Und sie kamen, die Dietiker. Zu Tausenden, wie die Limmat-Zeitung schrieb. Endlich hatten auch die Dietiker ihr eigenes Einkaufszentrum, nach Spreitenbach mit dem Shoppi und Schlieren mit dem Lilien-Zentrum waren nun auch sie an der Reihe. «Das Warten hat sich gelohnt», versprachen die Unternehmer denn auch in den Reklamen.

Scanning-Betrieb als Highlight

Schlagzeilen machte damals insbesondere die neue Migros mit 1800 Quadratmetern Verkaufsfläche. Hier präsentiere sich «ein äusserst attraktiver Migros-Markt, der breiteste Sortimentswünsche abdeckt», wie die Limmat-Zeitung am 5. November 1987 schrieb. Besonders gelobt wurden die klaren Zirkulationswege zwischen den Gestellen und Abteilungen und die gute Übersicht in den verschiedenen Bereichen.

Ein besonderes Highlight vor 25 Jahren: der Scanning-Betrieb an den elf Kassen. «Erstmals bei einer Filialeröffnung der Migros Zürich ist der MM Dietikon von allem Anfang an auf Scanning-Betrieb an Kassen und Datenbewirtschaftung eingerichtet», erwähnten die Verantwortlichen damals stolz. In Kombination mit den ergonomisch optimalen Arbeitsbedingungen und der hohen Leserate des Strichcodes könne ein reibungsloser Kassiervorgang geboten und selbst an Spitzentagen ein Schlangenstehen verhindert werden.

Bedenken wegen Spreitenbach

Bereits in den Fünfziger- und Sechzigerjahren sprachen Architekten und Stadtplaner von einem Einkaufszentrum. Hans Marti, Architekt und städtebaulicher Berater der Gemeinde, hatte 1959 erstmals eine grobe Vorstellung einer grosszügigen Eingangsachse Bahnhof - Zentrum festgehalten, die in Zusammenhang mit der Errichtung repräsentativer Bauten für das Geschäftsleben, die Verwaltung und die Kultur hätten angelegt werden sollen.

Dietikon befürchtete, durch die wirtschaftliche Entwicklung Spreitenbachs benachteiligt zu werden: «Wenn wir nicht zur Altstadt Spreitenbachs absinken wollen, muss auch der Dorfkern mit Einkaufszentren so bald als möglich verwirklicht werden. Die Sicherung des nötigen Landes lässt nicht mehr auf sich warten», so ein Zitat aus einem Protokoll von anno 1966 aus dem Gemeindearchiv der Stadt Dietikon.

Diese Befürchtung hätte belegt, «welche Bedeutung der Verfügung über ein leistungsfähiges und attraktives Geschäftszentrum als Mittel zur Sicherung einer vielfältigen, relativ selbstbestimmten Siedlungsentwicklung zukam», schrieb Kunsthistoriker Sylvain Malfroy im Neujahrsblatt 1994 zum Entwicklungsplan.

Grosses Einkaufszentrum mit Geschäften und Restaurants

In den darauffolgenden Jahren löste man sich von diesem monumentalen Ansatz einer Eingangsachse. Die Architekten Werner Moser und Jakob Schilling, die die neuen Zentrumspläne entwickelten, planten in der verkehrsfreien Zone zwischen Kirchplatz und Bahnhof ein grosses Einkaufszentrum mit Geschäften und Restaurants.

Doch das Projekt kam harzig voran: Die Gemeinde Dietikon besass im Zentrum nur gerade fünf Prozent des Grundeigentums. Die Verhandlungen mit den Grundeigentümern über Landerwerb oder -tausch für die Realisierung der Überbauung waren zäh, Übereinkünfte schwer zu erreichen.

Während die Dietiker noch über ihrer Planung brüteten, wurde 1970 in Spreitenbach das schweizweit erste Einkaufszentrum, das «Shoppi» eröffnet. Drei Jahre später, 1973, doppelten die Spreitenbacher mit dem «Tivoli» nach, 1974 eröffneten die Schlieremer ihr Lilie-Zentrum, 1979 die Oberengstringer ihr «Zentrum».

In Dietikon war man bis dahin mit dem Einkaufszentrum nicht viel weiter gekommen. Als sich durch die Rezession Mitte der Siebzigerjahre ein Rückgang der Bautätigkeit abzeichnete, verweigerten viele Grundeigentümer die Unterschrift. Ausserdem zogen sich drei grosse Bauherren zurück. 1975 erklärte der Dietiker Stadtrat den Gestaltungsplan «Zentrum Dietikon» für gescheitert.

16 Mieter zur Eröffnung

Dietikon nahm den Bau seines Einkaufszentrum sechs Jahre später wieder in Angriff: Erste Vorgespräche fanden im Herbst 1981 statt, erst 1985 aber waren die Vorarbeiten und Vorstudien so weit fortgeschritten, dass mit den Ausführungsplänen begonnen werden konnte.

Nach zweijähriger Bauzeit zogen 16 Mieter in das Löwenzentrum: der Migros-Markt, das Migros-Restaurant «Diagonal», der Kiosk Schmidt-Agence, der Schuh- und Schlüssel-Service Mister Minit, der Photoschnell-Service, die Quidort AG Apotheke, die Mode-Boutique «di Roberto», die Bäckerei Ulrich, der Coiffina Damen- und Herrencoiffeur Metro Hair, die Donare Geschenkartikel-Boutique, die Boutique «Chicorée», Radio-TV Burkhardt, Eduscho, Domus Bank, die Arztpraxis Brand und und die Zahnarztpraxis Navratil.