kiwic unterstützen.» Er glaube nicht, dass Illis Entscheid den Ausgang der Wahl ausschlaggebend beeinflussen wird, sagt er. Die SP könne sehr gut mobilisieren und die SVP habe ihr Potenzial im ersten Wahlgang ausgeschöpft.

CVP lässt die Kandidaten nochmals vorsprechen

Die CVP Dietikon weiss noch nicht, welchen der drei Kandidaten sie unterstützen wird. «Im ersten Wahlgang haben wir Stimmfreigabe beschlossen. Nun hat sich die Situation geändert. Es gibt weniger Kandidaten», sagt Präsidentin Ottilie Dal Canton. Am 21. März führe die CVP deshalb eine ausserordentliche Parteiversammlung durch. «Wir laden die Kandidaten ein, damit sie sich nochmals vorstellen können.» Danach könne die Partei den Kandidaten bestimmen, den sie unterstützen will, oder, falls man sich nicht einig sei, wieder Stimmfreigabe beschliessen.

Heinz Illi hat intensive Wochen vor sich. Man werde nun wiederum einen tollen Wahlkampf anfangen, sagt er. «Die Wahlkommission baut bereits das Wahlkampf-Programm auf.» Auf die Favoritenrolle Bachmanns angesprochen, sagt er: «Wenn ich in den Wahlkampf gehe, dann will ich gewinnen. Und man darf nicht vergessen, dass die Zähler für den zweiten Wahlgang nochmals auf null gestellt werden.»

Aber Illi ist nicht der Einzige, der voller Zuversicht auf den 22. April zusteuert.