Mit der Ordination von Rosa Gutknecht (1885-1959) und Elise Pfister (1886-1944) war die Zürcher Landeskirche sogar die erste in ganz Europa, die Frauen ordinierte, wie die Reformierte Kirche Kanton Zürich am Montag mitteilte. Ein Veranstaltungszyklus erinnert an dieses Ereignis.

Rosa Gutknecht und Elise Pfister hatten gemeinsam in Zürich Theologie studiert und mit Bestnote abgeschlossen. Der Zeitpunkt ihrer Ordination fiel in revolutionäre Zeiten, kurz vor dem Landesstreik. Auch bürgerliche Kreise setzten sich damals für Frauenrechte ein, wie es auf dem Online-Portal der Reformierten heisst.

Ohne Frauenstimmrecht kein öffentliches Amt

Die Freude über den grossen Schritt in Richtung Gleichberechtigung währte jedoch nicht lange. Ohne das Frauenstimmrecht, ohne das eine Frau nicht in ein öffentliches Amt gewählt werden konnte, durften sie auch kein Pfarramt übernehme.

Angestellt wurden die beiden Frauen daher mit weniger Lohn als die männlichen Pfarrer und lediglich als "Hülfskraft der Herren Geistlichen" also als Pfarrhelferinnen. Sie hielten aber regelmässig Gottesdienste und übten auch andere pfarramtliche Funktionen aus.

In den 1930er-Jahren begannen die Kantonalkirchen damit, die pfarramtliche Tätigkeit zu regeln. Das ging jedoch mit weiteren Diskriminierungen einher. So durften Pfarrerinnen zwar predigen und taufen, nicht aber überall das Abendmahl leiten, wie es auf dem Online-Portal heisst.

Der Kampf um Gleichberechtigung dauerte Jahrzehnte. Ende der 1950er-Jahre waren in der Deutschschweiz gerade einmal 16 Theologinnen in Kirchgemeinden tätig. Erst 1963 wurde mit dem neuen Kirchenrecht das volle Pfarramt für die Frau realisiert.