Coronavirus

Voranmeldungen im Überfluss: Kantonsweit 191'000 Menschen und 27'000 Firmen von Kurzarbeit betroffen

Mittlerweile sind 191'000 Personen im Kanton Zürich von Kurzarbeit betroffen: Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP). (Symbolbild)

Mittlerweile sind 191'000 Personen im Kanton Zürich von Kurzarbeit betroffen: Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP). (Symbolbild)

Der Ansturm auf Kurzarbeit ist derzeit im Kanton Zürich grösser denn je: Innert zwei Wochen haben 27000 Firmen entsprechende Gesuche eingereicht. Die Behörden brauchen massiv mehr Personal, um die Gesuche zu bearbeiten.

Seit dem 16. März, als der Bund wegen der Coronakrise Bars, Restaurants und Läden schloss,  ist die Zahl der Gesuche um Kurzarbeit explodiert. Im Kanton Zürich reichten innert zwei Wochen 27000 Firmen entsprechende Voranmeldungen ein, wie Andrea Engeler, Chefin des kantonalen Amts für Wirtschaft und Arbeit (AWA), gestern an einer Online-Medienkonferenz sagte. Jeder und jede fünfte Beschäftigte im Kanton sei betroffen, also 191000 Personen. Die Zahl werde weiter steigen.

«Die schiere Menge sprengt alles, was der Kanton Zürich je gesehen hat», fügte Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) an.  «Die Finanzkrise war im Vergleich ein Klacks.» Damals gab es in den Jahren 2009 und 2010 zehnmal weniger Gesuche als jetzt.

Die Regierungspräsidentin betonte: «Keine Firma im Kanton soll nun unnötig geschlossen werden.» Es gelte, weiterzuarbeiten, wo es mit den zur Eindämmung des Coronavirus nötigen Abstands- und Hygieneregeln möglich sei. Sie habe deshalb etwa das kantonale Amt für Verkehr angewiesen, die hängigen Projekte voranzutreiben. «Diese Aufträge wird unsere Wirtschaft brauchen, um wieder in Fahrt zu kommen», sagte Walker Späh.

Doch vielenorts kann derzeit nicht oder nur reduziert gearbeitet werden: Restaurants, Bars und die meisten Läden sind geschlossen, die Eventbranche liegt darnieder, und zunehmend leiden auch andere Branchen unter der Krise. «Sehr viele Menschen haben Angst, dass am Ende des Monats kein Lohn reinkommt – oder dass es ihre Firma am Ende der Krise nicht mehr gibt», sagte Walker Späh. Genau um dies zu verhindern, sei Kurzarbeit wichtig, bei der die Arbeitslosenversicherung für eine beschränkte Zeit einen Teil der Lohnkosten übernimmt. Dies helfe, Entlassungen zu vermeiden – und trage dazu bei, dass die Wirtschaft nach der Krise schneller wieder in Schwung komme.

Zunächst einmal gilt es nun für die Behörden, die weiter wachsende Menge an Kurzarbeitsgesuchen zu bewältigen. «Wir setzen dafür aktuell rund 100 zusätzliche Leute ein», sagte AWA-Chefin Engeler. Ebenso viele brauche es für die Auszahlungen. Bis Ende dieser Woche nehmen laut Engeler 55 Leute die Arbeit auf. Teils helfen Mitarbeitende aus anderen kantonalen Direktionen aus. Auch der Bund habe Hilfe in Aussicht gestellt, ebenso Private. Auf Letztere sei das AWA aber noch nicht zurückgekommen, denn sonst ergäben sich Probleme mit dem Datenschutz und den Computer-Zugriffsrechten.

Die vielen Kurzarbeits-Gesuche seien nicht innert zwei Wochen zu bewältigen, so Engeler. «Das ist eine unendliche  Papierflut, zumal die Prozesse nicht vollumfänglich digitalisiert sind. Doch wir arbeiten mit Hochdruck daran.» Pro Gesuch liege der Zeitaufwand zwischen zehn Minuten und zwei Stunden, hiess es beim AWA auf Nachfrage. «Ab 1. April werden wir mit den Auszahlungen beginnen können», sagte Engeler. Es gebe für Firmen nebst der Kurzarbeit auch die Möglichkeit von Überbrückungskrediten.

Andrang bei den
Arbeitsvermittlungszentren

Die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren seien übrigens nicht wegen Corona geschlossen. Auch dort sei der Andrang gross: «Viele lassen sich schon mal beraten», sagte die AWA-Chefin. Sie erinnerte daran, dass der Bund maximal 120 zusätzliche Taggelder für Arbeitslose bewilligt habe: «Das bedeutet, dass bis auf Weiteres keine Aussteuerungen stattfinden.» Wie sich die Coronakrise auf die Arbeitslosenzahlen auswirkt, zeigt sich ab 8. April; dann veröffentlicht der Bund die neusten Daten.

Ende Februar lag die Arbeitslosenquote im Kanton Zürich bei tiefen 2,3 Prozent;  die Wirtschaft brummte noch. «Jetzt ist die Situation dramatisch, aber auch eine Chance», sagte Regierungsrätin Walker Späh. Sie wolle nicht zynisch klingen. «Doch die Digitalisierung, die neuen, kreativen Ideen, die Zusammenarbeit über den eigenen Tellerrand hinweg – das stimmt mich positiv. Wir werden aus dieser Krise hinausfinden.»

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