Bevor Ernst Hintermann im Alter von 42 Jahren ein Spenderherz bekam, waren ihm zehn Jahre zuvor bereits eine neue Herzklappe und ein Schrittmacher eingesetzt worden. «Diese Operationen waren viel aufwendiger als die Herztransplantation selber», sagt Hintermann. «Vor mir wurden in Zürich 33 Menschen ein neues Herz eingesetzt, ich war Nummer 34.» Das geschah am 11. Februar vor 30 Jahren.

Ein Jahr vorher war er als Notfall im Zürcher Waidspital gelandet, weil er Wasser auf der Lunge hatte. Dort erfuhr er von seinen zunehmenden Herzproblemen. «Die Fachleute sprachen von einer alten, ausgeleierten Pumpe. Dabei war ich doch erst knapp über 40.» Hintermann kam auf die Liste des Unispitals für ein Spenderherz. «Die Wartezeit war sehr mühsam.» Daran erinnert er sich heute noch. «Einmal war bereits alles für die Operation vorbereitet worden, aber es war Fehlalarm.»

Während dieser ganzen Vorbereitungszeit konnte er auf die Unterstützung seiner Frau Frieda zählen. «Wir hatten zwei schulpflichtige Kinder, die mich auch brauchten. Ich kümmerte mich um den Haushalt und den Garten, das brachte Ablenkung», sagt Frieda Hintermann. «Die Erleichterung, dass ein passendes Spenderherz gefunden wurde, war gross.» Deshalb ist sie Organspenden gegenüber äusserst positiv eingestellt. «Menschen, die ihre Organe zur Verfügung stellen, retten das Leben anderer.»

Ein Leben mit Medikamenten

Ernst Hintermann hat keine Sekunde gezögert, sich ein fremdes Herz implantieren zu lassen. «Ohne wäre ich bald gestorben.» Obwohl die Ärzte ihm kein Erfolgsversprechen machen konnten, war er immer zuversichtlich. «Drei Wochen nach dem Eingriff durfte ich nach Hause.» Abgesehen von einer leichten Abstossungsreaktion des fremden Organs nach drei Monaten funktioniert alles bestens. «Vier Monate nach dem Eingriff bin ich von Beatenberg aufs Niederhorn gewandert. Das war ein gutes Gefühl.»

Herztransplantierte müssen ein Leben lang Medikamente einnehmen. «Das ist manchmal belastend. Doch die Freude darüber, dass das Spenderherz mitmacht, ist viel grösser.» Dass dieses seit 30 Jahren seinen Dienst tut, führt Hintermann auch auf die konsequente Einnahme der verschiedenen Medikamente zurück.

Ein Jahr nach der Operation hat der kaufmännische Angestellte wieder 50 Prozent an seiner früheren Stelle gearbeitet. Das sei nicht selbstverständlich, bemerkt Hintermann. Viele Menschen seien nach einem solchen Eingriff gar nicht mehr berufstätig. «Für mich war es aber sehr wichtig, wieder eine Aufgabe zu haben.» In seiner Freizeit beschäftigte sich Hintermann mit der Modellfliegerei und restaurierte zusammen mit seinem Vater einen alten Traktor. Früher unternahm er sogar Ausflüge damit. Im Alter von 60 Jahren liess er sich pensionieren.

Ein fast normales Leben führen

Seit 30 Jahren gehören regelmässige Arztbesuche zum Leben des 72-Jährigen. «Dadurch können Veränderungen festgestellt und Massnahmen getroffen werden», sagt er. Als Folge der jahrelangen Medikamenteneinnahme ist Hintermann nun an Hautkrebs erkrankt und muss sich einer Chemotherapie unterziehen.

«Im Moment geht es mir wieder ein bisschen besser.» Zusammen mit seiner Frau unternimmt er immer noch gerne Reisen in der Schweiz. Und auch an seinen vier Enkelkindern hat er grosse Freude. Dank der Herztransplantation kann er ein fast normales Leben führen, vergleichbar mit dem anderer Menschen in seinem Alter.