Die in der Waldhütte Aesch-Birmensdorf installierten Heizgeräte hatten versagt. Zumindest war die abgegebene Wärme schon bald wieder von der Kälte verdrängt worden. Durch jeden Spalt, durch jede Ritze drang sie ein und setzte den Winter auch hier in sein Recht.

Doch waren da noch Schmutzli und der Samichlaus, hinter einem Weihnachtsbaum lugten sie hervor und drückten den eintretenden Besuchern sogleich ein paar Nüssli in die Hand. Ging man etwas weiter, warteten, die zitternden Glieder zu wärmen, ein Süppchen und ein Heissgetränk. Und nicht zuletzt war da die Musik, jener vielstimmige Chorgesang, der das Publikum zumindest von innen etwas auftauen liess.

«Vox Amoris» heisst das semiprofessionelle Vokalensemble, das am Samstagabend in dieser abgeschiedenen Hütte ein Konzert gab. «Die Stimme der Liebe» kündete auch von der Liebe, jauchzte und frohlockte über Weihnachten, flüsterte und raunte, beschwor dieses Mysterium in allen denkbaren Gefühlslagen. Agnes Ryser, die Gründerin und Dirigentin des Ensembles, scheute sich nicht, Werke aus zahlreichen Ländern und Zeiten aufzuführen.

Mit vielstimmiger Architektur

Zu europäischen Klassikern gesellten sich Werke aus Venezuela, Russland und Korea. Neben Fischen, die vor Freude aus dem Wasser hüpften, neben Eseln und Ochsen und den Glöckchen aus «Jingle Bells», hörte man so auch exotische Fischersleute den Heiland preisen.

Der Chor sang mit viel Verve, die Freude und Begeisterung war den Beteiligten ins Gesicht geschrieben. Erstaunlich war auch die erreichte Präzision und Durchhörbarkeit der Stücke – vereinzelte Abstimmungsschwierigkeiten wurden durch das allgemein hohe Niveau schnell wieder vergessen gemacht. Eine Klangkathedrale nach der anderen baute sich auf; einzelne Stimmen wirkten wie Pfeiler oder Streben, die von gegenläufigen Stimmen unterstützt und gehalten wurden. Viele Werke boten Chormitgliedern die Gelegenheit, für einige Momente aus dem Gesamtklang aufzutauchen und in exponierten Passagen ihr Können zu demonstrieren.

Neben der menschlichen Stimme kam an diesem Abend das Blockflötentrio Vernon Consort zum Zug. In drei Intermezzi entführten sie das Publikum in die geistliche Musik des Mittelalters und in die Renaissance. Dass sie bei der Kälte die Finger überhaupt noch bewegen, geschweige denn so flink über die Flöten tanzen lassen konnten, grenzte freilich an ein Wunder.

Das Publikum zeigte sich sehr angetan. «Ich finde fantastisch, was hier geboten wurde», sagt Donald Gow aus Aesch. «Das Programm war vielseitig und wurde gegen Ende hin schön abgerundet.» Auch Martin Wettstein, ein Komponist aus Küsnacht, war des Lobes voll: «Der Klang war rein, die Intonation präzise. Zudem hat mir die Auswahl der Stücke gefallen.» Das Konzert dauerte gut eine Stunde. Man hätte es – trotz der Kälte – auch noch länger ausgehalten.