Zürich

Von Woodstock zur Street Parade: Was die beiden Festivals miteinander verbindet

Die Street Parade vereint Hunderttausende zum Tanz um die Love Mobiles. Am Samstag ist es wieder so weit.

Die Street Parade gilt als Kind der 1990er-Jahre, doch es gibt Anlehnungen ans epochale Hippie-Festival von 1969.

Gegen eine Million Besucherinnen und Besucher werden am Samstag wieder zur Street Parade in Zürich erwartet. Sie tanzen um die 30 Love Mobiles, die von 14 bis 22 Uhr im Schritttempo ums Seebecken fahren, um von ihren Lastwagen-Plattformen aus Techno-Klänge unters Volk zu bringen. Zum Teil findet sich das Partyvolk auch schon ab 13 Uhr vor den acht Bühnen entlang der Paraderoute ein, wo namhafte DJs wie Animal Trainer, Erick Morillo und Toni Varga bis Mitternacht einheizen.

1992 hatte der damals 23-jährige Zürcher Student Marek Krynski die Street Parade gegründet. Sie gilt als Kind der 1990er-Jahre. In jenen Jahren wurde sie gross: Zur ersten Ausgabe mit vier Sound-Lastwagen, von denen nur einer richtig funktionierte, kamen knapp 2000 Leute. Bei der zehnten Street Parade waren 2001 bereits eine Million Menschen dabei – eine Grössenordnung, die seither mehrmals wieder erreicht wurde, sofern das Wetter mitspielte.

Nun findet die Parade bereits zum 28. Mal statt. Ihre diesjährige Ausgabe fällt in einen Zeitraum, in dem eines epochalen Festivals gedacht wird, das vor 50 Jahren über die Bühne ging: Woodstock. Doch was hat die Street Parade mit dem Grossereignis der Hippie-Kultur von Mitte August 1969 zu tun? Es gibt Verbindungen. Und sie reichen über Zufälle hinaus. Zufälle wie die Tatsache, dass Street-Parade-Gründer Krynski im Woodstock-Jahr 1969 geboren wurde. Da sind zum Beispiel die Mottos der Street Parade, die sich an Ideale der Hippie-Kultur anlehnen.

Woodstock 1969: Die Hippies zelebrierten ähnliche Ideale wie die Street Parade heute.

Woodstock 1969: Die Hippies zelebrierten ähnliche Ideale wie die Street Parade heute.

Das diesjährige Street-Parade-Motto lautet «Colours of Unity», Farben der Einheit. Es soll darauf aufmerksam machen, dass Menschen verschiedenster Herkunft an der Street Parade zusammenkommen, um gemeinsam zu feiern – und dies «in Zeiten, wo Grenzen geschlossen und Mauern gebaut werden», wie die Veranstalter in einer Medienmitteilung schreiben. Sie erinnern auch daran, dass die Street Parade seit ihrer Gründung eine Demonstration für Liebe, Friede, Freiheit und Toleranz sei. Dies kam in den vergangenen Jahren mit Mottos wie «Culture of Tolerance» (Kultur der Toleranz), «Love Never Ends» (Liebe endet nie) oder schlicht «Peace» (Friede) zum Ausdruck.

Die Grundgedanken des Woodstock-Festivals von 1969 waren ähnlich. «Three Days of Peace and Music» (drei Tage des Friedens und der Musik) lautete dessen Motto. Auch von den «Colours of Unity» der Street Parade lässt sich auf Woodstock verweisen: Es war eines der ersten grossen Festivals, an denen die Rassentrennung in der Musikbranche überwunden wurde. Musiker verschiedener Hautfarben traten gemeinsam in den Hügeln bei Woodstock auf. Das dreitägige Festival im US-Bundesstaat New York ging in die Geschichte ein als Anlass, an dem rund 400'000 Menschen friedlich zusammenkamen, um zu feiern und zu tanzen – bis hin zur Ekstase. Danach nahmen manche ein Nacktbad im nahen See. Entsprechende Bilder sind filmisch vom Woodstock-Festival überliefert und prägten sich ins kollektive Gedächtnis ein. Sie sind auch an der Street Parade zu sehen.

Keine Subkultur mehr, sondern angekommen

Und noch etwas verbindet Woodstock und die Street Parade: Beide Anlässe wurden gross, weil sie das Lebensgefühl einer Generation trafen. Durch Woodstock und die Street Parade erkannte die jeweilige Generation, dass ihre Kultur keine Subkultur mehr war, sondern breiten Rückhalt hatte. Sie war angekommen.

Nur der Soundtrack ist nicht der gleiche: Was Rockmusik für die Hippies war, ist Techno für die Generation Street Parade. Danach kam lange nichts Neues, das musikalisch derart massenwirksam wurde. «Irgendwann wird etwas anderes in den Fokus rücken. Aber im Moment sehe ich nichts, was darauf hinweisen würde, dass die Street Parade dereinst nicht mehr erwünscht ist», sagte Parade-Gründer Krynski anlässlich der 25. Ausgabe der Street Parade im Gespräch mit dieser Zeitung. Und: «Jede Generation baut auf dem auf, was die Generationen davor gemacht haben.» Krynski hatte die Street Parade 1992 nach dem Vorbild der inzwischen verschwundenen Berliner Love Parade gegründet. Doch ohne Woodstock gäbe es die weltweit grösste Technoparty so, wie sie sich seither etabliert hat, wohl nicht.

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