«Mir sind die alten Kleider und Möbel, die wir sonst oft ausstellen, verleidet», erklärt Thomas Stauber, Kurator des Ortsmuseums Schlieren. Deshalb habe er nach etwas Anderem gesucht, das Abwechslung bietet, und sei dabei auf die «Wagi» gestossen.

Am Sonntag eröffnet nun im Ortsmuseum eine neue Wechselausstellung, die sich der 1985 geschlossenen Schlieremer Wagonsfabrik widmet. Wer sich in den Räumlichkeiten des Museums bewegt, merkt schnell, dass er oder sie sich hier nicht in einer klassischen historischen Ausstellung befindet.

Stauber erklärt warum: «Wir zeigen hier nicht die Geschichte der ‹Wagi›. Und wir haben auch nicht den Anspruch lehrreich zu sein.» Vielmehr handle es sich um ein Sammelsurium von Produkten, deren Bestandteilen und Akten, die in den Schlieremer Werken im Laufe der Zeit bis zu ihrer Schliessung im Jahr 1985 entstanden sind. «Uns geht es dabei um die optische Komponente dieser Gegenstände», so Stauber.

Bremgarten-Dietikon-Bahn

Präsentiert werden unter Anderem Aufzugsantriebe und Beschriftungen, Rolltreppenbestandteile oder Baupläne für Wagen der Bremgarten-Dietikon-Bahn. Geordnet sind sie nach der Art der Produkte. Der Aufzugs-, Rolltreppen und Wagonsproduktion ist in der Ausstellung je ein einzelner Raum zugedacht.

Die Sammlung, die im Ortsmuseum gezeigt wird, hat Stauber zusammen mit seinem Kollegen Georges Peier eigenhändig aus allen Teilen der Welt zusammengetragen - ein Archiv für solche «Wagi»-Artekfate gab es zuvor schlicht nicht. «Georges ist teilweise extra in Länder gereist, von denen wir wussten, dass es dort auch ‹Schlieren›-Aufzüge gab», sagt Stauber.

Dann habe Peier die Betreiber so lange bearbeitet, bis er zumindest eine Beschriftung habe mitnehmen können. So geschehen etwa mehrfach in Nordeuropa, wohin die «Wagi» einige Aufzugssysteme ausgeliefert hatte.

Bestandteile aus der Schweiz

Der Grossteil der ehemaligen Bestandteile von «Schlieren»-Systemen stamme allerdings aus der Schweiz, so Stauber. Sein Kollege Peier pflegt Kontakte zu Mitarbeitern von Aufzugsherstellern, weshalb er jeweils erfuhr, wenn irgendwo ein «Schlieremer» ausgebaut wurde. Sofort habe man den Eigentümer kontaktiert und mit ihm verhandelt, bis man ein Bestandteil zugesichert bekam, erklärt Stauber.

Diese Sammeltätigkeit dauert nun schon über zehn Jahre an. Und ihr Hobby hat sich herumgesprochen: Immer wieder seien Schlieremerinnen und Schlieremer auf sie zugekommen und hätten ihnen Erinnerungsstücke und Dokumente aus ihrer Zeit als Angestellte bei der «Wagi» gebracht.

So entstand eine eigene Kategorie innerhalb der Ausstellungsgegenstände, die einen Einblick in die Firmenkultur ermöglichen. Zu sehen sind etwa Zinnbecher mit Auszeichnungen für besondere Verdienste oder Dienstjubiläen. Und angesichts der heute oft sehr intransparenten Lohnpolitik grosser Industriebetriebe besonders interessant - Lohnbücher von Anfang des letzten Jahrhunderts, die das Einkommen aller Berufsgruppen bis hoch zur Firmenleitung beinhalten.

Die neue Ausstellung im Ortsmuseum wird am kommenden Sonntag, den 4. November eröffnet. Danach steht sie Besuchern immer jeden ersten Sonntag im Monat von 10 bis 12 Uhr offen.